Die anstrengende Suche nach Entspannung: Warum der Sprung aus dem Himmel den Büroalltag heilt

Psychologen geben zu, dass es kein universelles Heilmittel gegen Stress gibt, weshalb wohlhabende Berufstätige ihren Frieden am Grund eines Flusses oder Tausende von Metern in der Luft suchen.

The Exhausting Pursuit of Relaxation: Why Plummeting From the Sky Cures the Office Grind

Der moderne Berufstätige agiert in einem Umfeld von beispiellosem Komfort, insbesondere in einer wohlhabenden, gut ausgebildeten Enklave wie der Schweiz. Doch das unaufhörliche Summen der Büroökonomie treibt Menschen zu außergewöhnlichen Anstrengungen, nur um einen Grundzustand mentaler Ruhe zu erreichen. Statt eines milden Abendspaziergangs entscheidet sich der zeitgenössische Arbeitnehmer zunehmend für logistische Alpträume und physische Extreme. Die Heilung für den modernen Bürojob scheint entweder darin zu bestehen, auf den Grund eines Flusses zu sinken oder aus dem Himmel zu stürzen.

Man nehme den Fall von Cheyenne Heer, die routinemäßig ihren Frieden findet, indem sie aus einem ohrenbetäubend lauten Flugzeug viertausend Meter über dem Flugplatz Grenchen springt. Ursprünglich vor zwei Jahren auf einen Adrenalinkick aus, entdeckte sie stattdessen ein tiefes Gefühl der Ruhe. Das Eintauchen in die Luft erfordert absolute Eigenverantwortung und bietet einen scharfen Kontrast zur oft frustrierenden Dynamik eines typischen Arbeitstages. Der schiere Aufwand, nach einer anspruchsvollen Schicht zum Flugplatz zu fahren und einen Fallschirm akribisch zu packen, wird durch den psychologischen Reset, den der Sprung bietet, vollständig aufgewogen.

Ein ähnliches Paradoxon spielt sich unter der Oberfläche der Aare in Solothurn ab. Milena Schläfli-Wüthrich gleicht ihre Bürozeiten aus, indem sie schwere Tauchflaschen, einen Tarierjacket und Bleigewichte zum Flussufer schleppt. Das Eintauchen in die Strömung bringt das mentale Geschwätz anstehender Aufgaben effektiv zum Schweigen. Umgeben von goldenem Abendlicht, das durch Seegras filtert, nur begleitet vom Geräusch ihres eigenen Atems und gelegentlichen neugierigen Welsen, findet sie eine anhaltende Konzentration. Die erschöpfende Routine des Transports und der Reinigung nasser Ausrüstung nach einem langen Tag wird zu einem geringen Preis, um verjüngt an den Schreibtisch zurückzukehren.

Dieser Drang zu anspruchsvoller Freizeitgestaltung mag jedem, der Entspannung mit Ruhe gleichsetzt, kontraintuitiv erscheinen. Doch der akademische Konsens unterstützt diesen aktiven Ansatz zur Erholung. Laurenz Meier, Professor für Arbeits- und Organisationspsychologie an der Universität Zürich, weist darauf hin, dass Stressforscher jahrelang nach einer universellen Entspannungsmethode suchten, nur um festzustellen, dass es kein einziges perfektes Hobby gibt. Die Suche nach einem standardisierten Heilmittel gegen Erschöpfung war von Grund auf fehlerhaft.

Laut Meier hängen die Mechanismen der Entspannung stark von intrinsischer Motivation und einem ausgeprägten Gefühl der Kompetenz ab. Ob man eine neue Sprache lernt, Rad fährt oder eine fehlerfreie Fallschirmlandung ausführt – die Beherrschung einer Aufgabe ist es, was Stress wirklich abbaut. In einer stark strukturierten Gesellschaft, in der berufliche Pflichten oft abstrakt und endlos wirken, liegt der Reiz eines Hobbys in seinem unmittelbaren, greifbaren Erfolg. Wir wollen uns nicht unbedingt ausruhen; wir wollen einfach nur unzweideutig gut in etwas sein, das mit unserer Arbeit überhaupt nichts zu tun hat.

Verfasst von Sandy van Dongen sandy.vandongen@alpineweekly.com