Unheimliche Begegnungen der sentimentalen Art

Steven Spielberg kehrt mit einer Geschichte über Alien-Kontakt, Regierungskonspirationen und einem Drehbuch, das Mühe hat, mit seinen eigenen Ambitionen Schritt zu halten, zu den Sternen zurück.

Close Encounters of the Sentimental Kind

Ein weiterer Besuch aus dem Kosmos, mit freundlicher Genehmigung von Steven Spielberg. Man könnte verzeihen, wenn man ein Déjà-vu-Gefühl oder vielleicht einfach nur Nostalgie verspürt, da der 79-jährige Regisseur seinen Blick wieder gen Himmel richtet. Der Film, „Disclosure Day“, hat all die vertrauten Zutaten: undurchsichtige Konzerne, Regierungsgeheimnisse und das verlockende Versprechen, dass wir nicht allein sind. Die Frage ist, ob diese 2026 neu aufgewärmten Elemente noch immer das Wunder heraufbeschwören können, das sie einst taten.

Die Handlung wirft sicherlich alles auf die Leinwand. Wir folgen einem Cybersicherheits-Spezialisten, der das gesamte Archiv der US-Regierung über Alien-Begegnungen geplündert hat, einem ruchlosen Firmenboss, der die Freundin des Helden als Geisel nimmt, und einem Fernsehmoderator, der unerklärlicherweise beginnt, Außerirdische zu channeln. All dies entfaltet sich, während die Vereinigten Staaten und Russland am Rande eines Atomkriegs stehen, eine ziemlich dramatische Kulisse für eine Geschichte über die Suche nach Gemeinsamkeiten.

Trotz all seiner großen Ambitionen liegt die Hauptschwäche des Films in seinem Fundament: ein schwerfälliges Drehbuch von David Koepp. Das Skript ist gespickt mit ungeschickten Dialogen und Handlungslöchern, die so eklatant sind, dass sie aus einer anderen Ära importiert zu sein scheinen. Man fragt sich, wie die charmant veraltete Vorstellung, dass ein einziger Nachrichtenbericht auf einem lokalen Kanal die Welt vereinen könnte, nicht sofort als KI-generierte Fiktion oder ein weiterer Dienstag im Internet abgetan wird.

Auch visuell überzeugt der Film dort nicht, wo es am wichtigsten wäre. Die Alien-Ästhetik ist enttäuschend konventionell, unterläuft keine Erwartungen und bietet wenig Neues für das Genre. Hinzu kommen einige wirklich minderwertige CGI-Tiere, ein überraschender Fehltritt für eine Produktion dieser Größenordnung. Es scheint, als sei das Budget für beeindruckende Kreaturen anderweitig verwendet worden.

Dennoch ist das Projekt nicht ohne Verdienste. Die Besetzung leistet heldenhafte Arbeit mit dem Material, das ihr gegeben wird. Josh O’Connor und Colin Firth sind überzeugend, aber es ist Emily Blunt, die wirklich glänzt und ihre Rolle über die Grenzen des Drehbuchs hinaushebt. Spielbergs Regie sorgt für einen starken Antrieb, und eine großartige Zugkollisionssequenz erinnert uns daran, dass er immer noch einen unterhaltsamen Blockbuster inszenieren kann.

Die Kernbotschaft des Films ist ein Plädoyer für Empathie, eine Eigenschaft, die die besuchenden Außerirdischen anscheinend als den größten evolutionären Vorteil der Menschheit betrachten. Es ist ein schönes Gefühl, aber eines, das konsequent durch dicke Schichten Kitsch untergraben wird. Wenn Ernsthaftigkeit in reine Trivialität abgleitet, wird die Geduld und emotionale Investition des Publikums auf die Probe gestellt.

Dies gipfelt in einem Finale, das sich weniger wie eine tiefgründige Offenbarung als vielmehr wie eine intergalaktische Fehlkalkulation anfühlt. Das langgezogene Ende scheint nichts aus dem weithin verspotteten Abschluss von „Indiana Jones und das Königreich des Kristallschädels“ gelernt zu haben. Das Problem ist nicht die Existenz von Außerirdischen, sondern die zutiefst naive Ausführung, die wahrscheinlich mehr Kichern als Staunen hervorrufen wird. Trotz all seiner großen Ambitionen ist „Disclosure Day“ ein größtenteils befriedigender Kinobesuch, aber es bleibt weit entfernt von den Meisterwerken des Regisseurs. Die Wahrheit ist immer noch da draußen; dieser Film bietet lediglich eine wenig überzeugende Karte.

Verfasst von Thorben Thiede

thorben.thiede@alpineweekly.com