
Höhen-Ingenieurkunst oder teure Eitelkeit?
Elon Musks fliegender, mauererklimmender Tesla Roadster zeigt die feine Linie zwischen technologischem Fortschritt und exekutivem Größenwahn auf.
Von Thorben Thiede

Wenn ein Automobilhersteller einen Sportwagen mit Kaltgasstrahltriebwerken und Vakuumsaugern ausstattet, um senkrechte Wände hochzufahren, wird die Grenze zwischen technischem Durchbruch und ungezügelter Eitelkeit bemerkenswert dünn. Elon Musks neueste Version des Tesla Roadsters verspricht kurze Flugstöße und die Fähigkeit, an überhängenden Oberflächen zu haften. Über die Bereitstellung von Partytricks für reiche Sammler auf Privatinseln hinaus wirft das Fahrzeug eine grundlegende Frage der wirtschaftlichen Nützlichkeit auf. Welchen Zweck erfüllt eine fliegende Flunder in einer Wirtschaft, die zunehmend durch regulatorische Hürden und städtische Platzbeschränkungen belastet ist?
Der Appenzeller Kabarettist Simon Enzler, der derzeit mit seinem elften Bühnenprogramm tourt, übt scharfe Kritik an diesem Hightech-Spektakel. Er vergleicht den Wandklettermechanismus mit einem handelsüblichen Fensterputzroboter und merkt an, dass, wenn eine solche Technologie existieren muss, sie zumindest einen funktionalen Zweck erfüllen sollte. Vertikales Parken an Bürowänden im dritten Stock könnte überlasteten Stadtzentren Erleichterung verschaffen, die unter einem chronischen Mangel an Parkplätzen leiden. Alternativ könnte das Ausstatten des Frontspoilers des Fahrzeugs mit Putzlappen es endlich nützlich machen, um Staumauern zu warten oder städtische Straßen zu kehren, wo Laubbläser verboten wurden.
Die militärischen Implikationen sind ebenfalls eine Untersuchung wert. Entzieht man dem Ganzen das kommerzielle Branding, so ist ein ferngesteuertes, raketenunterstütztes Fahrzeug im Grunde eine schwere Drohne. Informationen aus dem Krieg in der Ukraine haben die entscheidende Rolle von Drohnen in der modernen Konfliktbewältigung gezeigt. Vor diesem Hintergrund erscheint die traditionelle Verteidigungsausgabe bemerkenswert unflexibel. Die Schweizer Luftwaffe hat etwa 6 Milliarden Franken für neue Kampfjets bereitgestellt – eine Summe, mit der theoretisch rund 1.200 Tesla-Drohnen gekauft werden könnten. Digitale Kriegswagen aus der Sicherheit des Hinterlandes zu steuern, stellt einen starken Kontrast zur konventionellen Beschaffung dar, auch wenn das Bedienen mit einem Joystick in einer Hand ein satirisches Szenario bleibt.
Es gibt jedoch ein klares Problem der öffentlichen Sicherheit, wenn man solche Kräfte auf öffentliche Straßen loslässt. Unfallstatistiken mit jungen Fahrern zeigen, dass das Überlassen eines geleasten 600-PS-Fahrzeugs an unerfahrene Hände kaum anders ist, als eine geladene Waffe in einem Wohngebiet zu führen. Ein Führerschein unter solchen Bedingungen funktioniert effektiv wie ein Waffenschein und führt zu Forderungen nach einem obligatorischen Testosteron-Grenzwert neben den üblichen gesetzlichen Blutalkoholgrenzwerten. Während Musk eine mögliche Fusion zwischen SpaceX und Tesla in Betracht zieht und schätzungsweise 14 Kinder mit mindestens vier Frauen verwaltet, bleibt der Öffentlichkeit die Frage, welche weiteren Science-Fiction-Konzepte still und leise durch die Unternehmenspipelines geschleust werden.
Geschrieben von Thorben Thiede




