Giftiger Boden und billiges Geld: Schweizer Bauern stehen vor einer neuen bürokratischen Mauer

Kantonale Kreditgenossenschaften beginnen, negative PFAS-Tests zu fordern, bevor sie Agrarkredite vergeben, was den Fluss zinsloser Kapital bedroht.

Toxic Soil and Cheap Money: Swiss Farmers Face a New Bureaucratic Wall

Der Schweizer Agrarsektor genießt seit langem die Annehmlichkeiten eines sehr entgegenkommenden Staatsapparats. Großzügige Kredite mit wenig bis gar keinen Zinsen sind Standardmerkmale für Landwirte, die ihre Betriebe erweitern möchten. Doch der stetige Fluss von billigem Kapital stößt auf eine unsichtbare Barriere. Agrarkreditgenossenschaften in mehreren Kantonen verlangen nun negative PFAS-Tests, bevor sie Kredite für neue Bauprojekte genehmigen.

Jahrzehntelang war der Bau eines neuen Stalls oder eines Silos eine unkomplizierte Verwaltungsübung in der wohlhabenden Alpenrepublik. Nun haben Kantone wie Thurgau und Appenzell Ausserrhoden eine strenge Umweltauflage eingeführt, und St. Gallen bereitet die Umsetzung ähnlicher Regeln vor. Kreditgeber weigern sich, Infrastrukturen auf kontaminierten Flächen zu finanzieren, wo die zukünftige Rentabilität des Betriebs beeinträchtigt ist.

Diese neue regulatorische Hürde ist sehr spezifisch. Das Testmandat zielt auf die Rinderhaltung ab, während Schweine- und Geflügelbetriebe unberührt bleiben. Die Diskrepanz ergibt sich aus den Weidegewohnheiten von Kühen, die die persistenten Chemikalien leicht über Gras, Heu und Trinkwasser aufnehmen. Nationale Tests haben gezeigt, dass Rindfleisch deutlich höhere PFAS-Konzentrationen aufweist als andere Fleischsorten. Folglich muss jeder Landwirt, der einen neuen Rinderstall plant, zuerst nachweisen, dass sein Boden sein Vieh nicht still und heimlich vergiftet.

Die kantonalen Kreditbüros, die diese sehr günstigen Kredite verwalten, versuchen lediglich, ihre Investitionen zu sichern. Ines Rebentrost, PFAS-Spezialistin am Landwirtschaftlichen Zentrum Arenenberg im Thurgau, repräsentiert die institutionelle Vorsicht, die nun die landwirtschaftliche Expansion bestimmt. Das Hauptziel ist es, zu gewährleisten, dass neu gebaute Infrastrukturen tatsächlich wie vorgesehen genutzt werden können. Eine Investition wäre fatal, wenn die wirtschaftliche Existenz des Landwirts gefährdet ist.

Wenn ein Test erhöhte PFAS-Werte ergibt, müssen Kreditgeber und Landwirte die Quelle untersuchen und versuchen, die Kontamination zu reduzieren. Wie Beat Brunner vom Ausserrhoder Bauernverband jedoch feststellt, ist die Senkung dieser chemischen Konzentrationen in der Praxis nahezu unmöglich. Ohne langfristige Planungssicherheit wird die gesamte Existenz betroffener Agrarunternehmen in Frage gestellt.

Unterdessen bewegt sich die Bundesbürokratie in ihrem gewohnten Tempo. Das Bundesamt für Lebensmittelsicherheit und Veterinärwesen hat eine Richtlinie erlassen, die versucht, einheitliche PFAS-Grenzwerte in der fragmentierten kantonalen Landschaft durchzusetzen. Eine eidgenössische Konsultation zu neuen Vorschriften und potenziellen finanziellen Hilfen für Härtefälle läuft bis Mitte September. Der Staat bereitet sich bereits darauf vor, den Schlag für Betriebe abzufedern, die ihre Produktion nicht einfach umstellen können.

In wahrer Schweizer Manier bleibt die Anwendung dieser Regeln völlig inkonsistent. Während die Ostschweizer Kantone ihre Kreditkriterien verschärfen, verzichtet der Kanton Bern derzeit vollständig auf die Forderung nach negativen PFAS-Tests. Die Zahl der aktiv von Krediten ausgeschlossenen Betriebe bleibt gering, doch der Präzedenzfall ist fest etabliert. Die Ära der blinden, zinslosen Agrar-Expansion sieht sich einer harten umweltbezogenen Realitätsprüfung gegenüber.

Verfasst von Thorben Thiede thorben.thiede@alpineweekly.com