Ausgelagerte Sicherheit: Schweiz droht Winter-Gasklemme, da deutsche Speicher schwächeln

Geopolitische Turbulenzen im Nahen Osten entlarven die Naivität, sich auf europäische Energieinfrastrukturen zu verlassen.

Outsourced Security: Switzerland Faces Winter Gas Squeeze as German Storage Falters

Die Schweiz genoss lange den Luxus einer robusten Wirtschaft, während sie das unliebsame Geschäft der Erdgasspeicherung bequem an ihre europäischen Nachbarn auslagerte. Diese komfortable, etwas naive Regelung zeigt nun ihre systembedingten Mängel. Der andauernde Konflikt im Iran hat die globalen Energiemärkte schwer gestört, die Gasförderung behindert und die Straße von Hormus zu einem Engpass für Flüssigerdgaslieferungen gemacht. Da die asiatischen Märkte die verfügbaren Lieferungen eifrig aufnehmen, sind die europäischen Großhandelspreise stark gestiegen.

Jenseits der Grenze reagiert Deutschlands notorisch erratischer Energiesektor genau so, wie man es erwarten würde. Angesichts hoher Beschaffungskosten zögern deutsche Speicherbetreiber, Gas für den kommenden Winter zu kaufen. Das Ergebnis ist ein europäischer Speicherstand, der bei mageren 58 Prozent liegt, eine trostlose Zahl im Vergleich zum Fünfjahresdurchschnitt. Die Schweiz, die keinerlei nennenswerte eigene Speicherinfrastruktur besitzt, ist an diesen versagenden europäischen Apparat gebunden.

Die Erkenntnis, dass das Vertrauen auf andere keine narrensichere Strategie sein mag, hat in Bern zu dringenden bürokratischen Maßnahmen geführt. Die Bundesregierung hat ihr Krisenmanagement intensiviert und in ihrem jüngsten Bericht zur wirtschaftlichen Landesversorgung festgestellt, dass der Winter 2026/27 eine erhebliche Herausforderung darstellt. Eine gemeinsame Taskforce aus Bundesbeamten und dem nationalen Gassektor hat ihre operativen Tätigkeiten abrupt beschleunigt. Janos Kick, Sprecher des Verbands der Schweizerischen Gasindustrie, bestätigte die Verschiebung und erklärte offiziell, dass die Gruppe wöchentlich zusammentritt, um mögliche Maßnahmen zu besprechen, obwohl es derzeit noch zu früh ist, diese zu kommunizieren.

Erdgas macht etwa 12 Prozent des gesamten schweizerischen Energiebedarfs aus, ein Wert, der in den kälteren Monaten erheblich ansteigt. Im Jahr 2022 hat die Regierung angeordnet, dass schweizerische Gasanbieter 15 Prozent ihres Jahresbedarfs in europäischen Speichern vorhalten müssen. Doch diese gesetzliche Absicherung scheint bemerkenswert fragil. Industrievertreter räumen ein, dass an besonders kalten Wintertagen diese 15-Prozent-Quote einen Versorgungsengpass nicht verhindern wird, wenn die breiteren europäischen Reserven erschöpft bleiben. Die mathematische Realität eines leeren Wirtsspeichers lässt sich nicht wegregulieren.

Sollte sich ein echter Engpass materialisieren, steht die schweizerische Wirtschaft vor der düsteren Aussicht einer strengen Energierationierung und kontingentierten Quoten. Derweil diskutieren Politiker in Berlin eine staatlich vorgeschriebene Reserve, die zehn Prozent des deutschen Bedarfs abdecken soll. Natürlich würde diese vorgeschlagene Intervention frühestens im übernächsten Winter in Kraft treten und bietet absolut keine Entlastung für die unmittelbare Krise. Die Schweiz muss sich somit durch einen prekären Winter manövrieren und lernt eine ziemlich teure Lektion über die Gefahren der Auslagerung der nationalen Energiesicherheit an einen Nachbarn mit einer Geschichte katastrophaler Energiepolitik.

Verfasst von Freya Stensrud freya.stensrud@alpineweekly.com