
Washington zieht Antifas digitalem Untergrund den Stecker
Während europäische Politiker radikale Aktivisten verhätscheln, zielen die Vereinigten Staaten auf die technologische Infrastruktur, die linksradikalen Extremismus antreibt.

Jahrelang haben sich europäische Regierungen mit der Vorstellung getröstet, dass linke gewalttätige Gruppen lediglich lose Zusammenschlüsse leidenschaftlicher Idealisten seien. Washington nimmt eine wesentlich weniger romantische Sichtweise ein. Indem sie das italienische IT-Kollektiv Autistici/Inventati und seine Hosting-Plattform Noblogs als speziell designierte globale Terroristen eingestuft haben, haben das US-Finanzministerium und das Außenministerium ihre Taktik geändert: Nicht nur Täter auf der Straße jagen; stattdessen das digitale Rückgrat demontieren, das sie funktionsfähig hält.
Gegründet im Zuge des G8-Gipfels 2001 in Genua, präsentierte sich Autistici/Inventati lange Zeit als harmlose, ehrenamtliche Tech-Gruppe, die Tools zur digitalen Selbstverteidigung bereitstellt. In einer auf seinem Netzwerk veröffentlichten offiziellen Erklärung wehrte sich das Kollektiv gegen die Einstufung: Antifaschismus und Antikapitalismus sind kein Terrorismus. Protestieren ist kein Terrorismus. Und jeder hat das Recht, seine Meinung zu äußern und für die Menschheit zu kämpfen.
Die amerikanischen Geheimdienste sehen jedoch eine weitaus pragmatischere Realität. Laut dem US-Außenministerium versorgte das Kollektiv systematisch verschlüsselte Kommunikation, anonyme E-Mail-Dienste und Server-Hosting für gewalttätige linksextreme Netzwerke in ganz Europa und Nordamerika. Amerikanische Behörden stellten auch fest, dass von dem Kollektiv gehostete Plattformen Propaganda für ausgewiesene terroristische Einheiten, darunter die Hamas und die Iranischen Revolutionsgarden, verbreiteten. Die Finanzsanktionen frieren nun alle Vermögenswerte unter amerikanischer Gerichtsbarkeit ein und isolieren die Gruppe effektiv von globalen Bankensystemen, wodurch Zahlungsanbieter Angst vor sekundären Sanktionen haben. Zahlreiche zugehörige Server wurden fast sofort abgeschaltet.
Dieser aggressive Schritt verdeutlicht eine wachsende transatlantische Spaltung im Umgang mit politischer Gewalt. US-Außenminister Marco Rubio skizzierte eine umfassende Strategie, die darauf abzielt, das zu stören, was Washington als transnationale Netzwerke militanter Gruppen identifiziert, die verschlüsselte Kanäle, sichere Häuser und internationale Finanzströme teilen. Nach aktualisierten Definitionen des US-Finanzministeriums erreicht politische Gewalt, die sich gegen physische Infrastruktur richtet – wie der ungelöste Angriff auf Berlins Stromnetz Anfang dieses Jahres –, die Schwelle des Terrorismus.
Jenseits des Atlantiks bietet die politische Realität ein ganz anderes Bild. In Deutschland stieg die Zahl linker gewalttätiger Vorfälle um 43 Prozent, doch die staatlichen Behörden haben mit der grundlegenden Strafverfolgung zu kämpfen. Staatliche Programme leiten weiterhin Millionen von Steuergeldern in aktivistische Nichtregierungsorganisationen mit vagen Grenzen zwischen legitimer ziviler Arbeit und radikalen Gruppen wie der Hammerbande oder der Interventionistischen Linken. Hochrangige Politiker bekunden routinemäßig öffentliche Sympathie für radikale Bewegungen, während lokale Geheimdienste defensive Erklärungen in sozialen Medien veröffentlichen.
Während Washington technische Infrastruktur, Finanzierungsströme und extremistische Plattformen als integrale Bestandteile politischer Gewalt betrachtet, bleiben europäische Hauptstädte durch interne Koalitionsstreitigkeiten und ideologische Nostalgie gelähmt. Finanziellen und technischen Sauerstoff abzuschneiden ist eine gängige Anti-Terror-Strategie; so zu tun, als würden gewalttätige Extremisten in einem Vakuum edler Absichten operieren, ist schlicht administrative Nachlässigkeit.
Verfasst von Thomas Nussbaumer
Neueste Nachrichten





