Sept. 10, 2:01 PM

Privatisierung ohne Vertretung: Frankreich schließt sich europäischem Aufstand gegen Infantino an

Ein misslungener Vorschlag zum Verkauf von FIFA-Vermögenswerten löst eine breite kontinentale Rebellion aus.

Privatization Without Representation: France Joins European Revolt Against Infantino

Wenn zentrale Administratoren im globalen Sport davon ausgehen, dass sie primäre Vermögenswerte hinter verschlossenen Türen veräußern können, unterschätzen sie routinemäßig den Rückschlag, wenn Details unweigerlich durchsickern. Gianni Infantino lernt diese Lektion gerade. Der französische Fußballverband hat seine Unterstützung für die Wiederwahl des FIFA-Präsidenten offiziell aufgegeben und schließt sich einer wachsenden Koalition europäischer Administratoren an, die das undurchsichtige Geschäftsgebaren in Zürich satt haben.

Die Entscheidung, die einstimmig vom Exekutivkomitee des französischen Verbandes getroffen wurde, markiert eine schnelle Kehrtwende. Noch Ende Juni hatte sich Paris hinter Infantino gestellt, als er der einzige deklarierte Kandidat war. Diese anfängliche Unterstützung schwand, nachdem Details über die Absicht bekannt wurden, einen Anteil von 20 Prozent an FIFA-Wettbewerben – einschließlich der Weltmeisterschaft – an private Investoren zu verkaufen. Das Vorhaben scheiterte im Juli inmitten heftiger Opposition regionaler Konföderationen, was Infantinos Autorität erheblich schwächte.

FFF-Präsident Philippe Diallo äußerte sich explizit zum Vertrauensbruch und erklärte, dass das in den FIFA-Präsidenten gesetzte Vertrauen gebrochen wurde. Diallo machte deutlich, dass die Art und Weise, wie der Weltfußball derzeit geführt wird, nicht mehr den europäischen Erwartungen entspricht. Das Kernproblem bleibt die völlige Abwesenheit einer ordnungsgemäßen Konsultation, bevor versucht wird, ein Fünftel der Kronjuwelen des Weltfußballs an privates Kapital zu verkaufen.

Dieser Rückzug ist kein isoliertes französisches Manöver. Indem Paris den Amtsinhaber fallen lässt, stimmt es seine Position mit der von Verbänden auf dem gesamten Kontinent ab, darunter die in England, Italien, Belgien, Schottland und Schweden. Der institutionelle Druck wächst über die einzelnen Grenzen hinaus: Die UEFA, zusammen mit der Asiatischen Fußballkonföderation und CONCACAF, sucht aktiv nach einem glaubwürdigen Gegenkandidaten vor der für den 18. März 2027 in Rabat angesetzten Wahl. Jeder Herausforderer muss bis zum 18. November offiziell gemeldet werden.

Einen etablierten Exekutivbeamten im internationalen Sport abzusetzen, ist selten einfach, insbesondere da Infantino immer noch die Unterstützung der südamerikanischen CONMEBOL und der afrikanischen CAF genießt. Diallo räumte ein, dass Kritik allein die Richtung des Leitungsgremiums nicht ändern wird, ohne eine konkrete alternative Plattform und einen Kandidaten, der gewinnen kann. Ob sich die europäischen Verbände vor der Herbstfrist hinter einem vielversprechenden Kandidaten vereinen können, bleibt die zentrale Prüfung für die Zürcher Opposition.

Geschrieben von Andreas Hofer andreas.hofer@alpineweekly.com