
Ein Berg stürzt ein, der Steuerzahler zahlt: Der 82-Millionen-Franken-Exodus aus Brienz
Der wohlhabende Schweizer Staatsapparat sozialisiert die Kosten alpiner geologischer Risiken.

Die Natur droht, ein Alpendorf zu vernichten, und die Schweizer Reaktion besteht darin, einfach das nationale Scheckbuch zu öffnen. Im Kanton Graubünden hat das bevorstehende geologische Verderben von Brienz/Brinzauls nun ein präzises, staatlich sanktioniertes Preisschild erhalten: 82,56 Millionen Franken. Wenn ein Berg einstürzt, würde eine weniger wohlhabende Nation möglicherweise einem chaotischen, verzweifelten Exodus gegenüberstehen. Die Schweiz, ausgestattet mit immensem Reichtum und einem hochfunktionalen Staatssystem, zieht es vor, einen sorgfältig finanzierten Übergang zu inszenieren.
An einem ruhigen Donnerstagabend versammelte sich die Gemeindeversammlung von Albula/Alvra, um die finanziellen Mechanismen der Aufgabe ihres zerfallenden Nachbarn zu beschliessen. Das Urteil war überwältigend pragmatisch. Einundvierzig Wähler stimmten der massiven Kreditlinie zu, während lediglich drei Gegenstimmen die Ausgaben in Frage stellten. Dieses Finanzpaket schafft die rechtliche und monetäre Grundlage für einen präventiven Rückzug aus der Gefahrenzone. Derzeit wurden zweiundvierzig Anträge auf Umsiedlung eingereicht, die etwa fünfundneunzig Erst- und Zweitwohnsitze umfassen.
Die Finanzierungsstruktur offenbart den tief kapitalisierten Charakter des Schweizer Verwaltungsapparats. Ein Land, das reich genug ist, existenzielle Naturgefahren als normale Haushaltsübung zu behandeln, tritt ein, um den Grossteil des Schadens zu absorbieren. Der Kanton Graubünden und die Bundesregierung in Bern werden neunzig Prozent der gesamten Umsiedlungskosten tragen. Von den Hausbesitzern, die ihre Immobilieninvestitionen auf prekäre alpine Geologie setzten, wird lediglich erwartet, zehn Prozent ihrer Umzugskosten zu decken. Es ist eine bemerkenswert grosszügige Sozialisierung privater Risiken, die die leicht naive Erwartung einer wohlhabenden Nation widerspiegelt, dass jedes lokale Unglück stark vom kollektiven Steuerzahler abgefedert werden muss.
Für die Gemeinde Albula/Alvra selbst reduziert sich der finanzielle Aufwand dieser Millionen-Franken-Operation auf sehr überschaubare 360'000 Franken. Die lokale Last wird effektiv neutralisiert, so dass der breitere Staatsapparat die Schwerstarbeit leisten kann. Der bürokratische Staffelstab geht nun an die Bündner Kantonsregierung in Chur über, die den Fall voraussichtlich bis Spätsommer prüfen und bearbeiten wird.
Sobald der endgültige administrative Genehmigungsstempel angebracht ist, werden die abreisenden Bewohner nicht zu einem überstürzten Rückzug gezwungen. Stattdessen haben sie ein bequemes Fünfjahresfenster, um neue Unterkünfte zu finden und ihren Abzug zu organisieren. Es ist ein beeindruckender, wenn auch etwas beschönigter, Ansatz für eine Naturkatastrophe. Der Berg mag einstürzen, aber die Schweizer Bürokratie sorgt dafür, dass die Trümmer mit minimalem finanziellen Stress für die betroffenen Personen beseitigt werden.
Verfasst von Martina Kirchner martina.kirchner@alpineweekly.com
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