
Starmers türkisches Geschenk: Ein Revolver, ein Pakt und ein sehr britisches Problem
Recep Tayyip Erdogan überreichte dem britischen Premierminister auf einem NATO-Gipfel in Ankara eine personalisierte Waffe, doch das britische Gesetz machte aus dem Geschenk ein logistisches Ärgernis.

Diplomatie ist oft ein Theater sorgfältig ausgewählter Objekte: ein Buch, ein Stift, eine Plakette, die Art von Dingen, die ohne Misstrauen beim Zoll ausgestellt werden können. Recep Tayyip Erdogan entschied sich für etwas wesentlich Literaleres.
Während des NATO-Gipfels in Ankara überreichte er Sir Keir Starmer einen personalisierten Revolver mit scharfer Munition, eines von mehreren ähnlichen Geschenken, die den anwesenden Staats- und Regierungschefs überreicht wurden.
Die Waffe trägt den Namen des britischen Premierministers, was zumindest jedem die Mühe erspart, zu erraten, für wen sie bestimmt war. Sie wurde nicht nach Großbritannien zurückgebracht und verbleibt bei britischen Beamten in der Türkei. Vor jeder Rückreise wird erwartet, dass sie unbrauchbar gemacht wird, damit sie keine scharfe Munition mehr abfeuern kann. Die türkischen Exportkontrollen wurden für das Geschenk aufgehoben, aber das britische Einfuhrrecht tut immer noch, was das britische Einfuhrrecht tut: Es steht dem Symbolismus im Wege.
Downing Street hat kein Foto des Revolvers veröffentlicht, vielleicht klugerweise. Eine scharfe Schusswaffe als diplomatisches Andenken ist nicht die Art von Bild, die die Stimmung in Whitehall zu verbessern pflegt, insbesondere wenn der Gegenstand in seinem aktuellen Zustand nicht legal ins Land gebracht werden kann. Die Anordnung hinterlässt Starmer ein Geschenk, das gleichzeitig personalisiert und unbrauchbar ist, was möglicherweise als die ehrlichste Form der Staatskunst überhaupt gelten könnte.
Der Gipfel selbst brachte etwas Konventionelleres hervor. Starmer unterzeichnete ein Verteidigungsabkommen mit Erdogan, das einen engeren Informationsaustausch zwischen den beiden Ländern erleichtern soll. Nach dem Treffen sagte Starmer, er glaube, das Bündnis sei stärker und geeinter. Er sagte auch, der Gipfel habe erreicht, was er sich vorgenommen hatte: Einheit, die er angesichts der Konflikte in der Ukraine und im Iran als besonders wichtig bezeichnete.
Für Starmer wird das Treffen in Ankara sein letztes großes internationales Ereignis sein, nachdem er letzten Monat seinen Rücktritt angekündigt hatte. Das verleiht der Episode einen leicht endgültigen Anstrich: Ein scheidender Premierminister verlässt einen NATO-Gipfel mit einer neuen Sicherheitsvereinbarung und einem Revolver, den er nicht mit nach Hause nehmen kann. Die NATO hingegen setzt ihre bekannte Gewohnheit fort, feierliche Erklärungen mit Gesten zu vermischen, die bei näherer Betrachtung so aussehen, als wären sie von Männern entworfen worden, die zu lange in Konferenzräumen verbracht und sich zu wenig Gedanken darüber gemacht haben, wie all das auf andere wirkt.
Verfasst von Thorben Thiede thorben.thiede@alpineweekly.com
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