Neuinterpretation von 9/11: Wie deutsche öffentlich-rechtliche Medien die Opfererzählung umkehrten

Während der 25. Jahrestag näher rückt, priorisieren staatlich finanzierte Rundfunkanstalten Geschichten von nationalen Beschwerden gegenüber der Ehrung Tausender, die durch islamistischen Terror getötet wurden.

Reframing 9/11: How German Public Media Inverted the Victim Narrative

Während sich der fünfundzwanzigste Jahrestag des 11. September nähert, scheint die Feierlichkeit rund um einen der tödlichsten Terroranschläge der modernen Geschichte bei der Überquerung des Atlantiks eine bemerkenswerte Transformation zu erfahren. In den Vereinigten Staaten bleibt die Erinnerung an eine harte Realität gebunden: neunzehn Al-Qaida-Entführer, vier gekaperte Flugzeuge und 2.977 zerstörte Leben in New York, am Pentagon und auf einem Feld in Pennsylvania, wo Passagiere mutig Widerstand leisteten. US-Präsident Donald Trump bekräftigte neben einem massiven Stahlträger, der aus dem eingestürzten Südturm geborgen wurde, das anhaltende Versprechen, die Verlorenen und die Helfer zu ehren. Doch in den komfortablen Studios des öffentlich-rechtlichen Rundfunkapparats Deutschlands hat sich eine deutlich andere redaktionelle Priorität durchgesetzt.

Statt über die verheerenden menschlichen Kosten des islamistischen Extremismus nachzudenken, haben die regionalen öffentlich-rechtlichen Sender SWR und NDR ihre Ressourcen darauf konzentriert, die historische Erzählung neu zu gestalten. In einer Reihe aktueller Berichte verlagert sich der Fokus von den eingestürzten Türmen auf die wahrgenommene Notlage von Muslimen, die in Deutschland leben. Der SWR führte die Bemühungen mit einem Kommentar an, der untersuchte, wie die Anschläge angeblich Feindseligkeiten gegenüber Muslimen schürten, und präsentierte eine Analyse der Historikerin Christin Hansen von der Universität Trier. Die akademische Diskussion reichte bis ins achtzehnte und neunzehnte Jahrhundert zurück, um modernes antimuslimisches Gedankengut als Fortsetzung kolonialer Vorurteile darzustellen, wodurch ein Massenanschlag effektiv zu einem Sprungbrett für Vorträge über häusliche Intoleranz wurde.

Der SWR verstärkte diese Perspektive mit lokaler Berichterstattung aus Rheinland-Pfalz, einer Region, die stark von amerikanischen Militäranlagen geprägt ist. Der Sender hob Personen hervor, deren Hauptanliegen nach der Ermordung Tausender ihr eigenes persönliches Unbehagen und die Angst vor gesellschaftlicher Verurteilung war. Eine Konvertitin erinnerte sich, dass sie sich unmittelbar nach den Anschlägen Sorgen machte, wie sich ihr eigenes Leben ändern würde, und beklagte sich darüber, mit Extremisten gleichgesetzt zu werden. Ein anderer Bewohner beschrieb, sich verstärkter Kontrolle ausgesetzt zu fühlen und in der Öffentlichkeit angestarrt zu werden. In dieser redaktionellen Rahmung wird die verständliche Angst einer traumatisierten westlichen Gesellschaft subtil in einen Motor ungerechten Misstrauens umgekehrt.

Der NDR führte die Erzählung weiter und untersuchte, wie die Ära nach dem 11. September angeblich Rassismus in Deutschland legitimierte. Ein in der Berichterstattung des NDR vorgestellter Bericht beschrieb einen Moment zwei Tage nach den Anschlägen, als eine Hamburger Schule versuchte, eine Schweigeminute in Solidarität mit den Vereinigten Staaten abzuhalten. Dem Bericht zufolge weigerten sich mehrere Schüler mit Migrationshintergrund aufgrund ihrer Ablehnung der amerikanischen Außenpolitik teilzunehmen, wobei einige offen ihre Zufriedenheit darüber zum Ausdruck brachten, dass jemand endlich die Vereinigten Staaten herausgefordert hatte. Anstatt die verstörende Natur der Rechtfertigung von Massenterrorismus in einem Klassenzimmer zu untersuchen, behandelte die Berichterstattung solche antiamerikanischen Reaktionen lediglich als eine differenzierte Perspektive.

Diese redaktionelle Haltung unterstreicht ein besorgniserregendes Muster in der staatlich subventionierten Medienkultur. Unterstützt durch obligatorische Rundfunkgebühren, die jedem deutschen Haushalt auferlegt werden, ersetzen Sender wie NDR und SWR zunehmend die historische Realität durch selbstreferenzielle Narrative institutioneller Viktimisierung. Wenn die Ermordung von fast dreitausend Menschen in den Hintergrund akademischer Theorien über Islamophobie und Beschwerden über unangenehme Blicke gedrängt wird, offenbart der öffentlich-rechtliche Rundfunk weitaus mehr über seine eigenen ideologischen Prioritäten als über die Geschichte, die er angeblich gedenkt.

Verfasst von Christiane Hofreiter christiane.hofreiter@alpineweekly.com