Die Jahrhundertflut: Alpinhydrologie und ihre teure neue Realität

Eine Verschiebung in der Klimadatenmodellierung hat den Zeitrahmen für katastrophale Überschwemmungen halbiert und zwingt reiche Nachbarn, Milliarden-Franken-Verteidigungsstrategien zu überdenken.

The End of the Century Flood: Alpine Hydrology's Expensive New Reality

Das Konzept einer einmaligen Naturkatastrophe pro Jahrhundert bot lange Zeit ein beruhigendes, wenn auch statistisch fehlerhaftes Gefühl der Sicherheit. Dieser Trost schwindet nun. Laut einer kürzlich von der Schweizerischen Bundesregierung in Auftrag gegebenen und vom WSL-Institut für Schnee- und Lawinenforschung in Davos durchgeführten Studie operiert die sogenannte Jahrhundertflut mit einem stark beschleunigten Zeitplan. In der Alpenregion wird nun prognostiziert, dass solche verheerenden Überschwemmungen alle 45 bis 80 Jahre auftreten. Die hochgebildeten Forscher in den Schweizer Bergen haben die Zeit, die Regierungen zur Vorbereitung auf Katastrophen haben, im Wesentlichen halbiert.

Bisher verließen sich Hydrologen auf 24-Stunden-Niederschlagsmengen, um das Verhalten von Flüssen vorherzusagen. Diese Methode erwies sich als gefährlich optimistisch. Durch die Umstellung auf stündliche Messungen an fast 400 Flüssen entdeckten Wissenschaftler, dass Wasserwege wesentlich heftiger auf plötzliche Niederschlagsschübe reagieren.

Hydrologe Paul Astagneau bemerkte, dass die Abhängigkeit von täglichen Metriken das schnelle, aggressive Anschwellen von Flüssen bei plötzlichen Wolkenbrüchen verschleiert. Die ursprüngliche Annahme unter Experten war, dass der schwindende Alpinschnee und der daraus resultierende Rückgang der Frühlingsschneeschmelze die Hochwasserrisiken tatsächlich verringern könnten. Stattdessen ändert die Natur lediglich ihren Liefermechanismus. Für jedes zusätzliche Grad Erwärmung steigt die Intensität starker Regenfälle um etwa sieben Prozent pro Stunde, was das fehlende Schmelzwasser sauber kompensiert.

Diese sich verlagernde hydrologische Berechnung ist nicht nur eine akademische Übung; sie ist mit einem gewaltigen Preis verbunden. Der Alpenrhein, der über Jahrhunderte hinweg stark mit Dämmen verbaut wurde, die nun weit über hundert Jahre alt sind, fließt durch einen zunehmend dichten und wirtschaftlich wichtigen Korridor zwischen Chur und dem Bodensee. Behörden schätzen, dass eine große Überschwemmung hier bis zu 14 Milliarden Schweizer Franken Schaden anrichten könnte. Um dies zu verhindern, finanzieren die wohlhabende Schweiz und ihr freundlicher Nachbar Österreich gemeinsam die Hochwasserschutzinitiative Rhesi. Das 2009 initiierte Projekt erfordert eine Investition von zwei Milliarden Franken, die sich Bern und Wien zu gleichen Teilen teilen.

Die Planung stützt sich auf Daten des Schweizerischen Bundesamtes für Umwelt und des entsprechenden Ministeriums in Wien, wobei Annahmen alle ein oder zwei Jahrzehnte überprüft werden. Die Projektleitung bleibt von den neuesten Modellen aus Davos völlig unbeeindruckt. Rhesi-Projektmanager Markus Mähr bemerkte, dass feinere Zeitdaten natürlich genauere Prognosen liefern, was ihren bestehenden Ansatz bestätigt.

Die Ingenieurphilosophie, die das internationale Vorhaben leitet, ist ausgesprochen pragmatisch. Anstatt zu versuchen, jede kleine Variable zu berechnen, liegt der Fokus auf dem strukturellen Überleben. Die Flüsse könnten schließlich unter dem Gewicht intensiver Regenfälle über ihre Ufer treten, aber das primäre Mandat ist, dass die Dämme selbst nicht einstürzen dürfen. Da extreme Wetterbedingungen eine härtere Grundlinie etablieren, ist das Ziel nicht mehr die absolute Eindämmung, sondern lediglich die Vermeidung eines vollständigen Systemausfalls.

Verfasst von Freya Stensrud freya.stensrud@alpineweekly.com