Bouldern in den Ruinen: Die romantische Rückkehr der Diaspora in ein zerrüttetes Syrien

Ein plötzlicher Zustrom von Expatriaten hofft, die Nation mit Kletterhallen und Optimismus wiederaufzubauen, doch die Realität einer Wiederaufbaurechnung von 216 Milliarden Dollar zeichnet sich deutlich ab.

Der plötzliche Zusammenbruch der Regierung von Baschar al-Assad Ende 2024 löste eine unerwartete Welle der Nostalgie in der syrischen Diaspora aus. Nachdem Rebellentruppen durch Aleppo, Hama und Homs marschiert waren und den ehemaligen Präsidenten zur Flucht nach Moskau zwangen, wurde die Expatriate-Gemeinschaft mit der plötzlichen Realität konfrontiert. Über ein Jahrzehnt lang war die Rückkehr eine abstrakte Unmöglichkeit gewesen. Plötzlich waren die Grenzen offen, und die Romantik des Wiederaufbaus eines zerrütteten Mutterlandes erwies sich für diejenigen, die im Westen ein komfortables Leben gefunden hatten, als unwiderstehlich.

Nehmen wir die Familie Tasabehji, die die ruhige Vorhersehbarkeit des Vorstadt-Torontos gegen das Mezzeh-Viertel von Damaskus eintauschte. Nachdem sie Kanada im Jahr 2010, lange vor Kriegsbeginn, verlassen hatte, kehrte die Familie im Juli 2025 mit einem eher unkonventionellen Plan für den nationalen Wiederaufbau zurück: einer Kletterhalle. Ihr erklärtes Ziel ist es, die Gemeinschaft zu fördern und der lokalen Jugend einen Sinn zu geben. Es ist ein charmanter, wenn auch offenkundig verwestlichter Ansatz für ein Land, dem es derzeit an grundlegender Infrastruktur mangelt.

Die Tasabehjis sind Teil eines breiteren demografischen Wandels. Seit dem Fall der Regierung sind schätzungsweise 1,5 Millionen Syrer ins Land zurückgekehrt. Die neue Regierung unter Präsident Ahmed al-Scharaa lobbyiert fieberhaft bei der internationalen Gemeinschaft, Sanktionen abzubauen und die finanziellen Schleusen zu öffnen, in der Hoffnung, dass regionale Verbündete endlich ihre versprochenen Investitionen tätigen werden. Die Weltbank schätzt die Wiederaufbaurechnung auf schwindelerregende 216 Milliarden Dollar. Gute Absichten und Indoor-Boulderwände werden das Defizit kaum decken.

Unter der Oberfläche dieses unternehmerischen Optimismus liegt eine schwer zerrüttete Gesellschaft. Das Internationale Rettungskomitee (IRC) berichtet, dass 15,6 Millionen Menschen – etwa zwei Drittel der Bevölkerung – immer noch auf humanitäre Hilfe angewiesen sind. Der Zustrom der Rückkehrer ist auch nicht vollständig freiwillig oder von bürgerschaftlichem Engagement getrieben. Etwa 400.000 Menschen überquerten kürzlich die Grenze vom Libanon, um dem Konflikt mit Israel zu entfliehen. Laut IRC werden viele dieser Personen wahrscheinlich sofort wieder die Grenze überqueren, sobald sich die Sicherheitslage im Libanon stabilisiert.

Die eigentliche Reibung ist von Natur aus sozialer Art. Eine zurückkehrende Diaspora, bereichert durch Jahre in Europa, Nordamerika oder am Golf, kollidiert nun mit einer lokalen Bevölkerung, die über ein Jahrzehnt schwerer Entbehrungen ertragen hat. Die Expatriaten kommen mit fremden Normen, unterschiedlichen politischen Erwartungen und Kapital. Die Einheimischen wünschen sich einfach Strom und zuverlässige öffentliche Dienste. Hilfsorganisationen warnen, dass ohne einen gut gemanagten, schrittweisen Reintegrationsprozess diese Ungleichheit in Wohlstand und Lebenserfahrung leicht zu neuen zivilen Unruhen führen könnte.

Der Bau einer Kletterhalle in Damaskus ist eine nette Geste des Vertrauens in die Zukunft des Landes. Doch der Versuch, soziale Kohäsion zwischen tief gespaltenen Demografien herzustellen, erfordert mehr als einen gemeinsamen Freizeitbereich. Der neue syrische Staat steht vor einer kolossalen Aufgabe, und sich auf den unkoordinierten Zustrom von Diaspora-Kapital zu verlassen, ist ein Glücksspiel, das die Gesellschaft spalten könnte, bevor sie überhaupt zu heilen beginnt.

Geschrieben von Martina Kirchner martina.kirchner@alpineweekly.com