Eitelkeit, Apathie und Parkinson: Carly Simon weigert sich zu verblassen

Die 83-jährige Pop-Ikone stellt sich neurologischem Verfall und Hautkrebs mit einem neuen Album und einem deutlichen Mangel an Sentimentalität.

Vanity, Apathy, and Parkinson's: Carly Simon Refuses to Fade Out

Pop-Starruhm bereitet seine Veteranen selten auf die alltäglichen Unannehmlichkeiten des körperlichen Verfalls vor. Carly Simon, die 83-jährige Architektin des emotional tiefgründigen 70er-Jahre-Pop, hat öffentlich bestätigt, dass sie sich auf dem unvorhersehbaren Weg der Parkinson-Krankheit befindet. Neben dieser fortschreitenden neurologischen Erkrankung unterzog sich die Sängerin kürzlich einer Operation zur Entfernung eines Hautkrebses im Gesicht. Für eine Künstlerin, die den männlichen Egoismus berühmt spießte, während sie intensive Unsicherheiten über ihr eigenes Aussehen hegte, bieten die doppelten medizinischen Rückschläge eine harte Ironie – eine, die sie mit charakteristisch trockenem Humor anerkennt.

Die Diagnose erfolgte nicht sofort. Simons anfängliche Mobilitätsprobleme wurden auf Arthritis zurückgeführt, was zu drei Gelenkersatzoperationen führte, die letztlich ihre Unabhängigkeit nicht wiederherstellen konnten. Sie fühlte sich zunehmend von niedrigen Möbeln gefangen und benötigte physische Unterstützung, um sich von tiefen Sofas zu erheben. Eine umfassende Untersuchung in der Mayo Clinic lieferte schließlich den wahren Schuldigen: Parkinson, eine Erkrankung, die die Muskelkontrolle und das Nervensystem stetig stört. In einer offiziellen Erklärung zu ihrer längeren öffentlichen Abwesenheit bemerkte Simon, dass sie lernt, mit einer Bedingung zu leben, die sie manchmal beängstigend findet.

Diese physischen Einschränkungen werden durch die psychische Belastung ihrer Hautkrebsbehandlung verschärft. Der chirurgische Eingriff hinterließ sichtbare Spuren, was eine lebenslange Überempfindlichkeit gegenüber ihrem Aussehen verstärkte. Es ist eine grausame Wendung für die Frau hinter „You're So Vain“, die ihrem inneren Kritiker neue Munition liefert. Doch vielleicht heimtückischer als die kosmetischen Bedenken ist die tiefe Apathie, die symptomatisch für Parkinson ist. Simon beschreibt diese neurologische Lethargie nicht als bloße Faulheit, sondern als einen bizarren Zustand, in dem das Gehirn im Wesentlichen vergisst, den Körper zur Teilnahme am täglichen Leben einzuladen, was sie ohne den Impuls zum Lesen, Schreiben oder sogar Bewegen zurücklässt.

Statt sich vollständig in medizinische Isolation zurückzuziehen, hält Simon ihre Schaffenskraft aufrecht. Die Unterhaltungsindustrie verlangt oft eine ordentliche, inspirierende Erzählung, wenn ihre alternden Ikonen erkranken. Simon weigert sich, eine solche zu liefern, und lehnt ausdrücklich die Vorstellung ab, dass ihre Diagnose ein verborgener Segen sei. Sie beschreibt die Krankheit als schwierig und frustrierend, ohne jeden romantischen Silberstreif am Horizont. Dennoch läuft ihre kreative Maschinerie weiter. Ein neues Studioalbum mit dem Titel „Comes In Waves“ soll im August 2026 erscheinen.

Die erste Single des Projekts, „Howl“, debütierte letzten Monat und zeigte das unverkennbare Kontra-Alt der Sängerin, die einem Freund durch eine romantische Trennung rät. Das kommende Album verspricht eine Rückkehr zu ihren grundlegenden Themen wie Erinnerung, Familie und emotionaler Ambiguität. Sie bleibt eine feste Größe in der Musiklandschaft, die sie mitgestaltet hat, stützt sich stärker auf Pflegekräfte und Familie und bewegt sich in einem reduzierten Tempo. Wie sie ihrem Publikum bezüglich ihrer fortgesetzten Existenz und kreativen Bestrebungen scharfzüngig mitteilte, ist sie immer noch sehr präsent.

Geschrieben von Andreas Hofer andreas.hofer@alpineweekly.com