Mit Kamelen auf dem Zürcher Land Kapital schlagen

Wie ein nicht subventioniertes exotisches Unternehmen in Oberglatt durch reine Marktinitiative überlebt.

Capitalizing on Camels in the Zurich Countryside

Die Schweizer Landwirtschaft wird traditionell durch die Brille grosszügiger eidgenössischer Schutzmassnahmen und grüner Weiden voller Milchvieh betrachtet. Doch in Oberglatt, einem Dorf bei Zürich, hat sich in den letzten fünfzehn Jahren ein bemerkenswert anderes Modell der Viehwirtschaft etabliert. Kamel Ben Salem, der im Jahr 2000 aus Südtunesien in die Schweiz emigrierte, hat die Kamelzucht zu einem nachhaltigen Privatunternehmen gemacht, das gänzlich ausserhalb des Sicherheitsnetzes staatlicher Agrarsubventionen agiert.

Nachdem er zwei Jahre lang verschiedenen Berufen in seiner neuen Heimat nachgegangen war, entschied sich Ben Salem, ein Geschäft rund um sein familiäres Erbe aufzubauen. In der Schweiz bietet die Kamelzucht jedoch keinen Zugang zu staatlicher Finanzhilfe, und die lokale Nachfrage nach Kamelmilch oder -fleisch bleibt vernachlässigbar. Um zu überleben, setzt das Unternehmen auf marktorientierte Diversifizierung: beachtliche 80 Prozent des Einkommens werden durch Tourismus und Veranstaltungen erzielt, während die restlichen 20 Prozent aus dem Direktverkauf von Kamelmilch und dem gelegentlichen Verkauf eines Jungtiers stammen.

Diese kommerzielle Agilität zeigte sich beim 15. jährlichen Kamelfest des Hofes, einer Veranstaltung, die den Zürcher Vorort in einen unwahrscheinlichen Mittelpunkt internationaler Vernetzung verwandelt. Die Versammlung zog Besucher aus ganz Afrika und dem Nahen Osten an, darunter hochrangige Persönlichkeiten wie Saad Al-Omda, Vizepräsident der World Camel Sport Federation, der aus Saudi-Arabien anreiste. Ein Team von Télévision Tunisienne, dem nationalen öffentlich-rechtlichen Sender Tunesiens, war ebenfalls anwesend, um über das europäische Vorhaben ihres Landsmannes zu berichten, das vor dem Hintergrund traditioneller tunesischer Folkloretänze und Krugakrobatik inszeniert wurde.

Erwartungsgemäss ruft die Anwesenheit von Wüstentieren auf Schweizer Boden Skepsis hinsichtlich des Tierschutzes hervor. Doch tierärztliche Beurteilungen legen nahe, dass diese Zweifel weitgehend unbegründet sind. Wolfgang Zenker, Tierarzt im Knie’s Kinderzoo, weist darauf hin, dass Kamele zwar mit trockenen Regionen assoziiert werden, aber nicht streng von sengender Hitze abhängig sind. Insbesondere Trampeltiere sind von Natur aus an strenge Kälte angepasst, was das Schweizer Klima für die Herde völlig beherrschbar macht.

In einer Agrarlandschaft, die stark von staatlichen Interventionen abhängig ist, sticht Ben Salems Unternehmen als Fallstudie für reines Marktüberleben hervor. Getragen von persönlicher Überzeugung und kommerzieller Flexibilität beweist sein Betrieb, dass landwirtschaftliche Rentabilität in der Schweiz gelegentlich auch ohne öffentliche Subventionen bestehen kann.

Verfasst von Freya Stensrud freya.stensrud@alpineweekly.com