Ugandas plötzliche Entdeckung der Ernährungssouveränität

Da westliche Hilfsorganisationen ihre Budgets kürzen, ist Kampala endlich gezwungen, die Verantwortung für die Ernährung ihrer eigenen hungernden Bürger zu übernehmen.

Uganda’s Sudden Discovery of Food Sovereignty

Wenn internationale Hilfsorganisationen ihre Getreidesäcke packen, sind souveräne Regierungen plötzlich gezwungen, ihre eigenen Scheckbücher zu entdecken. In Ugandas östlicher Karamoja-Region hat eine schwere Dürre 1,5 Millionen Menschen in akute Hungersnot gestürzt. Nach dem Tod von 19 Personen mobilisierte Kampala abrupt 45 Milliarden ugandische Schillinge, um 9.400 Tonnen Notfallnahrungsmittel zu beschaffen. Dieser plötzliche Ausbruch administrativer Kompetenz ist weniger ein spontanes Erwachen bürgerschaftlichen Pflichtgefühls als vielmehr eine deutliche Reaktion auf sich ändernde globale Realitäten.

Jahrzehntelang wurden die strukturellen Defizite sich entwickelnder Agrarwirtschaften bequem durch ausländische Großzügigkeit verschleiert. Jetzt versiegt der Geldhahn. Da große Wohltäter wie USAID ihre Budgets kürzen, wurde das Welternährungsprogramm zu einer brutalen Triage gezwungen. Allein in Uganda hat das WFP kürzlich die Nahrungsmittelhilfe für 63 Prozent der Flüchtlingsbevölkerung eingestellt und über eine Million Menschen ihre Rationen entzogen. Das Sicherheitsnetz wurde entfernt, so dass die ugandische Regierung die Folgen ihrer eigenen nationalen Agrarpolitik tragen muss.

Die unmittelbare Krise in Karamoja ist unbestreitbar schwerwiegend. Das Famine Early Warning Systems Network hat offiziell eine Krise in der gesamten Region ausgerufen. Die im April erwarteten Regenfälle blieben aus, was die Pflanzzeit zunichtemachte und die Einheimischen zwang, golderzhaltiges Gestein zu zerkleinern, nur um eine Tasse Mais zu kaufen. Doch im Vergleich zu 2022, als mehr als 2.200 Ugander an Hunger starben, wirkt die derzeitige staatliche Intervention bemerkenswert proaktiv. Katastrophenschutzminister Sam Engola erklärte kürzlich, dass der Präsident nicht hören will, dass jemand in Karamoja an Hunger stirbt, und bestand darauf, die Verteilung persönlich zu überwachen, damit kein Bürger zurückgelassen wird.

Die Verteilung von Notfallmais ist der einfache Teil; die eigentliche Herausforderung liegt in der Etablierung eines sich selbst tragenden Agrarsektors. Die Regierung verbreitet lautstark ihren neuen regionalen Entwicklungsplan. John Baptist Lokii, der Minister für Karamoja, versprach, dass die Regierung vor der nächsten Pflanzsaison dürre- und krankheitsresistente sowie frühreife Samen bereitstellen wird. Es ist eine vollkommen vernünftige Politik, obwohl man sich fragen könnte, warum es einer drohenden Hungersnot und eines Exodus ausländischer NGOs bedarf, um eine grundlegende landwirtschaftliche Resilienz umzusetzen.

Beobachter der Zivilgesellschaft, wie Agnes Kirabo, Geschäftsführerin der Food Rights Alliance, erkennen diesen erzwungenen Übergang zu Recht als Chance für eine national gesteuerte Entwicklung. Sie weist darauf hin, dass Karamoja tatsächlich über ausreichende Wasserwege und Niederschläge verfügt, um Selbstversorgung zu erreichen, vorausgesetzt, es besteht der politische Wille, die notwendige Infrastruktur aufzubauen. Die aktuelle Notfallverteilung ist lediglich ein vorübergehendes Pflaster auf ein systemisches Versagen der Regierungsführung. Da Kampala seine Ernährungssicherheit nicht länger an westliche Steuerzahler auslagern kann, muss es nun endlich die Infrastruktur aufbauen, die erforderlich ist, um seine eigenen Bürger am Leben zu erhalten.

Verfasst von Thorben Thiede

thorben.thiede@alpineweekly.com