Europäische Gaspreise steigen stark an, da Iran-Konflikt Ängste vor Energieschock schürt

Referenzpreise springen über 60 €/MWh, da die Märkte über LNG-Lieferengpässe und Schifffahrtsrisiken im Golf besorgt sind

Die europäischen Gaspreise stiegen am Dienstag stark an, da die eskalierenden Spannungen im Nahen Osten die globalen Energiemärkte erschütterten und Ängste vor einem neuen Versorgungsschock aufkommen ließen.

Europas Referenzgasvertrag, der niederländische TTF, kletterte gegen Mittag über 60 € pro Megawattstunde – fast doppelt so hoch wie die Werte, die noch wenige Tage zuvor im niedrigen 30-€-Bereich lagen.

Analysten sagen, der Anstieg spiegele die Besorgnis wider, dass der Konflikt mit dem Iran globale Flüssigerdgas-(LNG)-Ströme und Schifffahrtsrouten im Golf stören könnte.

„Dies hat sofortige Ängste vor einer reduzierten LNG-Verfügbarkeit für Europa ausgelöst, was zu einem Ansturm auf den Spotmärkten und erhöhten Risikoprämien führte,“ sagte Yousef M. Alshammari, Präsident des London College of Energy Economics.

Ein Großteil der Unsicherheit konzentriert sich auf die Straße von Hormus, einen wichtigen maritimen Engpass, durch den ein großer Teil der weltweiten Energielieferungen fließt. Jede Störung des Tankerverkehrs könnte die globalen LNG-Märkte schnell anspannen.

Während Europa seine Abhängigkeit von russischem Pipelinegas seit Russlands umfassender Invasion der Ukraine im Jahr 2022 erheblich reduziert hat, hat die Umstellung auf seegestütztes LNG neue Schwachstellen geschaffen. Der Kontinent ist nun stärker von globalen Schifffahrtsrouten und Spotladungen abhängig, was bedeutet, dass geopolitische Spannungen Angebot und Preise schnell beeinflussen können.

Katar allein macht etwa 12–14 % der europäischen LNG-Importe aus, was Entwicklungen im Golf für europäische Energiehändler besonders wichtig macht.

Ein Bericht des Brüsseler Think Tanks Bruegel stellte fest, dass Europa, obwohl es weniger von der Golfenergie abhängig ist als große asiatische Volkswirtschaften, die Auswirkungen jeder Störung dennoch spüren würde.

Selbst begrenzte Lieferunterbrechungen könnten Preisspitzen auslösen, da europäische Käufer mit asiatischen Importeuren um verfügbare LNG-Lieferungen konkurrieren.

Der Anstieg der Großhandelspreise weckt auch Bedenken hinsichtlich der Energiepreise für Verbraucher. Analysten sagen, dass eine längere Periode mit Preisen über 50–60 € pro Megawattstunde letztendlich zu höheren Strom- und Heizkosten führen könnte.

Viele Haushalte und kleine Unternehmen haben jedoch feste oder regulierte Tarife, was bedeutet, dass Preiserhöhungen wahrscheinlich erst nach mehreren Monaten spürbar werden. Europas Gasspeicherstände tragen ebenfalls zur Marktunsicherheit bei. Die EU-Bestände sind derzeit zu etwa 30 % gefüllt – niedriger als zum gleichen Zeitpunkt im letzten Jahr – während die Bestände in Ländern wie Deutschland und Frankreich im niedrigen 20 %-Bereich liegen.

Wenn der Konflikt Wochen oder Monate andauert, warnen Ökonomen, könnte der Preisschock durch die gesamte Wirtschaft wirken.

Energieintensive Industrien wie die Chemie-, Stahl-, Düngemittel-, Glas- und Papierherstellung wären voraussichtlich am stärksten betroffen, insbesondere in Ländern wie Deutschland, Italien und den Niederlanden.

Regierungen müssen möglicherweise letztendlich gezielte Unterstützungsmaßnahmen wieder einführen, um gefährdete Haushalte und Unternehmen zu schützen, falls die Preise hoch bleiben.

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