
Spektakel statt Tradition: Williams und Alcaraz führen das überarbeitete US Open Mixed-Doppel an
Das komprimierte Format der USTA lockt erfolgreich die Einzel-Königsklasse an und verdrängt Doppelspezialisten im Streben nach einem Blockbuster-Turnier.

Die United States Tennis Association (USTA) hat sich noch nie gescheut, ein Spektakel zu inszenieren, und ihre neueste Auslosung ist eine Meisterleistung des Sportmarketings. Serena Williams und Carlos Alcaraz, die zwei völlig unterschiedliche Epochen der Tennisdominanz repräsentieren, erhielten eine Wildcard, um als Mixed-Doppel-Paar bei den US Open anzutreten. Es ist eine Paarung, die dazu bestimmt ist, Schlagzeilen zu dominieren, indem sie die Gravitas einer 23-fachen Grand-Slam-Einzelmeisterin mit der explosiven Energie des aktuellen Weltranglistenzweiten verbindet.
Diese hochkarätige Allianz ist das direkte Ergebnis der jüngsten strukturellen Überarbeitung des Mixed-Doppel-Turniers durch die USTA. Letztes Jahr verwandelte der Dachverband den Wettbewerb in einen komprimierten zweitägigen Sprint mit 16 Teams. Das Ziel war transparent: Top-Einzelspieler anzulocken, die sonst vor der physischen Belastung einer längeren Doppelkampagne zurückschrecken würden. Mit einem geteilten Preisgeld von 1 Million US-Dollar für die Sieger scheint die Strategie Früchte zu tragen, indem sie eine Konstellation von Stars anzieht und traditionelle Doppelspezialisten unweigerlich in eine Montags-Qualifikationsrunde verdrängt.
Für Williams ist der Ausflug ins Mixed-Doppel eine pragmatische Rückkehr nach Flushing Meadows, ihre erste Teilnahme am Turnier seit 2022. Ihr Comeback in diesem Sommer war von physischen Realitäten geprägt, da eine kurze Einzelkampagne in Wimbledon abrupt durch eine Knieverletzung in der ersten Runde gestoppt wurde. Folglich hat die Veteranin auf die Teilnahme am Einzel-Wettbewerb in New York verzichtet. Die USTA, die ihr angeblich eine Wildcard für das Damen-Einzel reserviert hatte, vergab den Platz stattdessen an die Australian-Open-Siegerin von 2020, Sofia Kenin.
Williams gibt ihre Wurzeln jedoch nicht ganz auf. Nach einem kürzlichen Doppel-Einsatz mit ihrer älteren Schwester Venus bei den Cincinnati Open könnten die Geschwister auf den Courts von Queens noch einmal zusammenfinden. Interessanterweise datiert Williams' Geschichte mit dem US Open Mixed-Doppel vor ihrer Einzel-Dominanz. Sie gewann den Titel 1998 an der Seite von Max Mirnyi, der heute die topgesetzte Aryna Sabalenka trainiert.
Alcaraz geht mit eigenen physischen Fragezeichen ins Turnier. Seit April mit einer Handgelenksverletzung am rechten Arm außer Gefecht gesetzt, kehrt der zweimalige US Open Herren-Champion hauptsächlich zurück, um seinen Einzel-Titel zu verteidigen. Der Spanier scheint von der zusätzlichen Arbeitsbelastung unbeeindruckt zu sein und drückte in den sozialen Medien seine Begeisterung für die Paarung mit Williams aus.
Das Williams-Alcaraz-Ticket ist nur eine Facette eines stark besetzten, wenn auch etwas volatilen Feldes. Verletzungen haben zu einer späten Umstrukturierung der Auslosung gezwungen. Nach den Rückzügen von Jack Draper und Elena Rybakina haben die Amerikaner Jessica Pegula und Taylor Fritz eine neue Partnerschaft gebildet. Daniil Medwedews Ausscheiden hat Diana Shnaider ohne Ersatzpartnerin zurückgelassen.
Doch die verbleibende Besetzung liest sich wie eine Liste der zeitgenössischen Tennis-Royalty, mit Paarungen wie Sabalenka und Novak Djokovic, sowie Iga Swiatek und Casper Ruud. Die USTA vergab auch die verbleibenden Wildcards für das Hauptfeld an Emma Navarro und Tommy Paul, zusammen mit Karolina Muchova und Jakub Mensik.
Das überarbeitete Format erreicht genau das, was die Organisatoren beabsichtigten. Es garantiert volle Stadien und weltweite Aufmerksamkeit, auch wenn es das Mixed-Doppel-Event eher in eine flüchtige Exhibition der Einzel-Königsklasse als in einen Triumph spezialisierter Teamarbeit verwandelt.
Verfasst von Andreas Hofer andreas.hofer@alpineweekly.com
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