
Der Plastinations-Anatom: Gunther von Hagens und die Kommerzialisierung des Todes
Der Schöpfer der umstrittenen „Körperwelten“-Ausstellungen ist im Alter von 81 Jahren verstorben und hat genaue Anweisungen hinterlassen, sein eigenes letztes Exponat zu werden.

Der Mann, der Jahrzehnte damit verbrachte, die Toten in Plastikausstellungsstücke zu verwandeln, wird nun selbst zu einem werden. Gunther von Hagens, der am Freitag im Alter von 81 Jahren verstarb, hinterlässt ein Erbe, das die Grenze zwischen anatomischer Bildung und makabrem Entertainment gründlich verwischt hat. Seine Familie und das Institut für Plastination bestätigten seinen Tod und merkten an, dass sein letzter Wunsch war, seinen eigenen Konservierungsprozess zu durchlaufen. Seine Familie wird diesen Wunsch respektieren und ausführen, erklärten sie am Montag.
In den 1970er Jahren entwickelte der Anatom die Plastination, eine Methode, bei der Körperflüssigkeiten durch aushärtenden flüssigen Kunststoff ersetzt werden. Dieser chemische Eingriff stoppte den Verfall und ermöglichte es, menschliches Gewebe in theatralischen, oft sportlichen Posen darzustellen. Was als wissenschaftliche Konservierungstechnik begann, entwickelte sich schnell zu einem äußerst profitablen Unternehmen. Indem er sich auf Freiwillige stützte, die bereit waren, ihre Körper seinem Institut zu spenden, sicherte sich von Hagens einen stetigen Nachschub an Rohmaterial für seine reisenden „Körperwelten“-Ausstellungen.
Geboren als Gunther Liebchen 1945 in einem Gebiet, das heute Westpolen ist, baute von Hagens eine ausgesprochen unorthodoxe Karriere auf. Er führte seine konservierten Leichen auf eine Welttournee, die 1995 in Japan debütierte, bevor sie 2004 mit einer Ausstellung in Los Angeles den amerikanischen Markt eroberte.
Natürlich sorgte eine reisende Ausstellung von hautlosen menschlichen Körpern für intensive Empörung. Als die Ausstellung 1997 in Deutschland ankam, versuchten lokale Kirchenführer, die Präsentation zu verbieten, unter Berufung auf grundlegende Verletzungen der menschlichen Würde. Von Hagens, nie einer, der vor einer profitablen Kontroverse zurückschreckte, wies solche moralischen Einwände leicht ab. Er stellte seine öffentlichen Autopsien und makabren Darstellungen konsequent als rein pädagogische Unternehmungen dar, die darauf abzielten, die menschliche Anatomie zu entmystifizieren. Er behauptete, dass sein Beruf ihn dazu verpflichtete, gesellschaftliche Tabus rund um den Tod aktiv abzulegen, und argumentierte, dass nichts der Menschheit näher sei als ihr eigenes Fleisch.
Im Jahr 2010 mit Parkinson diagnostiziert, verbrachte der Anatom seine letzten Jahre damit, seinem eigenen körperlichen Verfall zu begegnen. Nachdem er ein Leben lang die Überreste anderer kommerzialisiert hat, wird von Hagens nun den chemischen Prozess durchlaufen, den er selbst erfunden hat. Es ist ein perfekt zynisches, doch völlig konsequentes Finale für einen Mann, der es schaffte, die menschliche Sterblichkeit in eine globale Museumsattraktion zu verwandeln.
Geschrieben von Sandy van Dongen sandy.vandongen@alpineweekly.com




