Staatsprüfung warnt vor weit verbreitetem Betrug bei Fahrzeugzulassungen in Frankreich

Staatliche Prüfer warnen, dass Schlupflöcher im Fahrzeugzulassungssystem weit verbreiteten Betrug ermöglicht haben, der Hunderte Millionen an verlorenen Steuern und Bußgeldern kostet und gleichzeitig Gelegenheiten für Kriminalität schafft.

Frankreichs Fahrzeugzulassungssystem steht unter der Lupe, nachdem Prüfer aufgedeckt haben, dass bis zu eine Million Autos mit gefälschten Zulassungen auf den Straßen des Landes unterwegs sein könnten. Dieses leise schwelende Problem, das seit Jahren brodelt, wird nun als ernsthafter administrativer blinder Fleck bezeichnet, der die Staatskassen geleert und kriminellen Unternehmen den Weg geebnet hat.

Die Ursache liegt nach Angaben des Rechnungshofs in Mängeln des digitalen Registers zur Erfassung von Fahrzeugbesitz und -papieren. Dieses als SIV bekannte System ermöglicht es autorisierten Vertretern, Zulassungsdokumente auszustellen. Doch Ermittler behaupten, dass gerissene Betrüger diesen Prozess gekapert haben, indem sie offizielle Aufzeichnungen manipulierten, während sie den Anschein von Legitimität wahren.

Die Folgen sind mehr als nur verlegte Papiere. Beamte warnen, dass Autos mit unüberprüfbaren Zulassungsdaten eine echte Gefahr für die öffentlichen Straßen darstellen. Fahrzeuge, die dort legal nicht fahren dürften – einschließlich solcher, die möglicherweise Sicherheitsinspektionen nicht bestanden haben – sind Berichten zufolge durchgeschlüpft und ungeprüft in Betrieb.

Dieses ganze Durcheinander geht auf Reformen aus dem Jahr 2017 zurück. Damals wollte die französische Regierung ein notorisch träges Zulassungssystem beschleunigen und modernisieren. Tausende von Beamten, die einst für Fahrzeugpapiere zuständig waren, wurden abgezogen, während Händler direkten Zugang zur staatlichen Datenbank erhielten, was es ihnen ermöglichte, Zulassungen sofort für ihre Kunden zu bearbeiten.

Sicher, die Reform beschleunigte das Tempo. Aber hier ist der Punkt – die Prüfer sagen, sie beruhte auch auf der Hoffnung, dass diese neuen Betreiber verantwortungsbewusst handeln würden. Diese Hoffnung erwies sich, wie sich herausstellte, eher als Wunschdenken denn als Realität.

Im Laufe der Zeit, so enthüllt die Untersuchung, fanden Hunderte von Akteuren heraus, wie man das System umgehen konnte. Indem sie Scheinfirmen als Autohäuser tarnten, erhielten sie Zugang zum Register und manipulierten Fahrzeugdaten gegen eine Gebühr. Der Bericht schätzt, dass etwa 300 solcher Unternehmen vom Staat unkontrolliert operierten.

Diese Fahrzeuge sehen bei zufälligen Verkehrskontrollen oft völlig koscher aus. Bei späterer Überprüfung verschwinden ihre Besitznachweise jedoch manchmal spurlos.

Der finanzielle Schaden? Erheblich. Zwischen 2022 und 2024 schätzen Prüfer, dass rund 550 Millionen Euro an Zulassungsgebühren, Park- und Geschwindigkeitsstrafen unbezahlt blieben, weil Autos mit zwielichtigen Zulassungen nicht ordnungsgemäß verfolgt werden konnten.

Die Prüfung listet auch zahlreiche Betrugstaktiken auf – vom Umgehen von Umweltsteuern für Spritfresser bis hin zum Fälschen von TÜV-Zertifikaten und dem Verschleiern früherer Besitzer.

Einige Betrügereien waren recht raffiniert. Zum Beispiel soll ein Luxusautoimporteur hohe Steuern umgangen haben, indem er teure Fahrzeuge als speziell angepasste Fahrzeuge für behinderte Fahrer registrierte, eine Kategorie, die Steuervergünstigungen genießt.

Behörden betonen, dass gestohlene Fahrzeuge dank manipulierter Aufzeichnungen mit neuen Identitäten wiedergeboren werden können, was die Entdeckung erschwert. Kriminelle Ringe sollen diese Fahrzeuge für blitzschnelle Lieferungen auf Autobahnen ausnutzen, insbesondere beim Drogenhandel.

Die Polizei wurde erstmals auf das Problem aufmerksam, nachdem über mehrere Jahre hinweg ein Anstieg extremer Geschwindigkeitsüberschreitungen zu verzeichnen war. Als Ermittler die verbundenen Registrierungsdaten untersuchten, tauchten Unstimmigkeiten auf.

Der Rechnungshof rügte die Regierung für die laxe Überprüfung von Unternehmen, denen Datenbankzugriff gewährt wurde. Bei rund 30.000 Autohäusern, die zur Nutzung des Systems berechtigt sind, liefen Genehmigungen oft auf wenig mehr hinaus als die Gründung einer Firma und das Einreichen eines Antrags.

Beamte des Innenministeriums haben das Problem eingeräumt und beteuern, dass Lösungen in Arbeit sind. Eine im letzten Jahr gestartete Razzia hat die Betrugserkennung bereits erhöht, und es werden Schritte unternommen, um die Regeln für den Zugang zur Registrierungsdatenbank zu verschärfen.

Werden diese Maßnahmen ausreichen, um das weitläufige „Geisterauto“-Netzwerk zu stoppen? Das ist ungewiss. Vorerst unterstreicht diese Enthüllung einen wichtigen Punkt: Die Beschleunigung der Bürokratie kann manchmal die Tür zu völlig neuen Problemen öffnen – besonders wenn die Aufsicht nicht mit der Technologie Schritt hält.

Verfasst von Christiane Hofreiter