
Canberras überparteiliche Türpolitik
Neue parlamentarische Offenlegungsregeln zeigen, wie bereitwillig gegnerische Politiker Schlüsselkarten an Energiemagnaten und Glücksspiel-Lobbyisten aushändigen.
Von Andreas Hofer

Canberras legislative Korridore funktionierten lange Zeit mit einem gewissen Grad an reibungslosem Zugang für Unternehmensinteressengruppen, doch die jüngsten Bemühungen, parlamentarische Zugangspässe zu beleuchten, zeigen vor allem die Effizienz des parteiübergreifenden Concierge-Dienstes. Gemäß aktualisierten Offenlegungsregeln wurde der australischen Öffentlichkeit ein klarer Einblick versprochen, wer unbegleitete Schlüsselkarten für den privaten Flügel des Parlamentsgebäudes besitzt. Was stattdessen zum Vorschein kam, ist ein partieller Blick in ein Ökosystem, in dem politische Gegner routinemäßig ihre ideologischen Schlachten beiseitelegen, um die Akkreditierung von Lobbyisten zu unterzeichnen.
Die Regeln selbst sind recht einfach. Die Sicherung eines gesponserten Passes erfordert die Unterschriften zweier Parlamentarier – eine Maßnahme, die nach Überprüfungen unter der Leitung von Parlamentspräsident Milton Dick und Senatspräsidentin Sue Lines sowie Forderungen nach Strenge von Premierminister Anthony Albanese die Rechenschaftspflicht einführen soll. In der Praxis hat die Anforderung lediglich gezeigt, wie breit der politische Konsens ist, wenn es darum geht, wichtige Industrien nah bei der Hand zu halten.
Energie- und Rohstoffkonglomerate haben sich als besonders geschickt erwiesen, Unterstützung von beiden Seiten der Kammer zu erhalten. Woodside Energy sammelte Pass-Befürwortungen von Labour-Politikern Meryl Swanson, Glenn Sterle und Tracey Roberts sowie von Koalitionsmitgliedern Melissa Price, Rick Wilson und Susan McDonald. Der Minerals Council of Australia stützt sich ebenfalls auf Sponsoren aus den Reihen der Koalitions-Frontbänkler Angie Bell, Matt O’Sullivan und Ted O’Brien sowie des Labour-Abgeordneten Dan Repacholi. Währenddessen verlässt sich die Gas-Lobby Australian Energy Producers auf David Smith von Labour, und Alinta Energy auf den Schatten-Energieminister Dan Tehan zusammen mit Repacholi.
Diese bequemen Arrangements reichen weit über den Bergbau und die Brennstoffe hinaus. Responsible Wagering Australia, das Wettplattformen wie bet365, Sportsbet und Betfair vertritt, besitzt Pässe, die von der Schatten-Gesundheitsministerin Anne Ruston und dem Labour-Senator Raff Ciccone gesponsert wurden. Der Cheflobbyist der Gruppe, Kai Cantwell, war zuvor als Ministerialmitarbeiter von Ruston tätig – eine bekannte Bewegung durch die Drehtür zwischen Regierungsbüros und privater Interessenvertretung.
Mitglieder außerhalb des großen Parteiapparats pflegen ihre eigenen Zugangsnetzwerke. Energieminister Chris Bowen und Industrieminister Tim Ayres sponsern den erfahrenen Lobbyisten Ben Oquist, während der Grünen-Vorsitzende David Shoebridge den Zugang für einen Mitarbeiter des Australian Peace and Security Forum unterstützt, der an Untersuchungen zum Aukus-Verteidigungsabkommen beteiligt ist. Der unabhängige Senator David Pocock sponsert Pässe für Bildungs- und Baugruppen.
Trotz der Reform bleibt Transparenz schwer fassbar. Der erste Daten-Dump umfasst etwa zehn Prozent der über 2.000 aktiven Passinhaber, verlangsamt durch einen Rückstau von über 1.000 unbearbeiteten Anträgen. Der Vertreter Christian Slattery vom Australian Democracy Network merkte an, dass die teilweise Veröffentlichung die Öffentlichkeit nicht darüber informiert, wann oder warum Politiker sich mit kommerziellen Vertretern treffen, und argumentierte, dass nationale Gesetzgebung und eine unabhängige Regulierungsbehörde erforderlich seien, um das Lobbying-Verhalten zu überwachen.
Was Canberra geliefert hat, ist ein typisch bürokratischer Kompromiss: ein Register, das gerade genug offenbart, um langjährige Annahmen über den Zugang zu bestätigen, während die umfassendere Maschinerie des parlamentarischen Einflusses weitgehend ungestört bleibt. Ob eine teilweise öffentliche Liste die täglichen Gewohnheiten einer politischen Klasse, die an reibungslosen Zugang gewöhnt ist, ändern wird, bleibt eine ganz andere Frage.
Verfasst von Andreas Hofer andreas.hofer@alpineweekly.com



