Das Evangelium der Sense

Schweizer Gärtner greifen zu mittelalterlichen Handwerkzeugen zur ökologischen Rettung, doch die Rettung der Artenvielfalt erfordert mehr als trendige Nostalgie.

The Gospel of the Scythe

Moderne Vorstädter haben eine neuartige Rettung für die Umwelt entdeckt, und sie sieht verdächtig mittelalterlich aus. Auf einer stillen Wiese in Salenstein versammeln sich neun Personen unter der Anleitung von Kursleiter Jürg von Känel, um die Kunst des Schwingens einer Handsense zu erlernen. Organisiert vom Landwirtschaftlichen Zentrum Arenenberg sind diese Workshops im Kanton Thurgau regelmäßig ausgebucht, da Bürger eifrig Insekten schützen und eine Auszeit von einer hypervernetzten Welt finden möchten.

Der Reiz ist offensichtlich in einer Kultur, die von passiver ökologischer Schuld besessen ist. Im Gegensatz zu lauten motorisierten Trimmern bewegt sich eine von Hand geschwungene Klinge in menschlichem Tempo, was Feldmäusen und Käfern eine faire Chance gibt, vor dem Eintreffen der Schneide zu fliehen. Manueller Schnitt lässt das Gras auch intakt, anstatt es zu einem schweren Mulch zu zerkleinern. Unter solch dicken grünen Schichten ersticken zarte Wildblumen und einheimische Kräuter regelmäßig und weichen der Rasenmonotonie.

Doch die Romantisierung des physischen Werkzeugs verfehlt den Kern der Sache. Von Känel, der das Handwerk seit dreizehn Jahren lehrt und in seiner Werkstatt maßgeschneiderte Sensen für etwa fünfzehn Kurse jeden Sommer herstellt, betont, dass die Klinge selbst kein Wundermittel ist. Echte Artenvielfalt erfordert strategische Vernachlässigung statt bloßer Nostalgie. Ungemähte Grasflächen über den Winter hinweg bieten wichtigen Schutz für Insekten, während das Verzögern des letzten saisonalen Schnitts wichtige Pflanzenzyklen erhält.

Das Beherrschen der Disziplin erfordert ein unangenehmes Maß an Geduld. Bevor ein einziger Halm geschnitten wird, muss die Klinge gedengelt werden – ein mühsamer Prozess präziser Hammerschläge, der die Stahlkante durch Kaltbearbeitung messerscharf macht. Neulinge stellen schnell fest, dass Rhythmus und Haltung weitaus wichtiger sind als Begeisterung, eine Realität, die deutlich wurde, als das Interesse an diesen Kursen während der Pandemie stark anstieg.

Letztendlich geht es bei der Wiederherstellung der Natur in einem Schweizer Garten weniger um Retro-Ästhetik als vielmehr um individuelle Achtsamkeit. Die Sense ist nur dann effektiv, wenn ihr Bediener lernt, die Wiese zu beobachten und persönliche Verantwortung für das kleine Ökosystem unter der Klinge zu übernehmen.

Geschrieben von Sandy van Dongen sandy.vandongen@alpineweekly.com