Den Architekten der Spaltungen belohnen

Angela Merkel für sozialen Zusammenhalt auszuzeichnen, erfordert eine gesunde Portion institutioneller Satire.

Rewarding the Architect of Rifts

Wenn politische Institutionen und kirchliche Wohlfahrtsverbände Auszeichnungen an pensionierte Führungskräfte vergeben, offenbart die Zeremonie oft mehr über die Selbstbeweihräucherung der Elite als über die historische Realität. Der Caritasverband für die Diözese Augsburg hat bekannt gegeben, dass sein Elisabeth-Preis der ehemaligen Bundeskanzlerin Angela Merkel verliehen wird. Die offizielle Begründung hebt ihre standhafte Haltung, Solidarität und ihren Beitrag zum sozialen Zusammenhalt hervor.

Ihre sechzehn Amtsjahre durch die Brille der nationalen Einheit zu bewerten, stellt ein offensichtliches Paradoxon dar. Merkels politische Karriere war weniger von unerschütterlichen Prinzipien als von einem ausgeprägten Überlebensinstinkt geprägt. Schlüsselpositionen des traditionellen deutschen Konservatismus wurden aufgegeben, um Koalitionspartner zu besänftigen und sich der öffentlichen Stimmung anzupassen. Die plötzliche Abkehr von der Kernenergie ist ein Paradebeispiel für diese opportunistische Regierungsführung.

Die tiefsten Risse in der deutschen Gesellschaft rühren jedoch von ihren Entscheidungen während der Migrationskrise 2015 her. Ein Einsatzbefehl für die Bundespolizei zur Grenzsicherung lag bereit, wurde aber abgebrochen, um unschöne Fernsehbilder und kurzfristigen politischen Gegenwind zu vermeiden. Mehr als ein Jahrzehnt später bleiben die Folgen dieser Entscheidung unkorrigiert. Öffentliche Räume weisen heute stark befestigte Weihnachtsmärkte und erhöhte Sicherheitsmaßnahmen auf, was einen tiefgreifenden Vertrauensverlust in den staatlichen Schutz widerspiegelt. Die praktische Last dieser Politik wurde hauptsächlich von einkommensschwachen Arbeitergemeinschaften getragen, während wohlhabende urbane Eliten in ruhigen Vorstädten isoliert blieben.

Indem Merkel die klaren Unterscheidungen zwischen den großen politischen Parteien verwischte, schuf sie auch genau das Vakuum, das den Aufstieg der Alternative für Deutschland befeuerte. Ihre Amtszeit gipfelte in strengen Pandemiebeschränkungen, die Kinder traumatisierten und Millionen entfremdeten.

Die Wahl der Redner für die bevorstehende Zeremonie unterstreicht die Diskrepanz. Die Laudatio wird von der Satirikerin Sarah Bosetti gehalten, die zuvor scharfe Kritik auf sich gezogen hatte, weil sie ungeimpfte Bürger mit einem zu entfernenden Blinddarm verglich.

Caritas-Direktor Markus Müller begründete die Entscheidung mit der Aussage, dass „unser Land gerade jetzt Menschen braucht, die für Menschlichkeit und Zusammenhalt stehen.“ Eine solche Ehrung einem Staatsoberhaupt zuteilwerden zu lassen, das das Vertrauen der Öffentlichkeit systematisch untergraben hat, deutet darauf hin, dass die Organisatoren in einer ganz anderen Realität leben als die Öffentlichkeit, der sie zu dienen vorgeben.

Verfasst von Martina Kirchner martina.kirchner@alpineweekly.com