Wenn eine Dating-Show zum Spiegel wird

SRF’s «Alone Together» schickt vier Paare auf eine schwedische Insel – und enthüllt meistens, was sie mitgebracht haben.

When a Dating Show Becomes a Mirror

Nimmt man das Telefon, die täglichen Ablenkungen und die übliche Möglichkeit, in einem Nachrichtenverlauf zu verschwinden, bleiben die Menschen mit einem ziemlich altmodischen Problem zurück: sich selbst.

Das ist der Grundgedanke von SRF’s «Alone Together», jetzt in seiner zweiten Staffel, wo vier Paare acht Tage lang isoliert auf einer kleinen Insel in Schweden verbringen. Die Sendung wurde im Sommer 2025 gedreht und soll ab dem 19. Juni 2026 ausgestrahlt werden. Die Matches waren nicht zufällig, sondern wurden von zwei Experten ausgewählt, was einem sehr menschlichen Chaos nur noch einen Hauch institutioneller Glaubwürdigkeit verleiht.

Das erste Paar, Yasmin und Oliver, wirken fast verdächtig gut zusammenpassend. Er will Kinder, sie will Kinder; beide sind fröhlich, beide finden einander sympathisch, beide lachen leicht. Und doch wird genau diese Reibungslosigkeit zum Problem. Yasmin sagt, der Funke fehle, und drei Monate später bestätigt das Wiedersehen, was die Insel bereits angedeutet hatte: Sie sind kein Paar. Oliver wird nicht nach Bern ziehen, Yasmin wird nicht nach Zürich ziehen, und so stößt die Romanze auf das älteste Hindernis im modernen Dating – den Kalender, den Arbeitsweg und die hartnäckige Überzeugung, dass Zuneigung sich irgendwie von selbst organisieren sollte.

Alenka und Noah stecken in einer anderen Art von Sackgasse. Beide bezeichnen sich als Überdenker, was meist eine höfliche Art ist zu sagen, dass Gefühle spät, wenn überhaupt, ankommen. Noah gibt zu, im Grübeln festzustecken; Alenka sagt, sie fürchte Bindungen und habe Mühe, den ersten Schritt zur Nähe zu machen. Sie gehen nach der Insel noch ein paar Mal aus, aber die Geschichte endet, wo solche Geschichten oft enden: in Freundschaft. Alenka ist jetzt mit jemand anderem zusammen.

Yves und Ursula zeigen das gegenteilige Problem: zu viel Sicherheit, zu wenig Instinkt. Yves, 37, weiß genau, was er will, bis hin zu Haarlänge und Körpergröße. Ursula, 38, kommt mit einer Liste von zehn Werten. Das Problem ist nicht ein Mangel an Ansprüchen, sondern das Fehlen jeglicher sichtbarer Wärme. Ursula sagt, sie bräuchte schon eine kleine Umarmung; die Expertin Esther Bischofberger hatte bereits darauf hingewiesen, dass eine Seite von Yves umsorgt werden möchte, während die andere eine raffinierte Frau wünscht. Diese beiden Wünsche treffen sich nie ganz. Dennoch verlassen sie die Insel zusammen, offenbar bereit, es noch einmal zu versuchen.

Leandra und Filip beginnen reibungsloser, was in diesem Format normalerweise ein Warnsignal ist. Leandra, 22, ist immer noch mit einem Ex verstrickt, der trotz zweijähriger Trennung sehr präsent bleibt. Sie sagt, ein Teil von ihr wisse, dass etwas ungelöst sei. Diese ungelöste Vergangenheit prägt schnell die Gegenwart: Sie setzt klare Grenzen, manchmal scharf, und Filip, 28, spürt die Auswirkungen, auch im gemeinsamen Zelt, wo sie ihm sagt, wenn er hereinkomme, werde sie gehen. Expertin Caroline Fux erkennt das Muster klar: Leandras Herz ist noch woanders, und das schafft ein sofortiges Ungleichgewicht.

Der eigentliche Kern der Show ist fast ärgerlich einfach. Die Insel hat die Konflikte nicht hervorgerufen; sie hat lediglich den üblichen Lärm um sie herum entfernt. Was bleibt, sind die privaten Gewohnheiten, die Beziehungen schwierig machen, lange bevor Expertenpaarungen, malerische Isolation oder Fernsehkameras ins Spiel kommen. Das ist natürlich weniger glamourös, als ein Romantik-Experiment sein sollte, aber auch ehrlicher. Menschen scheitern normalerweise nicht mangels passender Tabellen. Sie scheitern, weil sie mit bereits ausgefüllten Tabellenblättern ankommen.

Geschrieben von Christiane Hofreiter

christiane.hofreiter@alpineweekly.com