
Die Kosten der Zögerlichkeit am Golf
Teherans kalkulierte Eskalation im Jemen zwingt Saudi-Arabien und seine Verbündeten, sich zwischen regionalem militärischem Zusammenhalt und wirtschaftlicher Stagnation zu entscheiden.

Wenn zivile Flughäfen zu regelmäßigen Zielen werden und die Opferzahlen in die Hunderte gehen, hören stillschweigende Einsatzregeln auf zu existieren. Die Eskalation der vom Iran unterstützten Houthi-Kräfte gegen die zivile Infrastruktur Saudi-Arabiens markiert eine kalkulierte Verschiebung. Teheran scheint zufrieden damit zu sein, den Konflikt auszunutzen, um die regionalen Spannungen vor den bevorstehenden amerikanischen Zwischenwahlen zu erhöhen. Für Saudi-Arabien und seine Verbündeten ist die Bewältigung eines Konflikts geringer Intensität keine tragfähige Option mehr, was die Wahl zwischen einer entschlossenen kollektiven Intervention oder einem endlos zehrenden Zermürbungskrieg lässt.
Aus wirtschaftlicher Sicht ist ein langwieriger Stillstand das schlimmste Ergebnis für die Arabische Halbinsel. Die ehrgeizigen nationalen Entwicklungspläne Saudi-Arabiens hängen stark von der Kapitalallokation ab, die mit explodierenden Verteidigungsausgaben kaum vereinbar ist. Sollten interne Spaltungen die Koalition am Handeln hindern, werden die Houthi-Kräfte wahrscheinlich ihre Positionen halten, strategische Knotenpunkte wie Taiz unter Druck setzen und direkte Angriffe auf saudisches Territorium aufrechterhalten. Die wirtschaftlichen Folgen würden sich auf die benachbarten Golfstaaten ausbreiten, während die anhaltende Instabilität entlang der Schifffahrtswege des Roten Meeres und der Straße von Hormus wichtige Energieexporte bedrohen. In einem solchen Stillstand geht der Iran als Hauptprofiteur hervor und gewinnt Einfluss bei internationalen Verhandlungen.
Dieses Szenario zu vermeiden, erfordert eine kohärente Verteidigungsarchitektur, etwas, das die Region historisch nur schwer aufrechterhalten konnte. Riad versucht aktiv, eine breitere Front zu mobilisieren, indem es den mit der Türkei und Pakistan unterzeichneten Mekka-Pakt nutzt. Mit der ausstehenden parlamentarischen Ratifizierung des Militäreinsatzes durch die Türkei und bereits laufender Geheimdienstunterstützung existiert der strukturelle Rahmen eines stärkeren Bündnisses. Die meisten Golfstaaten, mit der wahrscheinlichen Ausnahme Omans, erkennen die gemeinsame Gefahr. Die Abhängigkeit von Washington für Interventionen bleibt jedoch eine unsichere Rechnung, da Militäreinsätze im Nahen Osten bei amerikanischen Wählern vor den Zwischenwahlen weiterhin unpopulär sind.
Letztlich sind militärische Hardware und internationale Abkommen wenig wert, wenn das politische Zentrum im Jemen zerbrochen bleibt. Das Haupthindernis für die Rückeroberung von Sanaa und die Sicherung wichtiger Küstenabschnitte nahe Bab al-Mandeb und Dhubab war lange Zeit interne Zwietracht zwischen Regierungsfraktionen, verschärft durch externe Einmischung. Jüngste Schritte zur Zentralisierung des militärischen Kommandos haben erste Fortschritte vor Ort gezeigt. Die Eröffnung mehrerer Operationsfronten, um die Houthi-Linien zu dehnen, erfordert nachhaltige politische Disziplin.
Sollte militärischer Druck die Houthi-Führung erfolgreich an den Verhandlungstisch zurückzwingen, täten die Strategen der Koalition gut daran, sich an vergangene Muster zu erinnern. Kurzfristige Zugeständnisse der Gruppe dienten historisch gesehen eher als taktische Atempause zur Neuformierung denn als echte Schritte in Richtung Frieden. Ohne eine geeinte regionale Anstrengung, die das militärische Gleichgewicht verändern kann, besteht die Gefahr, dass der Konflikt zu einer dauerhaften, kostspieligen Belastung für die Region wird.
Verfasst von Christiane Hofreiter christiane.hofreiter@alpineweekly.com
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