
Wende auf dem Tatami: VAE sichert sich historischen Judo-Weltmeistertitel in Baku
Yelyzaveta Lytvynenko und Ilia Sulamanidze aus Georgien erringen Spitzenplätze, während traditionelle Judo-Mächte in Aserbaidschan schwächeln.

Ein ereignisreicher Tag bei den Judo-Weltmeisterschaften in Baku brachte wegweisende Siege und zerschmetterte lang gehegte Ambitionen. Während etablierte Kampfsportnationen ihre gewohnte Dominanz erwarteten, wich die Wettkampf-Hierarchie auf dem Tatami einer unerbittlichen taktischen Ausführung, was einen historischen Meilenstein für die Vereinigten Arabischen Emirate und einen krönenden Moment für Georgien hervorbrachte.
In der Kategorie der Frauen bis 78 kg erreichte die französische Kämpferin Kaila Issoufi das Finale nach einem beeindruckenden Durchmarsch durch die K.o.-Runde und zeigte eine Form, die auf einen potenziellen Weltmeistertitel hindeutete. Ihr Ehrgeiz kollidierte jedoch direkt mit der Weltranglistenzweiten Yelyzaveta Lytvynenko. Die für die Vereinigten Arabischen Emirate antretende Lytvynenko benötigte nur wenig Zeit, um die Strategie ihrer Gegnerin zu demontieren.
Ein frühes Waza-ari, erzielt durch einen scharfen O-uchi-gari, brachte Issoufi aus dem Gleichgewicht und verschaffte einen sofortigen Vorteil. Lytvynenko legte umgehend mit einer zweiten Wertung nach, um den Kampf entscheidend zu beenden. Das Ergebnis sicherte Lytvynenko nicht nur eine persönliche Goldmedaille, sondern den ersten Judo-Weltmeistertitel in der Geschichte der Vereinigten Arabischen Emirate. Filomena Fortes, Mitglied des Internationalen Olympischen Komitees, war vor Ort, um die Medaillen nach dem Wettkampf zu überreichen.
Die Männerkategorie bis 100 kg bot eine ebenso fesselnde Demonstration von Entschlossenheit. Der georgische Athlet Ilia Sulamanidze zog ins Finale ein, um seine frühere Weltbronze-Medaille zu verbessern. Ihm im Weg stand Japans Arai Dota, ein Teilnehmer, dessen Fortschritt – Weltbronze 2024, gefolgt von Weltsilber 2025 – ihn für die oberste Stufe des Podiums im Jahr 2026 zu positionieren schien.
Sulamanidze hatte andere Pläne. Unter Beibehaltung des kraftvollen und entscheidenden Tempos, das seinen Weg durch die Auslosung kennzeichnete, erzielte der Georgier im Finale ein einziges Yuko. Diese einzige Wertung reichte aus, um den Weltmeistertitel und den begehrten roten Rückenaufnäher eines Champions zu sichern. Die Medaillenübergabe erfolgte durch Dimitri Abdushelishvili, Präsident des Georgischen Nationalen Verbandes für Wassersport.
Können traditionelle Judo-Hochburgen weiterhin davon ausgehen, dass vergangene Erfolge zukünftige Trophäen garantieren? Die entscheidenden Leistungen in Aserbaidschan deuten darauf hin, dass technische Präzision und Wettkampflust den internationalen Wettbewerb rasch neu gestalten, lange bevor die Schwergewichte überhaupt die Matten betreten.
Verfasst von Thorben Thiede thorben.thiede@alpineweekly.com




