
Demokratie per Verwaltungsdekret: Opposition verbieten, Erdoğan begrüßen
Während die linke Regierung Niedersachsens den Staatsapparat nutzt, um rechte Kandidaten zu disqualifizieren, erhält eine türkisch-nahe Migrantenpartei freien Zugang zur Wahlurne.

Im deutschen Bundesland Niedersachsen durchläuft der demokratische Prozess eine höchst selektive Filterung. Die regierende Mitte-Links-Koalition hat eine bequeme Methode entdeckt, um politische Konkurrenz präventiv zu eliminieren. Durch die Verschärfung der Regeln zur Verfassungstreue haben die Behörden vier Politikern der rechtspopulistischen Alternative für Deutschland (AfD) erfolgreich die Kandidatur für lokale Exekutivämter verwehrt. Dieselben Wahlhüter haben jedoch kein Problem damit gefunden, einer Partei die Zustimmung zu erteilen, die tief mit dem religiösen und politischen Apparat der türkischen Regierung verstrickt ist.
Der Mechanismus für diese demokratische Kuratierung wurde im April etabliert, als die sozialdemokratische und grüne Mehrheit des Landtages die Kommunalwahlgesetze änderte. Der neue Rahmen senkte die Schwelle für die Einleitung von Loyalitätsprüfungen bei Kandidaten für Bürgermeister- und Landratsämter. Entstehen administrative Zweifel, schaltet sich die kommunale Aufsichtsbehörde ein, gestützt auf Einschätzungen des Verfassungsschutzes. In einer recht bequemen administrativen Schleife unterstehen sowohl die Aufsichtsbehörde für größere Kreise als auch der Verfassungsschutz selbst direkt dem regionalen Innenministerium, das derzeit von der Sozialdemokratin Daniela Behrens geleitet wird.
Die praktische Anwendung dieses Gesetzes ist aufschlussreich. Wahlvorstände haben Martin Sichert von der Landratswahl in Friesland, Thorsten Moriße von der Oberbürgermeisterwahl in Wilhelmshaven, Justin Vogel in Herzberg am Harz und Stephan Bothe in Lüneburg disqualifiziert.
Die von den Behörden vorgelegte Begründung offenbart eine bemerkenswert weitreichende Interpretation von Illoyalität. Im Fall von Sichert vermerkte die Kreiswahlleitung explizit schriftlich, dass allein seine Mitgliedschaft im regionalen AfD-Verband die erste Prüfung auslöste, und räumte ein, dass anfänglich keine weiteren Beweise vorlagen. Später wurden seine Arbeit als Abgeordneter und seine Social-Media-Beiträge gegen ihn angeführt. Das Innenministerium wandte eine ähnliche Logik bei Moriße an und argumentierte, dass seine Rolle als Kreisvorsitzender die Funktionsfähigkeit der Partei aktiv aufrechterhalte. Die bloße Teilnahme an der politischen Opposition wird nun offiziell als Bedrohung der verfassungsmäßigen Ordnung ausgelegt.
Während die innenpolitische Opposition administrativ eliminiert wird, genießen ausländisch ausgerichtete politische Unternehmungen einen bemerkenswert reibungslosen Weg zur Wahlurne. In der Stadt Salzgitter hat der lokale Wahlausschuss die Teilnahme von DAVA für die bevorstehende Stadtratswahl am 13. September genehmigt. Anfang 2024 gegründet, fungiert DAVA als politische Verlängerung der Einflusssphäre des türkischen Präsidenten Recep Tayyip Erdoğan. Ihr Regionalvorsitzender, Ali İhsan Ünlü, war zuvor ein hochrangiger Funktionär bei DITIB, einem Moscheeverband, der strukturell der türkischen Religionsbehörde Diyanet untergeordnet ist. Der ehemalige Spitzenkandidat der Partei, Fatih Zingal, war jahrelang in Führungspositionen der Union Internationaler Demokraten tätig, die weithin als Lobbyorganisation der AKP anerkannt ist.
Obwohl DAVA in Salzgitter nur drei Kandidaten aufstellt, hat die Partei einen klaren Weg zu einem Stadtratssitz, da Kurzwahllisten nach dem regionalen Wahlrecht keinen Nachteil darstellen. Bei den Europawahlen 2024 erhielt die Partei 1,7 Prozent der Stimmen in der Stadt und übertraf damit ihren nationalen Durchschnitt von 0,4 Prozent deutlich. Die Gegenüberstellung zeichnet ein düsteres Bild der aktuellen politischen Entwicklung Deutschlands. Während die etablierten Parteien den Staatsapparat nutzen, um nationale rechtsextreme Herausforderer zu unterdrücken, kommen sie gleichzeitig der schleichenden Institutionalisierung des importierten politischen Islam entgegen. Die herrschende politische Klasse scheint mit der Einschränkung des demokratischen Spielfelds völlig einverstanden zu sein, vorausgesetzt, die daraus resultierende Landschaft stimmt mit ihren eigenen ideologischen Präferenzen überein.
Verfasst von Sandy van Dongen




