
Das solide Halbjahr der SBB: mehr Passagiere, mehr Gewinn und die üblichen Güterverkehr-Sorgen
Die Schweizer Bahn hat ihre Erträge verbessert, Züge weitgehend pünktlich gehalten und eine Güterverkehrsreform vorangetrieben, die noch wie eine Baustelle aussieht.

Die SBB hat eines jener Ergebnisse vorgelegt, die es einer Staatsbahn ermöglichen, kompetent zu wirken, ohne ihren strukturellen Problemen ganz zu entgehen. Im ersten Halbjahr 2026 verbuchte sie einen Gewinn von 126 Millionen Franken, gegenüber 48 Millionen Franken im Vorjahr. Auch die täglichen Passagierzahlen stiegen, mit durchschnittlich 1,45 Millionen Reisenden in SBB-Zügen, 4 Prozent mehr als im ersten Halbjahr 2025.
Das Unternehmen konnte auch eine leichte Verbesserung der Kundenzufriedenheit feststellen, die 80,1 Punkte erreichte, verglichen mit 79,9 im Vorjahr. Die SBB führte dies auf stabilere Abläufe, bessere Informationen bei Störungen und zusätzliche Sitzplätze auf stark frequentierten Verbindungen zurück. In der Bahnsprache zählt dies als Fortschritt; in der Alltagssprache bedeutet es weniger Gründe, auf dem Bahnsteig zu murren.
Die Pünktlichkeit blieb mit 94,1 Prozent hoch, lag aber 0,4 Prozentpunkte unter dem Wert des ersten Halbjahres 2025. Die SBB erklärte, dass die Zuverlässigkeit der Infrastruktur und des Rollmaterials sowie eine bessere Planung von Baustellen dazu beitrugen, die Züge in Bewegung zu halten. Technische Störungen, Wetter und Verzögerungen im grenzüberschreitenden Verkehr drückten die Zahl nach unten. Eisenbahnen, so scheint es, müssen immer noch mit den kleinen Widrigkeiten der Realität umgehen.
Der verbesserte Gewinn wurde von mehreren Faktoren getragen: einer stärkeren Nachfrage im Personenverkehr, einem positiven Immobilienergebnis und einem besseren Ergebnis im Güterverkehr. Die Güterverkehrssparte verbesserte sich um 49 Millionen Franken auf 2 Millionen Franken, was bedeutete, dass sie erstmals seit vielen Jahren die Gewinnschwelle erreichte. Das ist kaum ein großer Sprung für die Schweizer Logistik, aber es ist besser als die Alternative.
Trotzdem gibt die SBB nicht vor, dass das Halbjahresergebnis irgendetwas löst. Das Unternehmen gibt an, dass seine finanzielle Situation weiterhin anspruchsvoll ist. Um seine großen Fahrzeugflotten zu erneuern und Dienstleistungen zu erweitern, benötigt es mittelfristig einen Gewinn von rund 500 Millionen Franken pro Jahr; längerfristig muss die Zahl noch höher sein, wenn die Verschuldung stabilisiert werden soll. Die Botschaft ist klar genug: Eine Bahn kann mehr Menschen befördern und braucht trotzdem mehr Geld.
Deshalb soll die Instandhaltung des bestehenden Netzes an erster Stelle stehen, auch wenn eine Erweiterung notwendig bleibt, um steigende Nachfrage zu bewältigen und Engpässe später zu vermeiden. Die Schweiz betrachtet ihr Bahnsystem gerne als Modell für Ordnung und Zuverlässigkeit. Die Zahlen zeigen, dass dieses Modell immer noch von ständigen Investitionen abhängt, was weniger romantisch ist als pünktliche Abfahrten, aber eher nützlicher.
Auch der Güterverkehr wird neu organisiert. Anfang 2026 startete die SBB einen Testbetrieb für ein Shuttle im kombinierten Verkehr auf der Nord-Süd-Achse. Ab Dezember soll ein neues Produktionsmodell den nationalen Einzelwagenladungsverkehr wirtschaftlicher gestalten und das Unternehmen dem Bundesziel näherbringen, den Güterverkehr bis 2033 kostendeckend zu betreiben. Die SBB Cargo AG wird zum 1. Januar 2027 in die SBB AG eingegliedert, und die Mitarbeitenden wechseln zum 1. Juni 2027 zur SBB AG, wobei ihre Anstellungsbedingungen unverändert bleiben.
Auch der internationale Bahnreiseverkehr wuchs weiter. Im ersten Halbjahr reisten 6,02 Millionen Menschen mit dem Zug ins Ausland, 1,3 Prozent mehr als im gleichen Vorjahreszeitraum. Die SBB plant, dieses Angebot gemeinsam mit ihren Partnerbahnen weiter auszubauen. Für einen Sektor, der stets zwischen öffentlichem Dienst, Investitionsdruck und politischen Erwartungen balanciert, ist das Ergebnis ordentlich genug. Die schwierigere Frage ist, wie lange 'ordentlich genug' die Rechnungen noch begleichen kann.
Verfasst von Sandy van Dongen sandy.vandongen@alpineweekly.com
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