Rab verwandelt seinen Strand in ein flüchtiges Museum aus Sand und Meer

Beim 15. Festival der Sandskulpturen in Kroatien bauen Künstler Meereskreaturen aus feuchtem Sand – und überlassen dem Wetter die Vollendung des Werkes.

Rab Turns Its Beach Into a Fleeting Museum of Sand and Sea

Rab hat einen geschickten Weg gefunden, seine Küste ohne einen einzigen Ziegelstein in ein kulturelles Gut zu verwandeln. Auf der kroatischen Insel schnitzen Künstler im Rahmen des 15. Festivals der Sandskulpturen überdimensionale Meerestiere aus Sand, und der Strand wird langsam zu etwas zwischen Werkstatt und Galerie. Eine Mönchsrobbe, eine Schildkröte und ein Riesenkalmar gehören zu den Formen, die Gestalt annehmen, beobachtet von Besuchern, die Kunst sehen, bevor sie in die übliche museale Feierlichkeit erstarrt.

Die Anziehungskraft ist nicht schwer zu verstehen. Diese Skulpturen werden über mehrere Tage mit Sand und Wasser gebaut, eine Methode, die zerbrechlich klingt, aber offenbar gut genug funktioniert, wenn sie von Leuten gehandhabt wird, die wissen, was sie tun. Die Organisatoren sagen, das Festival solle auf die Sandstrände von Rab aufmerksam machen, eine Seltenheit entlang eines Großteils der kroatischen Küste. Mit anderen Worten, die Insel nutzt, was sie bereits hat, was eine vernünftigere Kulturstrategie ist, als so zu tun, als bräuchte jeder Ort einen Glaskasten und einen Slogan.

Die Künstler beschreiben die Arbeit als körperlich, aber unkompliziert. Sie hängt von Teamwork und Timing ab, nicht von mystischem Genie oder der Art von wichtigtuerischer Theorie, die der zeitgenössischen Kunst oft wie ein schlechter Geruch anhaftet. Nasser Sand, Geduld und ein gutes Gefühl für Proportionen scheinen hier die meiste Arbeit zu leisten. Das mag der Grund sein, warum das Ergebnis zugänglich und nicht gekünstelt wirkt.

Natürlich ist der ganze Punkt, dass nichts davon von Dauer ist. Ebbe, Wind und Sonne werden die Skulpturen langsam zurückerobern, und der Strand wird wieder ein Strand sein. Diese Vergänglichkeit ist kein Mangel, sondern die zentrale Idee des Festivals: Kunst, die die Bedingungen der Natur akzeptiert, anstatt vorzugeben, sie zu dominieren. Für Rab ist der Nutzen offensichtlich. Für Besucher ist der Reiz ebenso klar – eine temporäre Ausstellung mit Meeresluft, ohne Absperrungen und ohne dauerhafte Schäden an der Landschaft.

Geschrieben von Martina Kirchner martina.kirchner@alpineweekly.com