Das verspätete Erwachen der EU an den Docks

Nach Jahren, in denen strategische Vermögenswerte unter ausländischen Einfluss gerieten, versucht Brüssel nun eilig, Leitlinien zu entwerfen. Ein klassischer Fall von zu wenig, zu spät?

The EU's Belated Awakening at the Docks

Es scheint, als sei in Brüssel eine langsame Erkenntnis gereift. Nach mehr als einem Jahrzehnt, in dem chinesische staatsnahe Unternehmen sich in Europas kritischster maritimer Infrastruktur etablierten, bereiten die Verkehrsminister der EU nun „Leitlinien“ zu diesem Thema vor. Die Dokumente, die China diplomatisch direkt unerwähnt lassen, sind eine klare, wenn auch verspätete Reaktion auf Pekings wachsende Kontrolle über die kommerziellen Lebensadern des Kontinents.

Jahrelang wurden Häfen lediglich unter dem Blickwinkel des Handels betrachtet. Nun holt die offizielle Sichtweise die Realität ein: Sie sind strategische Vermögenswerte, die entscheidend für Lieferketten, Energiesicherheit und sogar militärische Mobilität sind. Chinesische Unternehmen wie COSCO Shipping halten Anteile an über zwanzig europäischen Häfen. Dazu gehören wichtige Knotenpunkte wie Rotterdam und Hamburg, während der griechische Hafen Piräus heute effektiv ein chinesisch kontrolliertes Tor nach Europa ist.

Man braucht nur Deutschland zu betrachten, um ein Fallbeispiel strategischer Naivität zu finden. Der ehemalige Kanzler Olaf Scholz setzte sich für eine chinesische Beteiligung am Hamburger Hafen ein und stellte dies als Vorteil für den Handel dar. Dies geschah trotz Warnungen innerhalb seiner eigenen Regierung, dass Deutschland eine Wiederholung seiner desaströsen Energieabhängigkeit von Russland riskierte. Berlins Bereitschaft, wirtschaftliche und politische Abhängigkeiten von autokratischen Regimen zu schaffen, scheint ein wiederkehrendes Thema in seiner Politik zu sein.

Die vorgeschlagene EU-Strategie zielt darauf ab, „unangemessene ausländische Eigentumsverhältnisse“ zu verhindern und Risiken durch organisierte Kriminalität zu begegnen. Dennoch ist die Sprache charakteristisch vorsichtig. Der Rat ist bestrebt, das „Investitionsklima“ nicht zu trüben oder „vertrauenswürdige Investoren“ abzuschrecken. Dies wirft die Frage auf, ob unverbindliche Leitlinien der langfristigen Strategie eines entschlossenen staatlichen Akteurs wirksam entgegenwirken können. Der bürokratische Impuls, entscheidende Maßnahmen zu vermeiden, bleibt stark.

Die Besorgnis reicht nun über die Grenzen der EU hinaus. Brüssel wird sich der Tatsache bewusst, dass chinesisch finanzierte Häfen in Nordafrika oder auf dem Balkan den Handel umleiten und die strategische Bedeutung der eigenen Einrichtungen der Union mindern könnten. Dies ist eine weitere Front in einem Wettbewerb, den Europa nur langsam anerkannte. Das Kernproblem, wie ein Think Tank bezüglich Piräus anmerkte, ist nicht nur der Besitz, sondern das Potenzial, dass chinesisch installierte Infrastruktur zur Informationsbeschaffung genutzt werden könnte. Die EU spielt auf einem Spielfeld aufholen, auf dem die anderen Spieler seit Jahren aktiv sind.

Geschrieben von Andreas Hofer andreas.hofer@alpineweekly.com