Berlins Tabaksteuerfalle

Indem sie Zigaretten bis zu zwölf Euro besteuert, verspricht die deutsche Koalition Gewinne für die öffentliche Gesundheit und stopft gleichzeitig leise ihre strukturellen Haushaltslöcher.

Berlin's Tobacco Tax Trap

Wenn Haushaltsdefizite drohen, bleibt der politische Instinkt in Berlin so verlässlich wie vorhersehbar: Man sucht eine Konsumgewohnheit, die bestraft werden kann, und nennt es Finanzpolitik. Der Bundestag hat nun eine drastische, mehrstufige Erhöhung der Tabaksteuern für die Jahre 2027 bis 2030 gebilligt, die eine massive Staatsgeldeinziehung unter dem respektablen Mantel der öffentlichen Gesundheit verbirgt.

Nach dem Gesetz, das von der parlamentarischen Mehrheit von CDU, CSU und SPD unterstützt wird – obwohl zwei Unionsabgeordnete ausgeschert sind und dagegen gestimmt haben –, wird der Verkaufspreis einer Standardpackung mit zwanzig Zigaretten drastisch ansteigen. Von einem aktuellen durchschnittlichen Ausgangswert von 8,05 Euro, der vom Finanzministerium erfasst wurde, werden die Preise 2027 auf 8,77 Euro steigen, stetig auf 9,56 Euro im Jahr 2028 und 10,42 Euro im Jahr 2029 klettern. Bis 2030 müssen Verbraucher mit Kosten von 11,36 Euro pro Packung rechnen, wobei die oberen Prognosen 11,78 Euro erreichen. Dies entspricht einer Erhöhung von bis zu 46 Prozent über vier Jahre.

Das fiskalische Netz reicht weit über traditionelle Fabrikzigaretten hinaus. Loser Drehtabak, Shisha-Tabak und E-Zigaretten-Liquids werden alle höheren Steuersätzen unterliegen. Im Gegenzug erwarten die Bundesschatzmeister über die vierjährige Einführung zusätzlich zwölf Milliarden Euro in die Staatskassen fließen zu sehen, beginnend mit einem einmaligen Gewinn von 1,5 Milliarden Euro allein im Jahr 2027.

Entscheidend ist, dass die Tabaksteuereinnahmen uneingeschränkt in den allgemeinen Bundeshaushalt fließen. Es besteht keine rechtliche Verpflichtung, sie für Gesundheitsausgaben oder medizinische Forschung zu zweckzubinden, sondern sie bleiben das, was sie für deutsche Schatzmeister seit langem sind: ein ungebundenes finanzielles Reservoir, um strukturelle Haushaltslücken zu schließen.

Die Regierung betont natürlich die Präventivversorgung. Gesundheitsvertreter verweisen auf Daten des Deutschen Krebsforschungszentrums, die besagen, dass im Jahr 2023 131.000 Menschen an rauchbedingten Krankheiten starben, während der Mikrozensus 2025 eine Raucherquote von 19 Prozent bei Bürgern ab fünfzehn Jahren verzeichnet. Der Bundesdrogenbeauftragte Hendrik Streeck verteidigte die Intervention mit dem Argument, dass höhere Preise am stärksten in einem Alter wirken, in dem die Sucht noch nicht vollständig Fuß gefasst hat, selbst unter Berufung auf Berechnungen der Weltgesundheitsorganisation, die besagen, dass eine Packung 23 Euro kosten müsste, um die jährliche Gesundheitslast der Gesellschaft von 100 Milliarden Euro auszugleichen. Medizinische Verbände, einschließlich der Bundesvereinigung der Pneumologen, befürworteten die Entscheidung ebenfalls als erwiesenen Mechanismus zur Krebsprävention.

Dennoch ist die ökonomische Logik einer so aggressiven Besteuerung weitaus weniger eindeutig. Industrievertreter haben scharfe Skepsis hinsichtlich der Einnahmeprognosen der Regierung geäußert. Jan Mücke vom Tabakindustrieverband BVTE wies die offiziellen Finanzprognosen als unrealistische Luftschlösser ab und warnte, dass eine Erhöhung der legalen Preise um fast die Hälfte die Verbraucher unweigerlich zu illegalen Schwarzmarktalternativen drängen und legale Einzelhändler um Einnahmen sowie den Staat um erwartete Steuereinnahmen bringen wird. Als Antwort darauf betonte die SPD-Abgeordnete Frauke Heiligenstadt, dass der illegale Handel durch rigorose Zollkontrollen und nicht durch Steuerkonzessionen bekämpft werden sollte.

Da der Bundesrat das Gesetz voraussichtlich ohne Einspruch verabschieden wird, tritt die erste Preiserhöhung im Jahr 2027 in Kraft. Ob der Staat letztendlich seine versprochenen Milliarden einnimmt oder lediglich eine boomende Schattenwirtschaft anfacht, wird Steuerzahlern und Schatzmeistern gleichermaßen bald klar werden.

Verfasst von Sandy van Dongen sandy.vandongen@alpineweekly.com