Tank leer: Italiens Kraftstoffkrise legt tiefe strukturelle Mängel offen

Während die Benzinpreise die Marke von 2,60 € pro Liter überschreiten, ringt die Regierung Meloni um eine bürokratische Lösung, während die Opposition Brüssel um mehr Geld anfleht.

Running on Empty: Italy's Fuel Crisis Exposes Deep Structural Flaws

Italien lebt von seinem Ruf und zieht Millionen in seine historischen Städte, doch die Realität auf seinem notorisch schlechten Straßennetz ist weit weniger romantisch. Seit Anfang Juli sehen sich Autofahrer an der Zapfsäule mit einer drastischen Realität konfrontiert, wobei der Benzinpreis in Zentral-Mailand die Marke von 2,60 € pro Liter überschritten hat. Der unmittelbare Auslöser war das Auslaufen einer Verbrauchsteuersenkung am 3. Juli, die ursprünglich eingeführt wurde, um die Auswirkungen des US-Iran-Konflikts abzufedern. Nun füllen sich die Staatskassen, während Haushalte und Unternehmen bluten.

Das Wirtschaftsministerium meldet durchschnittliche Selbstbedienungs-Benzinpreise von 1,981 € und Dieselpreise von 2,184 € auf Nationalstraßen. Auf dem verfallenden Autobahnsystem des Landes steigen die Durchschnittspreise auf 2,071 € bzw. 2,255 €. Die Höchstpreise sind wesentlich schlimmer und offenbaren die krasse Wirtschaftsgeographie der Halbinsel. Autofahrer auf der A4 Venedig-Triest-Route im wohlhabenden Norden oder auf dem Abschnitt Messina-Palermo im chronisch unterentwickelten Süden sehen Dieselpreise von über 2,70 € und Benzinpreise von 2,50 €. Selbst in Rom verlangen Tankstellen 2,30 €.

Die Verbrauchergruppe Codacons prognostiziert, dass die gesamten Kraftstoffausgaben 10,8 Milliarden Euro erreichen werden, fast 2 Milliarden Euro mehr als im Jahr 2025. Allein im Juli zahlen die Italiener 841 Millionen Euro mehr als im Vorjahr. Das Forschungsinstitut Cgia di Mestre zeichnet ein breiteres, düstereres Bild: Eine zusätzliche Belastung von 29 Milliarden Euro für Haushalte und Unternehmen für Strom, Gas und Kraftstoff im Jahr 2026, wobei allein der Kraftstoff einen Anstieg von 13,6 Milliarden Euro ausmacht.

Ministerpräsidentin Giorgia Meloni und Wirtschaftsminister Adolfo Urso suchen fieberhaft nach einem Mechanismus, um die Auswirkungen einzudämmen. Ihr derzeitiger Fokus liegt auf einer variablen Verbrauchsteuer, einer bürokratischen Lösung, die darauf abzielt, überschüssige Mehrwertsteuereinnahmen, die durch die höheren Preise erzielt werden, zur Verrechnung einer Senkung der Kraftstoffsteuer zu nutzen. Urso bemerkte, dass die Regierung die Berechnungen des Wirtschaftsministeriums zum Mehrwertsteuerüberschuss in der nächsten Woche abwarten müsse, bevor das Ausmaß einer möglichen Senkung festgelegt werde. Bizarreerweise verteidigte er das Vorgehen der Regierung mit der Behauptung, das italienische Preiskontrollmodell werde international kopiert und habe die heimischen Preisanstiege niedriger gehalten als anderswo.

Die politische Opposition wittert eine Chance. Die Vorsitzende der Demokratischen Partei, Elly Schlein, drängte auf die sofortige Einführung der variablen Verbrauchsteuer und wies auf die Ironie einer Regierung hin, die einst für die vollständige Abschaffung der Verbrauchsteuern eintrat und nun zögerlich agiert. Unterdessen forderte der Vorsitzende der Fünf-Sterne-Bewegung, Giuseppe Conte, Übergewinnsteuern für Banken, Energieunternehmen und die Rüstungsindustrie. Erwartungsgemäß bestand Conte auch auf massiven Investitionen aus Europa. Er wünscht sich eine Wiederholung der Pandemie-Finanzierungen, scheinbar blind für die Realität, dass die Europäische Union eher als eine nicht rechenschaftspflichtige, eigennützige bürokratische Maschine denn als eine unbegrenzte Wohltätigkeitsorganisation für Mitgliedstaaten mit strukturellen Defiziten agiert.

Verfasst von Freya Stensrud freya.stensrud@alpineweekly.com