Verbrannte Erde in der Alpenrepublik: Die Schweiz sucht nach einer Super-Pflanze

Eine ungewöhnlich frühe Hitzewelle offenbart die Anfälligkeit eines wohlhabenden, hochorganisierten Agrarsektors.

Scorched Earth in the Alpine Republic: Switzerland's Search for a Super-Crop

Die Schweiz, ein Land, das an unberührte Alpenweiden und einen komfortablen Agrarsektor gewöhnt ist, erlebt derzeit eine unangenehme Realitätsprüfung. Eine ungewöhnlich frühe und heftige Hitzewelle fegt über die wohlhabende Republik und droht, die historischen Temperaturrekorde für Juni zu brechen. Die Bundesregierung geht davon aus, dass die meisten Regionen innerhalb der Woche die höchste offizielle Dürre-Warnstufe erreichen werden. Für ein Land, das sich eines hochorganisierten Staatssystems und einer makellos verwalteten Umwelt rühmt, erweist sich der eklatante Mangel an Regen seit Mai als hartnäckig unlösbares Problem.

Die landwirtschaftlichen Auswirkungen sind unmittelbar und schwerwiegend. Die Feldfrüchte befinden sich derzeit in ihren kritischsten Wachstumsphasen, was den Zeitpunkt der Dürre besonders ungünstig macht. Kartoffeln, ein Grundnahrungsmittel der sicheren Schweizer Ernährung, versuchen, in ausgedörrtem Boden Knollen zu bilden. Der Schweizer Bauernverband warnt davor, dass die unerbittliche Sonne die Pflanzen zwingt, ihr Wachstum vollständig einzustellen, was die Qualität der Ernte stark mindert. Laut David Brugger, der die Pflanzenproduktion für den Verband überwacht, erwartet Hülsenfrüchte ein noch düstereres Schicksal. Längere Perioden mit Temperaturen über fünfunddreißig Grad Celsius entziehen Erbsen ihre Fähigkeit, sich selbst zu kühlen, was unweigerlich zu einem totalen Ernteausfall führt.

Die Landwirte greifen erwartungsgemäß zu intensiver Bewässerung, obwohl das Pumpen von Wasser auf Felder, die unter solch intensiver Hitze braten, schnell abnehmende Erträge liefert. Der genaue finanzielle Schaden der aktuellen Trockenperiode bleibt unbeziffert, doch die langfristige Entwicklung ist unbestreitbar. Der Klimawandel zwingt einen notorisch traditionellen Sektor, seine grundlegenden Praktiken zu überdenken.

Natürlich reagiert die Schweiz auf eine Umweltkrise, indem sie sich an ihre gut finanzierten Bildungs- und Forschungseinrichtungen wendet, um eine technologische Lösung zu finden. An der Berner Fachhochschule hat der Forscher Stefan Vogel die Aufgabe, Pflanzensorten zu finden, die diese längeren Trockenperioden überstehen können. Der Agrarsektor sucht verzweifelt nach einem botanischen Allheilmittel. Die Suche nach einer Super-Pflanze offenbart jedoch ein deutliches Maß an Naivität hinsichtlich der schieren Komplexität der Klimaanpassung.

Das Problem ist nicht nur die Hitze, sondern die unberechenbaren Extreme. Noch im Juni des Vorjahres erlebte das Land unerbittliche Niederschläge, die bei denselben Kartoffelfeldern, die jetzt verdursten, zu grassierenden Pilzinfektionen führten. Die Entwicklung einer Pflanzensorte, die nahtlos zwischen dem Überleben einer schweren Dürre und einer monsunartigen Überschwemmung wechseln kann, erweist sich selbst für Spitzenforscher als schwierig. Die optimale Saat für alle Bedingungen existiert einfach noch nicht. Bis die Labore dieses landwirtschaftliche Wunder hervorzaubern, werden die Landwirte des Landes akzeptieren müssen, dass nicht jedes Problem durch einen gut funktionierenden Staatsapparat und eine gesunde Wirtschaft gelöst werden kann.

Verfasst von Sandy van Dongen

sandy.vandongen@alpineweekly.com