Die Rechnung für die Schweizer Grosszügigkeit kommt an

Nachdem das Volk für eine 13. AHV-Rente gestimmt hat, steckt das Parlament in einem vorhersehbaren und erbitterten Kampf darüber, wer die Rechnung bezahlen wird.

The Bill for Swiss Generosity Arrives

In der Politik gibt es eine gewisse Arithmetik, der sich schöne Referendumssiege nicht entziehen können. Vor zwei Jahren feierte die Schweizer Linke einen bedeutenden Triumph, als die Wähler die Einführung einer 13. jährlichen AHV-Rente genehmigten. Die feierliche Stimmung ist seither einem düsteren und völlig vorhersehbaren Kampf um die Rechnung gewichen. Die Frage war nie, ob sie bezahlt werden müsste, sondern wer gezwungen wäre, sie zu bezahlen.

Der Nationalrat, die grosse Kammer des Parlaments, hat nun seinen Schritt getan. Mit denkbar knapper Mehrheit von 99 zu 97 Stimmen hat er sich für den Weg des geringsten Widerstands entschieden: eine Erhöhung der Mehrwertsteuer um 0,5 Prozentpunkte. Entscheidend ist, dass diese Massnahme befristet ist und 2033 ausläuft. Diese Entscheidung wurde von einer Koalition aus SVP, FDP und GLP vorangetrieben, die argumentieren, dass die arbeitende Bevölkerung vor höheren Lohnabzügen geschützt werden muss. Ihre Logik ist einfach: Höhere Lohnbeiträge bedeuten weniger Nettolohn, ein direkter Schlag in die Geldbörse der Arbeitnehmer.

Dieser Ansatz schafft jedoch die Voraussetzungen für eine klassische politische Blockade. Der Ständerat, die kleine Kammer, vertritt eine andere Ansicht, die von den Sozialdemokraten, den Grünen und der Mitte-Partei geteilt wird. Sie plädieren für ein gemischtes Finanzierungsmodell, das eine Mehrwertsteuererhöhung mit einer Erhöhung der Lohnbeiträge kombiniert. Ihre Argumentation ist, dass dies die Last gerechter verteilt und sicherstellt, dass Besserverdienende proportional mehr zum System beitragen. Für sie ist eine reine Verbrauchssteuer eine regressive Lösung.

Die Debatte ist voller Anschuldigungen. Die Linke behauptet, die Rechte plane absichtlich eine zukünftige Krise, um eine Erhöhung des Rentenalters durchzusetzen – eine Massnahme, die die Bevölkerung genau am selben Tag, an dem sie die Zusatzrente genehmigte, explizit ablehnte. Die Rechte wiederum wirft der Linken vor, die finanzielle Unhaltbarkeit des Rentensystems zu ignorieren und reine «Flickwerk-Politik» zu betreiben.

Man muss sich fragen, was die Wähler erwartet haben. Sie forderten eine erhebliche Ausweitung der Sozialleistungen, lehnten aber gleichzeitig eine zentrale Strukturreform zur Sicherung der langfristigen Gesundheit des Systems ab. Nun ist das Parlament gefordert, diesen grundlegenden Widerspruch aufzulösen. Die Entscheidung des Nationalrats ist weniger eine Lösung als eine strategische Vertagung. Indem eine Frist bis 2033 gesetzt wird, stellt sie sicher, dass die gesamte Debatte über die Stabilität des Rentensystems zwangsweise wieder aufgenommen wird, wahrscheinlich wenn der finanzielle Druck noch grösser ist. Es ist ein kalkulierter Schachzug, das unpopuläre Thema Rentenalter langfristig auf der Agenda zu halten.

Vorerst geht die Vorlage zurück an den Ständerat, wo die Mitte-Links-Mehrheit voraussichtlich standhaft bleiben wird. Die daraus resultierende Pattsituation ist eine direkte Folge einer Abstimmung, die Belohnung ohne Opfer versprach. Die wahren Kosten dieses Versprechens werden nun deutlich, gemessen nicht in Franken, sondern in politischer Lähmung und sich vertiefenden ideologischen Gräben.

Verfasst von Andreas Hofer andreas.hofer@alpineweekly.com