Die Wiesn „säubern“: Wie Münchner Bürokratie das Oktoberfest vor Papiermaché gerettet hat

Städtische Gleichstellungsprüfer zwingen Kleinunternehmerin, traditionelle Faschingsdekorationen unter impliziter Androhung des Ausschlusses zu ändern.

Sanitizing the Wiesn: How Munich Bureaucracy Saved Oktoberfest from Papier-Mâché

Wenn die städtische Bürokratie beschließt, die Übel der Gesellschaft zu heilen, beginnt sie selten mit kaputter Infrastruktur oder versagenden öffentlichen Dienstleistungen. In München haben die städtischen Kreuzritter ein weitaus gefährlicheres Ziel ins Visier genommen: die jahrzehntealten Papiermaché-Figuren, die den Eingang des traditionellen Teufelsrads auf dem Oktoberfest schmücken.

Seit Generationen begrüßten vier weibliche Figuren – geschmückt mit traditionellen Dirndln, Caprihosen, einem grünen Kleid und einem gelben Hawaii-Rock – die Festbesucher, ohne einen zivilisatorischen Zusammenbruch auszulösen. Doch vor dem Fest 2026 schalteten sich das Münchner Gleichstellungsamt für Frauen und seine Fachstelle für Demokratie ein. Tiefe Dekolletés und kurze Röcke wurden plötzlich als inakzeptabel gebrandmarkt. In einer offiziellen Mitteilung während des Bewerbungsverfahrens schlugen Bürokraten vor, eine weibliche Figur durch ein männliches Pendant zu ersetzen und mehr Vielfalt zu fordern.

Um ihre Genehmigung zu behalten, war die Betreiberin Elisabeth Polaczy gezwungen, eine Spezialfirma zu beauftragen, um das historische Kunstwerk zu „säubern“. Die Figuren tragen nun bescheidene weiße Blusen und lange Unterwäsche unter ihren Röcken. Selbst die hawaiianische Figur litt unter der Regulierungswut: Ihr wurden die nackten Füße genommen – die Beamten behaupteten, sie seien diskriminierend –, stattdessen trägt sie nun Schuhe und ein dezentes Oberteil unter ihrer Blumengirlande. Ein erstes Angebot für die Änderungen belief sich auf 7.500 Euro, eine erhebliche finanzielle Belastung für eine Kleinunternehmerin, die lediglich ihren Betrieb aufrechterhalten möchte.

Polaczy gab zu, dass die Angst, ihren begehrten Platz auf der Wiesn zu verlieren, ihr kaum eine andere Wahl ließ, als sich den Forderungen der Stadt zu beugen. Derweil lobte das Wirtschaftsreferat der Stadt die Kooperation der Betreiberin und bezeichnete die Intervention als konstruktiven Dialog zur Verfeinerung des Festes. Dies ist ein vorhersehbarer Euphemismus für administrativen Zwang. Wenn unabhängige Unternehmen staatlich finanzierte Moralwächter zum Puppenoutfit konsultieren müssen, nur um ihre Türen offen zu halten, hat die Regulierungsüberschreitung ihren logischen Abschluss erreicht.

Die Münchner Behörden mögen sich dazu gratulieren, ein paar Zentimeter Papiermaché-Dekolleté vom Festgelände entfernt zu haben. Ob sich die Festbesucher beim Schlürfen von Zwölf-Euro-Bieren nun sicherer oder gleicher fühlen, bleibt zweifelhaft. Klar ist jedoch der unerbittliche Appetit der Kommunalverwaltung, echte Bürgerpolitik durch performative ideologische Hygiene zu ersetzen.

Verfasst von Thomas Nussbaumer

thomas.nussbaumer@alpineweekly.com