Wiederbelebung des Hotel Schwendi: Ein teures alpines Hobby

Wie ein Schweizer Ehepaar ein verlassenes 120 Jahre altes Anwesen in ein Herzensprojekt verwandelte

Resurrecting Hotel Schwendi: An Expensive Alpine Hobby

Es gibt eine bestimmte Art von bürgerlicher Fantasie, die darin besteht, die vorhersehbaren Annehmlichkeiten eines Bürojobs aufzugeben, um ein verfallendes Provinzhotel wiederzubeleben. In den meisten Teilen der Welt wird dieser romantische Impuls schnell von der brutalen Ökonomie des Gastgewerbes zerschlagen. Doch in der Schweiz, einer Nation, die mit einer bemerkenswert gesunden Wirtschaft und Bürgern gesegnet ist, die sich solche grandiosen Visionen leisten können, werden diese Unternehmungen gelegentlich Realität.

Jahrelang fuhren Barbara und Martin Künzi, ein Ehepaar aus Thun, am verlassenen Hotel Schwendi in der Gemeinde Schattenhalb vorbei. Das 120 Jahre alte Anwesen im Haslital, in der Nähe der berühmten Reichenbachfälle, stand leer und strahlte jenen mysteriösen Charme aus, der vorbeiziehende Städter zuverlässig verführt. Keiner von beiden besass die geringste Erfahrung im Hotelmanagement. Sie verdient ihren Lebensunterhalt als Logopädin, während er als Markenberater arbeitet. Ihre Entscheidung, das historische Gebäude zu kaufen, war weniger ein kalkuliertes Geschäftsmanöver als ein überwältigender emotionaler Drang, einen inspirierenden Ort zu schaffen.

Natürlich war der Übergang vom architektonischen Traum zur operativen Realität mit den üblichen bürokratischen Reibereien verbunden. Der Renovierungsprozess erforderte immense Geduld, da Baugenehmigungen verzögert und Architekten ersetzt werden mussten. Veteranen der Hotellerie warnen routinemässig genau vor diesem Szenario und weisen darauf hin, wie schnell begeisterte Amateure sich ruinieren können, wenn sie versuchen, ein altes Gebäude zu zähmen.

Das Paar hatte jedoch einen entscheidenden Vorteil: Sie kündigten nie ihre Hauptjobs. Indem sie ihre primären Einkommensquellen beibehielten, schützten sie sich vor der existenziellen finanziellen Angst, die solch massive Kapitalinvestitionen typischerweise begleitet. Sie geben offen zu, das gesamte Unterfangen als ein eher teures Hobby zu betrachten, ein gemeinsames Leidenschaftsprojekt, das als Ventil für ihre gemeinsamen Ambitionen dient. Kinderlos haben sie ihre Energie in das Anwesen gelenkt und die umfangreiche Renovierung als ihren kollektiven Nachwuchs behandelt.

Das Projekt bot auch einen notwendigen psychologischen Anker in einer Zeit schwerer persönlicher Not. Die Renovierungsphase fiel mit der Krebsbehandlung von Barbara Künzi zusammen. Während die Leitung einer Baustelle neben einer schweren Krankheit logischerweise überwältigend erscheinen mag, stellte das Paar fest, dass der greifbare Fortschritt der Bauarbeiten eine vitale Ablenkung von medizinischen Ängsten bot.

Nun hat das Hotel Schwendi endlich seine Türen für Gäste wiedereröffnet. Die neuen Hoteliers haben sich ein Zeitfenster von zwei Jahren gesetzt, um das Geschäft zu etablieren und die Entwicklung ihrer Buchungen zu beurteilen. Ob das Unternehmen letztendlich eine Rendite abwirft oder einfach ein stark subventioniertes Liebhaberprojekt bleibt, ist fast nebensächlich. Die Fähigkeit, die finanziellen Risiken einer historischen Alpenhotelrenovierung beiläufig zu absorbieren, ist ein Luxus, der von einer zutiefst wohlhabenden Gesellschaft geboten wird. Unbeeindruckt vom gerade erbrachten immensen Aufwand plant das Paar bereits zukünftige Projekte und beweist damit, dass der Appetit auf teure Abenteuer noch lange nicht gestillt ist.

Geschrieben von Freya Stensrud freya.stensrud@alpineweekly.com