
Der hohe Preis fiskalischer Rücksichtslosigkeit
Geopolitik und unfinanzierte Versprechen treffen australische Autofahrer an der Zapfsäule und drängen Zentralbanker in die Enge.

Wo Geopolitik und Fiskalpopulismus sich kreuzen, kommt die Rechnung meist an der Tankstelle an. Australische Autofahrer bereiten sich auf einen starken Anstieg der Kraftstoffkosten vor, wobei die Preise in den kommenden Wochen voraussichtlich um 20 bis 30 Cent pro Liter steigen werden. Da Rohöl der Sorte Brent auf 110 Dollar pro Barrel zusteuert, bevor es sich bei über 108 Dollar einpendelt, machen sich die wirtschaftlichen Folgen des eskalierenden Nahostkonflikts rasch in den globalen Finanznetzwerken bemerkbar.
Der Preisanstieg ist nicht nur eine unerwünschte Belästigung für Pendler; er stellt einen fundamentalen Übertragungsmechanismus für eine breitere Inflation dar. Während Rohöl die Schlagzeilen beherrscht, stellen raffinierte Produkte wie Diesel die eigentliche strukturelle Bedrohung dar. Aktuelle Prognosen deuten darauf hin, dass Diesel über sein aktuelles Niveau von über 2,50 Dollar pro Liter hinaus um weitere 30 Cent steigen könnte, während bleifreies Benzin in großen Städten an der Ostküste droht, 2,30 Dollar zu erreichen. Da die Versorgungsrouten um die Straße von Hormus unter Druck stehen und Ausweichmöglichkeiten für raffinierte Produkte rar sind, sehen sich die Energiemärkte mit anhaltender Unsicherheit konfrontiert.
Dieser Rohstoffschock tritt zusammen mit einem besorgniserregenden Bruch der Haushaltsdisziplin auf. In den Vereinigten Staaten haben politische Versprechen unfinanzierter Zuwendungen – beispielhaft durch Donald Trumps Vorschlag, erwachsenen Bürgern Fünftausend-Dollar-Dividenden zu gewähren – die Anleihemärkte verunsichert. Investoren, die auf wachsende Defizite und steigende Energiekosten reagierten, trieben die amerikanischen Anleiherenditen in Richtung 5 Prozent, eine Schwelle, die seit 2007 nicht mehr erreicht wurde. Die australischen Kreditkosten folgten schnell, wobei die 10-Jahres-Renditen auf 5,38 Prozent stiegen, den höchsten Stand seit fünfzehn Jahren.
Für Zentralbanker ist der Luxus, transitorische Schocks abzuwarten, längst abgelaufen. Die Reserve Bank of Australia sieht sich nun Markterwartungen gegenüber, die eine Wahrscheinlichkeit von 80 Prozent für eine vierte Zinserhöhung am 29. September einpreisen. Da die Inflation voraussichtlich erst Anfang 2028 auf die Zielrate von 2,5 Prozent zurückkehren wird, steht Australien vor der Aussicht auf eine Inflationsphase von fast sieben Jahren. Glaubwürdigkeit erfordert Handeln, auch wenn höhere Hypothekenzahlungen Haushalte treffen, die bereits durch Energierechnungen belastet sind.
Die Aktienmärkte spiegeln diese wachsende Spannung wider. Der Referenzindex S&P/ASX 200 fiel in einer einzigen Woche um 3 Prozent und rutschte unter sein Vorjahresniveau. Im Gegensatz dazu haben amerikanische Indizes Unterstützung durch einen massiven Anstieg der Investitionen in künstliche Intelligenz erhalten, wodurch der S&P 500 seit Ende Februar trotz des anhaltenden Konflikts zwischen Israel, den USA und dem Iran um etwa 10 Prozent gestiegen ist. Ob die Begeisterung für Technologie die Aktienbewertungen weiterhin gegen steigende risikofreie Renditen absichern kann, bleibt die offene Frage, der sich das internationale Kapital stellen muss.
Verfasst von Martina Kirchner martina.kirchner@alpineweekly.com
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