
Die Schweiz und Österreich entdecken, dass Verteidigung Geld kostet
Bern und Wien koordinieren ihre Waffenbeschaffung, beginnend mit österreichischen Bestellungen für Skyranger-Systeme aus Zürich. Eine gemeinsame Luftwaffe bleibt jedoch vom Tisch.

Die Schweiz und Österreich präsentieren sich gerne als vernünftige, nüchterne Staaten, was angesichts ihrer nationalen Selbstbilder auch gerechtfertigt ist. Nun entdecken sie auch eine weniger romantische Wahrheit: Moderne Luftverteidigung ist teuer, und sie zweimal getrennt zu kaufen, ist ein Luxus, den selbst wohlhabende Länder lieber vermeiden. Bundesrat Martin Pfister und die österreichische Verteidigungsministerin Klaudia Tanner haben daher eine vertiefte militärische Beschaffungspartnerschaft angekündigt, mit der Luftverteidigung im Mittelpunkt.
Das unmittelbare Signal kommt aus Österreich. Es platziert eine große Bestellung in der Schweiz für 30 Skyranger-Flugabwehrsysteme von Rheinmetall Air Defence in Zürich im Wert eines dreistelligen Millionenbetrags. Die Schweiz plant, dasselbe System auch zur Drohnenabwehr zu erwerben, allerdings erst ab 2030. Die Abfolge ist in ihrer Vorsicht fast charmant: Ein Land kauft jetzt, das andere reicht die Absicht für später ein.
Auf einer gemeinsamen Pressekonferenz sagte Pfister, dass Europa bei der gemeinsamen Beschaffung noch ganz am Anfang stehe. Tanner ihrerseits argumentierte, dass moderne Systeme ohne gemeinsame Beschaffung nicht wirklich finanziert werden könnten und Investitionen notwendig seien. Die Logik ist schwer zu bestreiten. Wenn Staaten eine leistungsfähige Luftverteidigung wollen, müssen sie dafür bezahlen; wenn sie gemeinsam bezahlen, zahlen sie vielleicht zumindest weniger. Das ist keine große Strategie. Es ist Arithmetik, die oft die ehrlichere Disziplin ist.
Die Zusammenarbeit beginnt nicht bei null. Rund 140 bilaterale Sicherheitsprojekte laufen bereits zwischen den beiden Ländern, einschließlich gemeinsamer Truppenübungen. Das neue Element ist der Austausch von Luftlagedaten, der es ermöglichen soll, Lenkflugkörper früher zu erkennen und zu bekämpfen, bevor sie nationale Grenzen überqueren. Anders ausgedrückt: Vertrauen, aber mit Radar.
Dem Enthusiasmus sind jedoch Grenzen gesetzt. Die Idee einer Zusammenlegung der beiden Luftwaffen wurde als illegal abgelehnt. Sowohl die Schweiz als auch Österreich sind verfassungsrechtlich verpflichtet, ihren eigenen Luftraum zu verteidigen, sodass eine gemeinsame Luftwaffe nicht zur Debatte steht. Die Souveränität der Verteidigung bleibt intakt, zumindest auf dem Papier, während die Beschaffung kooperativer wird. Das ist wahrscheinlich der realistischste Kompromiss, der in Europa verfügbar ist: die Rechnung teilen, die Flagge behalten.
Verfasst von Thomas Nussbaumer
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