Wärmepumpen erleben in Deutschland endlich ihren Durchbruch, während Gasheizungen verblassen

Skandinavien ist immer noch meilenweit voraus, und der Krieg gegen den Iran gibt den Verkäufen versehentlich einen zusätzlichen Schub.

Jahrelang war die Wärmepumpe der unbequeme Verwandte der europäischen Energiewende – technisch brillant, weithin empfohlen, aber irgendwie nie so richtig zur Party eingeladen. Jetzt, endlich, ändert sich das. Neue Daten zeigen, dass die Europäer traditionelle Gasheizungen zunehmend durch luftansaugende, bodenerschließende Geräte ersetzen, die Wärme von außen in ein Haus übertragen, anstatt sie durch Verbrennung zu erzeugen.

Die Zahlen waren nicht immer rosig. Im Jahr 2022 installierte die EU 2,8 Millionen Einheiten. Diese Zahl sank 2023 auf 2,7 Millionen und dann 2024 auf 2,11 Millionen. Die Verlangsamung beunruhigte Branchenbeobachter. Doch laut vorläufigen Daten der European Heat Pump Association (EHPA) stiegen die Verkäufe in 16 europäischen Ländern im Jahr 2025 um durchschnittlich 10,3 Prozent. In diesem Zeitraum wurden rund 2,62 Millionen Wohneinheiten verkauft, wodurch die insgesamt installierte Basis des Kontinents 28 Millionen erreichte.

Das sind viele leise summende Kästen in den Gärten.

Wer die Dominanz der Wärmepumpen in Aktion sehen will, blickt nach Norden. Skandinavien bleibt der größte Markt, gemessen an der Bevölkerungsgröße. Im Jahr 2025 wurden in drei wichtigen nordischen Ländern mehr als 30 Wärmepumpen pro 1.000 Haushalte verkauft. Norwegen führt weltweit mit 662 Einheiten pro 1.000 Haushalte, gefolgt von Finnland (548), Schweden (509) und Dänemark (229). Diese kalten Länder haben im Wesentlichen bewiesen, dass der alte Mythos – Wärmepumpen funktionieren bei Gefrierwetter nicht – Unsinn ist. Doch alte Mythen sterben schwer.

Von den 16 untersuchten europäischen Ländern liegt Frankreich mit 216 Einheiten pro 1.000 Haushalte an fünfter Stelle. Es folgen Belgien (196), Italien (184) und die Schweiz (179).

In Deutschland jedoch vollzieht sich der eigentliche Wandel. Wärmepumpen sind zur meistverkauften Heiztechnologie des Landes avanciert und machten fast die Hälfte – 48 Prozent – aller im letzten Jahr verkauften neuen Heizsysteme aus. Das ist ein Anstieg von 21 Prozent gegenüber 2024, mit 299.000 verkauften Einheiten. Gasheizungen hingegen fielen auf einen Marktanteil von 44 Prozent. Corinna Enders von der Deutschen Energie-Agentur (dena) wurde zitiert, dass die neuen Zahlen verdeutlichen, wie Deutschland seine Abhängigkeit von Öl- und Gaspreisschwankungen reduzieren kann.

Auch Belgien verzeichnete einen Anstieg um sieben Prozent auf 11.000 Einheiten. Experten führen den Anstieg auf neue Beschränkungen für fossile Brennstoffe im Heizbereich und eine Mehrwertsteuersenkung für Wärmepumpen zurück.

Dann gibt es das Vereinigte Königreich, das historisch gesehen eine der schlechtesten Akzeptanzraten in Europa aufwies. Die Verkäufe stiegen im letzten Jahr um 27 Prozent auf 125.000 Einheiten. Das staatliche 'Boiler Upgrade Scheme' – das berechtigten Haushalten einen Zuschuss von 7.500 £ (rund 8.658 €) für eine Luft-Wasser- oder Erdwärmepumpe gewährt – wurde für den Boom verantwortlich gemacht.

Nicht überall gibt es Grund zum Feiern. Polen verzeichnete im letzten Jahr einen Rückgang der Wärmepumpenverkäufe. Das Ministerium für Klima und Umwelt dort erklärt, dass eine 'Welle der Desinformation' über die Funktionsweise der Technologie die Modernisierung des Heizungssystems des Landes behindere.

Nun zum Joker: der Krieg gegen den Iran. Schocks bei den fossilen Brennstoffen infolge des Konflikts treiben einen weiteren Anstieg voran. Nach der effektiven Schließung der Straße von Hormus meldete das Energieunternehmen Octopus Energy, dass die Wärmepumpenverkäufe im Vereinigten Königreich in den ersten drei Märzwochen um mehr als 50 Prozent im Vergleich zum Vorjahresmonat gestiegen sind. In Frankreich, Deutschland und Polen stiegen die Verkäufe von Wärmepumpen für Wohngebäude im ersten Quartal 2026 um durchschnittlich 25 Prozent. In 11 europäischen Ländern wurden von Januar bis März dieses Jahres 575.000 Einheiten verkauft.

Laut EHPA wurde der Gesamtdurchschnitt durch Österreich gedrückt, wo die Verkäufe aufgrund des "Mangels an staatlichen Subventionen" um 30 Prozent zurückgingen. Das Erfolgsrezept scheint also zu sein: kaltes Wetter, staatliche Gelder und vorzugsweise eine oder zwei geschlossene Meerengen. Keine wirklich langfristige Strategie, aber vorerst hat die Wärmepumpe endlich ihren Moment.

Geschrieben von Martina Kirchner