Berns protektionistischer Reflex: Warum Weinquoten-Auktionen Schweizer Winzer nicht retten werden

Angesichts schrumpfenden heimischen Konsums wählt die Bundesregierung Grenzkontrollen statt Marktreformen.

Bern’s Protectionist Reflex: Why Auctioning Wine Quotas Won’t Save Swiss Vintners

Wenn sich Konsumgewohnheiten ändern, passen sich wettbewerbsfähige Industrien an. Bürokratien hingegen bauen Mauern. In der Schweiz, wo jüngere Generationen sich zunehmend vom Wein abwenden, während die heimische Rebfläche hartnäckig unverändert bleibt, ist das Ergebnis eine lehrbuchreife strukturelle Überproduktion. Anstatt Marktkräften die Produzenten in Richtung internationaler Wettbewerbsfähigkeit zu lenken, bevorzugt die Bundesregierung die vertraute Wärme des staatlichen Protektionismus.

Bundesrat Guy Parmelin und das Bundesamt für Landwirtschaft haben Monate damit verbracht, einen Schutzschild für lokale Winzer gegen ausländische Flaschen zu entwickeln. Ihr ursprünglicher Plan – ein obligatorischer Koppelungsmechanismus, der Importeure gezwungen hätte, Schweizer Trauben zu kaufen und zu verarbeiten, nur um Importrechte zu erhalten – scheiterte in der öffentlichen Konsultation. Unbeirrt von der Niederlage hat Bern schnell eine alte Alternative entstaubt: die Ersetzung traditioneller Quotenvergaben durch ein Auktionssystem.

Die Mechanik ist so einfach wie interventionistisch. Wie Jean-Marc Chappuis, stellvertretender Direktor des Bundesamtes für Landwirtschaft, erklärt, erhalten bei der Auktion diejenigen die Importquoten, die einen höheren Preis bieten. Der beabsichtigte Nebeneffekt ist ebenso explizit: die Kosten für ausländischen Wein künstlich zu erhöhen, um heimische Jahrgänge im Vergleich attraktiver erscheinen zu lassen.

Es ist ein klassischer administrativer Versuch, die grundlegende ökonomische Realität zu ignorieren. Der Weinhändler Philipp Schwander bezeichnete den recycelten Vorschlag zu Recht als eine längst verworfene schlechte Idee und wies darauf hin, dass viele Westschweizer Winzer den offenen Marktwettbewerb offenbar wie Weihwasser den Teufel behandeln. Statt Handelshürden zu errichten, schlagen Marktbeobachter vor, die notwendige strukturelle Transformation zu begleiten, finanzielle Unterstützung für die Anpassung anzubieten und den Export zu fördern.

Der Kontrast zu den Nachbarmärkten ist aufschlussreich. Während Mitglieder der Europäischen Union wie Deutschland, Italien und Spanien zwischen 40 und 60 Prozent ihrer Weinproduktion exportieren, exportiert die Schweiz magere 1,4 Prozent. Schweizer Premiumweine sind nach internationalen Standards wettbewerbsfähig bepreist und würden im Ausland willige Käufer finden, wenn Bern die Handelserleichterung über Grenzabschottung stellen würde.

Selbst innerhalb der Verwaltung ist das Vertrauen in den Auktions-Trick sichtlich gering. Bürokraten des Landwirtschaftsamtes räumen offen ein, dass hochpreisige Quotenauktionen die grundlegende Veränderung im Konsumentenverhalten nicht lösen werden. Dennoch geht der Vorschlag in die Konsultation, was einmal mehr beweist, dass Berns Standardreflex bei veränderten Märkten darin besteht, den Konsumenten zu bestrafen, anstatt den Produzenten zu liberalisieren.

Geschrieben von Thorben Thiede thorben.thiede@alpineweekly.com