Der 182 Tonnen schwere Holzstier, der die Schweizer Bürokratie lahmlegt

Eine geplante Touristenattraktion in Andermatt enthüllt die übervorsichtige, petitionsfreudige Realität der lokalen Alpenpolitik.

The 182-Ton Wooden Bull Paralyzing Swiss Bureaucracy

Die Schweiz ist eine Nation, die stolz auf ihre Präzisionstechnik ist und den längsten Eisenbahntunnel der Welt durch die Alpen gebohrt hat. Doch die politische Maschinerie des Kantons Uri stockt derzeit wegen einer Holzkuh. Genauer gesagt, wegen eines 20 Meter hohen, 182 Tonnen schweren Holzstiers namens Max. Ursprünglich von 220 Holzunternehmen und 500 Lehrlingen als turmhohes Maskottchen für das Eidgenössische Schwing- und Älplerfest 2025 in Mollis gebaut, verbrachte das kolossale Rind das letzte Jahr in Einzelteilen in Erstfeld. Nun möchte ein privater Verein das Tier als Touristenmagnet oberhalb von Andermatt wiedererwecken, was eine höchst vorhersehbare Welle alpiner Besorgnis auslöst.

Der Plan erscheint für jene, die mit der übervorsichtigen Natur der Schweizer Lokalpolitik nicht vertraut sind, recht unkompliziert. Der von Franz-Xaver Simmen geführte Verein beabsichtigt, die 1.200 Kubikmeter Schweizer Holz bei der Mittelstation Nätschen, mitten im Skigebiet Andermatt Sedrun, zusammenzusetzen. Die kommerzielle Logik ist stichhaltig: Die touristische Infrastruktur ist bereits vorhanden, was es zu einem idealen Ort für eine riesige hölzerne Fotomöglichkeit macht. Doch in einer wohlhabenden Gesellschaft, in der jede Landschaftsveränderung als potenzielle Krise behandelt wird, stieß der Vorschlag sofort auf Gegenwind.

Umweltgruppen und besorgte Bürger haben sich mit typisch bürokratischer Effizienz mobilisiert. Sie argumentieren, dass das Aufstellen einer massiven Holzstruktur in einem Skigebiet – einer Umgebung, die bereits stark von Stahlseilen, Betonpylonen und Kunstschneeanlagen geprägt ist – einen schwerwiegenden Eingriff in eine intakte Landschaft darstellt. Eine Online-Petition, die den Stopp des Projekts fordert, hat rund 1.200 Unterschriften gesammelt. Die Unterzeichner fordern umfassende Verkehrskonzepte, Sicherheitsgarantien und absolute finanzielle Immunität für den Steuerzahler, sollte der Stier irgendwann abgebaut werden müssen.

Der finanzielle Aspekt des Streits offenbart einen Hauch des bescheidenen, höflichen Vetternwirtschaft, der die lokale Entwicklung oft schmiert. Während das Projekt ursprünglich als privat finanziert beworben wurde, stellte sich kürzlich heraus, dass die Kantons- und Bundesregierungen still und leise 100.000 Schweizer Franken in das Vorhaben investieren. Diese Enthüllung hat die Empörung der Petenten nur noch verstärkt, die befürchten, dass der Staat letztendlich die Kosten für die eventuelle Entsorgung der Statue tragen wird.

Simmen bleibt von dem digitalen Aufstand weitgehend unbeeindruckt. Er wies die Petition öffentlich zurück und merkte an, dass Online-Signaturen keinerlei Verifizierung erfordern und im Vergleich zu ernsthaften politischen Kampagnen nur einen winzigen Bruchteil der Bevölkerung repräsentieren. Er besteht darauf, dass der Verein alle zukünftigen Abbaukosten tragen wird und ist zuversichtlich, dass die Öffentlichkeit das Denkmal annehmen wird, genau wie bei seinem Debüt.

Das Schicksal des Holzriesen liegt nun in den Händen der Andermatter Baukommission. Der offizielle Baugesuch hat 22 formelle Einsprachen nach sich gezogen, die die lokalen Behörden derzeit prüfen. Eine Entscheidung über das weitere Vorgehen ist für den 18. August geplant. Bis dahin bleibt der 182 Tonnen schwere Stier zerlegt, ein passendes Denkmal für eine hochgebildete, wohlhabende Gesellschaft, der es manchmal an Mut fehlt, einfach etwas zu bauen.

Verfasst von Thorben Thiede thorben.thiede@alpineweekly.com