EU-Arbeitnehmer verlassen Deutschland trotz Fachkräftemangels zunehmend, so eine Studie

Hohe Lebenshaltungskosten, Bürokratie und Diskriminierung am Arbeitsplatz drängen viele EU-Migranten dazu, innerhalb weniger Jahre weiterzuziehen

Deutschland kämpft darum, viele EU-Arbeitnehmer zu halten, obwohl das Land mit anhaltendem Arbeitskräftemangel zu kämpfen hat. Eine neue, von der Regierung unterstützte Studie zeigt, dass ein erheblicher Teil der Migranten innerhalb weniger Jahre nach ihrer Ankunft wieder abwandert.

Die Ergebnisse werfen Bedenken auf, ob Europas größte Volkswirtschaft die Arbeitskräfte halten kann, die sie zur Unterstützung wichtiger Sektoren wie Gesundheitswesen, Baugewerbe und öffentliche Verwaltung benötigt.

Der vom EU-Büro für die Gleichbehandlung durchgeführte Bericht ergab, dass viele EU-Migranten für bessere Löhne und Arbeitsmöglichkeiten nach Deutschland ziehen, sich aber letztendlich entscheiden, nicht langfristig zu bleiben. Eine beträchtliche Anzahl verlässt das Land innerhalb von vier Jahren nach der Ankunft. Trotz jährlicher Zuwanderungsströme von rund 400.000 bis 700.000 Menschen verzeichnet Deutschland auch eine hohe Abwanderung von EU-Bürgern.

Deutschlands Arbeitskräftemangel bleibt akut. Nach Angaben des Deutschen Wirtschaftsinstituts konnten Ende 2025 in den zehn am stärksten betroffenen Sektoren mehr als 260.000 Stellen nicht mit entsprechend qualifizierten Arbeitskräften besetzt werden. Allein im Gesundheitswesen wurde der Mangel auf rund 46.000 Arbeitskräfte geschätzt.

Die meisten EU-Migranten in Deutschland kommen aus Rumänien, gefolgt von Polen und Bulgarien. Weitere häufige Herkunftsländer sind Italien, Ungarn und Spanien. Rumänische, polnische und bulgarische Staatsbürger allein machen etwa 80 % der Migranten aus Ländern aus, die in den letzten 10 bis 15 Jahren die volle Freizügigkeit innerhalb der EU erlangt haben.

Die Zuwanderung aus mehreren dieser Länder ist jedoch kürzlich zurückgegangen. Im Jahr 2024 sank die Nettozuwanderung aus EU-Ländern drastisch auf etwa 38.700 Personen – ein Rückgang von fast 67 % gegenüber dem Vorjahr.

Im Rahmen der Studie durchgeführte Interviews legen nahe, dass viele Migranten Deutschland als einen instabilen oder schwierigen Ort zum Niederlassen empfinden. Fast 39 % der Befragten gaben an, sich im Land nicht wohlzufühlen, während fast die Hälfte berichtete, Diskriminierung am Arbeitsplatz erfahren zu haben.

Weitere Faktoren, die Migranten vom Verbleib abhalten, sind unflexible Arbeitsbedingungen, Schwierigkeiten bei der Anerkennung ausländischer Qualifikationen und begrenzte Möglichkeiten, in ihrem erlernten Beruf zu arbeiten.

Auch Bürokratie wurde häufig als Herausforderung genannt, insbesondere im Umgang mit administrativen Verfahren oder beruflicher Zertifizierung. Der Bericht kommt zu dem Schluss, dass eine stärkere Unterstützung von Migranten auf dem Arbeits- und Wohnungsmarkt sowie ein einladenderes Umfeld die Wahrscheinlichkeit erhöhen könnten, dass EU-Arbeitnehmer in Deutschland bleiben.

Der Beschäftigungszuwachs im Land wird derweil zunehmend von Arbeitskräften aus Nicht-EU-Ländern getragen.

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