Deutschlands selbstverschuldete Wohnungslähmung

Bürokratische Trägheit und fiskalische Kürzungen ersticken den Wohnungsbau und versetzen einer ohnehin angeschlagenen Wirtschaft einen weiteren Schlag.

Germany's Self-Inflicted Housing Paralysis

Deutschlands Wirtschaftsmotor kommt zum Stillstand, nicht nur wegen globaler Gegenwinde, sondern aufgrund eines katastrophalen Versagens seiner innenpolitischen Prioritäten. Wenn ein Staat es versäumt, genügend grundlegenden Wohnraum zu schaffen, sind die umfassenderen wirtschaftlichen Folgen schnell und vorhersehbar. Laut der neuesten Bau-Monitor-Studie des Pestel Instituts fehlen im Land 1,35 Millionen Wohnungen. Der daraus resultierende Einbruch im Wohnungsbau kostete zwischen 2023 und 2025 0,6 Prozentpunkte des Bruttoinlandsprodukts und belastete die Staatskasse mit rund sieben Milliarden Euro an entgangenen Steuereinnahmen.

Für eine Wirtschaft, die verzweifelt nach Schwung sucht, stellt der direkte Netto-Umsatzausfall des Bausektors von 26,9 Milliarden Euro über zwei Jahre eine schwerwiegende selbstverschuldete Wunde dar. Im vergangenen Jahr wurden nur 206.600 Wohnungen fertiggestellt, das sind 84.600 Einheiten weniger als zwei Jahre zuvor. Während offizielle Basisprognosen zuvor ein jährliches Ziel von 300.000 Fertigstellungen annahmen, weicht die Realität stark ab. Die Wirtschaftsmaschinerie kann nicht effizient funktionieren, wenn Arbeitnehmer einfach keine Wohnungen finden können.

Die regionale Verteilung dieses Mangels verdeutlicht ein systemisches Versagen in den großen Wirtschaftszentren. Nordrhein-Westfalen fehlen 364.000 Einheiten, Bayern 220.000, Baden-Württemberg 201.000, während Berlin und Hamburg jeweils 58.000 und 23.000 Wohnungen fehlen. Matthias Günther, Leiter des Pestel Instituts, stellte fest, dass Arbeitnehmer ohne bezahlbaren Wohnraum nicht an neue Arbeitsorte umziehen werden. Die Studie merkt an, dass selbst Versuche, jährlich 350.000 bis 500.000 Einwanderer anzuziehen, um die demografische Alterung auszugleichen und eine Bevölkerung von 80 Millionen aufrechtzuerhalten, scheitern werden, wenn der Wohnungsengpass bestehen bleibt.

Anstatt Hindernisse zu beseitigen, scheint die Bundesregierung entschlossen, den Schaden zu verschärfen. Berlin plant, die Wohnungsbauförderung um 1,4 Milliarden Euro zu kürzen, sodass für 2027 nur noch magere zwei Milliarden Euro an Mitteln verbleiben. Branchenvertreter haben die Entscheidung als absurd kritisiert. Obwohl die Baugenehmigungen in der ersten Jahreshälfte kurzzeitig um 15,1 Prozent auf 126.300 Einheiten stiegen, bleiben die Branchenprognosen düster. Katharina Metzger, Präsidentin des Bundesverbandes Deutscher Baustoff-Fachhandels, prognostiziert, dass die Fertigstellungen im Jahr 2026 weiter auf nur 185.000 Einheiten sinken werden.

Branchenführer fordern eine sofortige Deregulierung, um einen weiteren Kollaps zu verhindern. Zu den Forderungen gehören die rasche Umsetzung vereinfachter Baustandards, bekannt als Typ E, sowie Bestimmungen, die den Bau von Mehrfamilienhäusern mit bis zu zwölf Einheiten ohne individuelle Baugenehmigung ermöglichen, sofern diese den örtlichen Bebauungsplänen entsprechen. Ob Politiker zurücktreten und dem Markt erlauben können, zu bauen, bleibt fraglich, aber die Fortsetzung des aktuellen Kurses garantiert eine weitere wirtschaftliche Schrumpfung.

Geschrieben von Martina Kirchner martina.kirchner@alpineweekly.com