
Moralische Selbstdarstellung auf vier Rädern: Warum deutsche Klimaminister Elektroautos abschaffen
Ein neuer Flottenbericht enthüllt, dass die Politiker, die eine grüne Transformation predigen, für sich selbst hochmotorisierte Hybride und Dieselantriebe bevorzugen.

Wenn es darum geht, der Öffentlichkeit ökologische Tugend zu predigen, verpassen deutsche Politiker selten eine Gelegenheit, Opfer zu fordern. Doch wenn es um ihren eigenen Dienstwagen geht, scheint die Realität der batteriebetriebenen Mobilität weit weniger verlockend. Die neueste jährliche Flottenauswertung der Deutschen Umwelthilfe enthüllt einen vielsagenden Trend in den Bundes- und Landesministerien: Genau die Persönlichkeiten, die mit der Durchsetzung von Klimavorgaben beauftragt sind, tauschen ihre reinen Elektrofahrzeuge stillschweigend gegen spritfressende Plug-in-Hybride und Diesel ein.
Von 249 analysierten Dienstwagen auf Bundes- und Landesebene erfüllten 160 den Schwellenwert der Umweltorganisation von 93,6 Gramm Kohlendioxid pro Kilometer nicht. Anstatt mit gutem Beispiel voranzugehen, sank der Anteil vollelektrischer Autos in den Regierungsflotten auf 36 Prozent, während Plug-in-Hybride mit 42 Prozent zur dominierenden Wahl wurden.
Besonders deutlich wird die Haltung bei jenen, die explizite Umweltressorts innehaben. Die grüne Senatorin Katharina Fegebank in Hamburg tauschte ihr batterieelektrisches Fahrzeug gegen einen Mercedes-Benz E300e Plug-in-Hybrid ein, der rechnerisch 153 Gramm CO2 pro Kilometer erzeugt. Sie ist kaum die Einzige. Sachsen-Anhalts Klimaschutzminister Armin Willingmann von der SPD landete am Ende des Klimarankings der Umweltminister, indem er in einem 462 PS starken Audi A8 L mit V6-Motor unterwegs war, der geschätzte 192 Gramm CO2 pro Kilometer erzeugt. Sein Bundesland verzichtet komplett auf batterieelektrische Ministerfahrzeuge, eine Unterscheidung, die nur mit Mecklenburg-Vorpommern geteilt wird, dessen eigener Klimaminister, Till Backhaus, auf einen konventionellen Diesel-Audi A6 setzt.
Dieser Rückzug von reinen Elektroautos erstreckt sich bis in die höchsten Korridore der Bundespolitik. Im Auswärtigen Amt gaben die Staatsminister Serap Güler, Gunther Krichbaum und Florian Hahn alle vollelektrische Fahrzeuge zugunsten schwerer Audi A8 Luxushybride auf. Justizministerin Stefanie Hubig und Bildungsministerin Karin Prien teilen sich ähnlich schlechte Platzierungen in identischen Hochleistungs-Audi-Modellen.
Die von der Deutschen Umwelthilfe verwendete Methodik geht davon aus, dass Plug-in-Hybride 89 Prozent ihrer Strecken mit Verbrennungsmotoren und nur 11 Prozent mit Strom zurücklegen. Nach diesen Metriken erreichten Plug-in-Hybride in Regierungsflotten durchschnittlich 179 Gramm CO2 pro Kilometer, kaum besser als reine Verbrennungsmotoren mit 193 Gramm. In den Parteienrankings schnitt die FDP mit durchschnittlich 196 Gramm am schlechtesten ab, gefolgt von der CSU mit 171 Gramm und der CDU mit 154 Gramm. Während die Grünen mit 89 Gramm den niedrigsten Durchschnitt beibehielten, zeigen prominente Einzelausnahmen wie Fegebank, wie gering das Engagement für Batteriestrom ist, wenn es um Bequemlichkeit geht.
Nur wenige Politiker widersetzten sich diesem Trend. Niedersachsens grüner Umweltminister Christian Meyer fährt einen elektrischen Audi A6 mit durchschnittlich 50 Gramm CO2 pro Kilometer, basierend auf dem deutschen Strommix, während Entwicklungsministerin Reem Alabali-Radovan die Bundesregierung mit einem elektrischen Mercedes-Benz EQS anführt.
Dennoch bleibt der übergeordnete Trend klar. Wenn staatliche Subventionen entfallen und sie mit Reichweitenbegrenzungen oder Ladelogistik umgehen müssen, wählt selbst Deutschlands politische Elite stillschweigend den zuverlässigen Komfort traditioneller Ingenieurskunst. Wenn die Architekten von Deutschlands grüner Transformation Elektrofahrzeugen nicht zutrauen, sie zu ihren eigenen Terminen zu bringen, warum sollte es dann jemand anderes tun?
Verfasst von Andreas Hofer
Neueste Nachrichten





