
Die Franchise-Illusion: Wenn das Unternehmensrisiko auf den Einzelnen ausgelagert wird
Ein tragischer Tod und eine millionenschwere Vergleichszahlung offenbaren das krasse Machtungleichgewicht im Kern des britischen Franchising.

Der Traum, eine Franchise zu betreiben, wird oft als Meisterklasse des modernen Unternehmertums verkauft: Sei dein eigener Chef, aber mit dem Sicherheitsnetz einer globalen Marke. Die Realität, wie der tragische Fall von Adrian Howe zeigt, kann jedoch völlig anders aussehen. Statt einer Partnerschaft auf Augenhöhe gleicht ein moderner Franchisevertrag häufig einer Herr-Knecht-Dynamik, die darauf ausgelegt ist, Gewinne nach oben abzuschöpfen, während das finanzielle Risiko auf den Einzelnen abgewälzt wird.
Howe, ein ehemaliger Vodafone-Manager, wurde im August 2018 ertrunken aufgefunden, Tage bevor seine neue Franchise in Irvine eröffnet werden sollte. Seine Familie gibt an, der tödliche Druck sei von einer Forderung des Telekommunikationsbetreibers ausgegangen, ein zweites, historisch unprofitables Geschäft in Kilmarnock zu übernehmen. Der Haken war die im Vertrag enthaltene persönliche Bürgschaft. Sollte der Standort Kilmarnock scheitern, würde Howes Familienheim verfallen. Kurz vor seinem Tod soll er seinem Sohn erzählt haben, dass das Unternehmen ihn völlig in der Falle hatte. Eine Autopsie stellte Stress im Zusammenhang mit dem neuen Geschäft sowie eine frühere depressive Episode fest, bevor sie zu dem Schluss kam, dass der Tod mit Ertrinken vereinbar war.
Nun setzt sich seine Tochter Kirsty-Anne Holmes beim Department for Business and Trade dafür ein, Adriens Gesetz einzuführen. Die vorgeschlagene Gesetzgebung würde eine Aufsichtsbehörde schaffen, um Franchiseverträge zu überwachen und die Verwendung persönlicher Bürgschaften zu regulieren. Das Vereinigte Königreich verfügt derzeit über keinen spezifischen gesetzlichen Schutz für Franchisenehmer, wodurch diese den Bedingungen ausgesetzt sind, die eine Rechtsabteilung eines Unternehmens festlegt. Das Thema erregte Anfang dieses Jahres die Aufmerksamkeit des ehemaligen Premierministers Keir Starmer, doch die Familie kämpft nun gegen die politische Amnesie, die oft mit Regierungswechseln einhergeht.
Die Kampagne für regulatorische Aufsicht fällt mit der stillschweigenden Beendigung eines teuren Kapitels der Franchising-Geschichte von Vodafone zusammen. Das Unternehmen hat kürzlich eine vertrauliche Einigung mit 62 ehemaligen Franchisenehmern erzielt, die fast vierzig Prozent seiner gesamten Betreiber repräsentieren. Die Kläger hatten das Unternehmen auf bis zu 85 Millionen Pfund wegen ungerechtfertigter Bereicherung verklagt. Natürlich wurde die Einigung „ohne Schuldanerkenntnis“ erzielt, die übliche Unternehmensformulierung, um eine erhebliche Summe zu zahlen, damit ein rechtliches Problem verschwindet.
Vodafone bewahrt eine Haltung höflicher Leugnung. Ein Sprecher hatte zuvor eine sorgfältig formulierte offizielle Erklärung abgegeben: „Auch wenn es uns leid tut, wenn Partner schwierige Erfahrungen gemacht haben, weisen wir jede Andeutung zurück, dass unsere Franchisenehmer unangemessen unter Druck gesetzt wurden. Wir betreiben weiterhin ein erfolgreiches Franchise-Geschäft, und viele unserer bestehenden Franchisenehmer haben ihr Geschäft mit uns durch die Übernahme zusätzlicher Filialen erweitert. Wir ermutigen jeden, Probleme anzusprechen, und wir werden immer versuchen, diese zu lösen.“
Trotz der Zusicherungen des Unternehmens bleibt der strukturelle Mangel offensichtlich. Freies Unternehmertum beruht darauf, dass Einzelpersonen kalkulierte Risiken eingehen, um potenzielle Belohnungen zu erzielen. Wenn jedoch ein multinationales Unternehmen persönliche Vermögenswerte als Sicherheit für seine eigenen angeschlagenen Einzelhandelsstandorte verlangen kann, hört der Markt auf, frei zu sein. Er wird zu einem hocheffizienten Mechanismus zur Auslagerung der Unternehmenshaftung auf diejenigen, die am wenigsten in der Lage sind, sie zu tragen.
Geschrieben von Thorben Thiede thorben.thiede@alpineweekly.com
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