Das schwindende Versprechen der Schweizer Wasserstoffwirtschaft

Während die Batterietechnologie den Markt dominiert, werden die kostspieligen Schweizer Wasserstoffambitionen still und leise abgebaut.

The Evaporating Promise of the Swiss Hydrogen Economy

Jahrelang wurde Wasserstoff als die Wunderwaffe der grünen Energiewende angepriesen. Nun scheint dem Gas der Dampf auszugehen. In der ganzen Schweiz wird der Wasserstofftraum still und leise abgebaut, da die wirtschaftlichen Realitäten Einzug halten.

Die Landwirtschaftsgenossenschaft Agrola schliesst ihre Tankstellen in Zofingen, Rothenburg und Schötz. Pläne für Produktionsanlagen in Seewen, Brugg und Gerlafingen wurden kurzerhand gestrichen. Selbst auf den malerischen Gewässern des Brienzer- und Thunersees hat der Schifffahrtsbetreiber BLS seine Wasserstoffambitionen aufgegeben und sich stattdessen für batterieelektrischen Antrieb entschieden. Der Markt hat gesprochen und zieht die unkomplizierte Wirtschaftlichkeit und geringere Komplexität von Batterien den logistischen Hürden des Wasserstoffs vor.

Die Kälte ist ganz oben in der Lieferkette spürbar. Axpo betreibt die grösste Wasserstoffproduktionsanlage der Schweiz in Domat/Ems, doch sie produziert einen Brennstoff, den kaum jemand kaufen will. Laut dem Energieriesen ist der erwartete Boom der Wasserstoffmobilität nie eingetreten, und die industrielle Nachfrage bleibt hartnäckig niedrig.

Forschende der Ostschweizer Fachhochschule weisen auf einen fundamentalen Mangel an Planungssicherheit hin. Industrielle Verbraucher verlangen Garantien, dass erschwinglicher Wasserstoff über Jahrzehnte verfügbar sein wird, bevor sie sich zu kostspieligen Infrastrukturrevisionen verpflichten. Das Ergebnis ist eine klassische wirtschaftliche Blockade: Ohne Nachfrage baut niemand Produktionsanlagen, und ohne Produktionsmassstab bleiben die Preise gegenüber fossilen Brennstoffen absolut wettbewerbsunfähig.

Wenn der Markt versagt, wenden sich die Akteure der Industrie natürlich dem Staat zu. Der Schweizer Bundesrat verabschiedete 2024 eine nationale Wasserstoffstrategie, die darauf abzielt, das reiche, wenn auch politisch isolierte Land an das europäische Wasserstoffnetz anzuschliessen und gleichzeitig finanzielle Unterstützung für Produktion und Speicherung anzubieten. Für Produzenten wie Axpo ist dies unzureichend.

Das Unternehmen lobbyiert aktiv für konkrete Verbrauchsziele, um die Nachfrage künstlich anzukurbeln. Doch in einer erfrischenden Demonstration marktorientierter Zurückhaltung hat das Schweizer Bundesamt für Energie diese Forderungen nach staatlich verordneten Quoten abgelehnt. Die Bundesbehörde vertritt die Auffassung, dass ihre Rolle lediglich darin besteht, breite Klima- und Energieziele festzulegen und die Wahl der Technologie korrekterweise vollständig dem Privatsektor zu überlassen.

Trotz des breiteren Rückzugs halten isolierte Prestigeprojekte durch. In einer Luzerner Werft wurden die Dieselmotoren des Passagierschiffes Saphir ausgebaut, um Platz für einen massgeschneiderten Wasserstoffantrieb zu schaffen. Die lokalen Schifffahrtsbetreiber geben offen zu, dass die exorbitanten Treibstoffpreise zweitrangig sind gegenüber der technischen Expertise und dem PR-Wert, den das Vorhaben generiert. Es ist ein sehr charakteristisches Schweizer Unterfangen: reich genug, um ein romantisches, wirtschaftlich fragwürdiges Experiment zu finanzieren, und vielleicht ein wenig naiv in der Hoffnung, dass ein einziges Schiff eine stockende nationale Industrie im Alleingang wiederbeleben kann. Während Batterien weiterhin den pragmatischen Übergang dominieren, wird Wasserstoff zunehmend in den Bereich teurer Unternehmensimagekampagnen verbannt.

Verfasst von Thomas Nussbaumer

thomas.nussbaumer@alpineweekly.com