Jan. 12, 7:39 AM

EV Zugs Wintertief enthüllt tiefere Probleme jenseits des Trainers

Ein siegloser Start ins Jahr 2026 setzt Cheftrainer Michael Liniger unter Druck, doch Verletzungen, Kaderentscheidungen und alternde Leistungsträger prägen die Schwierigkeiten des Teams

Two ice hockey players in white-red and blue jerseys battle for the puck on the rink.

Der Schweizer Eishockeyclub EV Zug erlebt einen ungewöhnlich schwierigen Winter. Das Team hat im Jahr 2026 noch keinen Sieg verbuchen können, ein starker Kontrast zu den hohen Erwartungen, die die Organisation in den letzten Jahren umgaben. Während sich die Kritik zunehmend auf Cheftrainer Michael Liniger konzentriert hat, reichen die Ursachen des Einbruchs weit tiefer als der Mann hinter der Bande.

Ein Trainer unter Beobachtung

Liniger, 46, übernahm letzten Sommer von dem zweimaligen Meistertrainer Dan Tangnes, nachdem er zuvor dessen Assistent gewesen war. Bekannt für einen ruhigen und besonnenen Führungsstil, bereitete sich Liniger auf die Rolle auf unkonventionelle Weise vor, indem er beobachtete, wie Fachleute in Bereichen wie Chirurgie und Luftfahrt mit Druck umgehen und kritische Entscheidungen treffen.

Dieser zurückhaltende Ansatz zieht nun Kritik von Teilen der Fangemeinde und der Medien auf sich, die seine Gelassenheit bei Niederlagen als Passivität interpretieren. Schwere Niederlagen — darunter eine 0:7-Niederlage in Lausanne, eine 0:4-Niederlage in Ambri und eine knappe Overtime-Niederlage gegen Fribourg-Gottéron nach einem besonders schwachen letzten Drittel — haben die Geduld im Umfeld des Clubs auf die Probe gestellt. Einige lokale Kommentare haben bereits Fragen zu Linigers Zukunft aufgeworfen.

Liniger steht jedoch bis 2027 unter Vertrag, und Zug hat seit 2014 keinen Trainer mehr mitten in der Saison entlassen. Diese Stabilität spiegelt die langjährige Philosophie der Clubführung wider, einschliesslich Präsident Hans-Peter Strebel. Es gibt kaum Anzeichen dafür, dass ein Trainerwechsel allein die aktuellen Probleme lösen würde.

Verletzungen und Ungleichgewicht

Ein Hauptfaktor liegt in der Verfügbarkeit des Personals. Langfristige Ausfälle von Schlüsselspielern wie Lukas Bengtsson, Lino Martschini und Raphael Diaz würden jedes Team in der Schweizer National League schwächen. Zum Vergleich wäre es so, als würden die Meister ZSC Lions monatelang ohne mehrere ihrer Kernspieler auskommen müssen.

Bei voller Stärke wurde erwartet, dass der EV Zug bei ausgeglichener Spieleranzahl dominieren würde. Stattdessen hat das Team Mühe, Offensivkraft zu entwickeln, und zeigt trotz eines Kaders, das immer noch zu den teuersten der Liga gehört, einen Mangel an Rhythmus, Kreativität und Zusammenhalt.

Kaderentscheidungen unter der Lupe

Letzten Sommer signalisierte der Club eine Erneuerung, indem er hochkarätige Verstärkungen verpflichtete. Der Toptorschütze Dominik Kubalik kam an, zusammen mit NHL-Stammspieler Tomas Tatar. Um Platz zu schaffen, entliess Zug drei ausländische Spieler aus bestehenden Verträgen und entschied sich, die Schweizer Nationalspieler Dario Simion und Attilio Biasca nicht zu ersetzen.

Auf dem Papier beliefen sich die Änderungen auf kaum mehr als eine Umstrukturierung. In der Praxis könnten sie Ungleichgewichte geschaffen haben — insbesondere in Führung und Teamchemie —, die sich in schwierigen Zeiten deutlicher gezeigt haben.

Die Herausforderung eines alternden Kapitäns

Die Aufmerksamkeit hat sich auch auf Kapitän Jan Kovar gerichtet. Einst der dominante Spielmacher und die treibende Kraft der Meisterteams von Zug, kämpft der bald 36-jährige Center nun damit, Spiele so zu beeinflussen, wie er es einst tat. Alter, Verletzungen und persönliche Herausforderungen haben die Schärfe, die ihn unentbehrlich machte, gedämpft.

Kovars Vertrag wurde bis 2027 verlängert, als Anerkennung für seine früheren Beiträge und seinen Status in der Kabine. Seine Form neu zu entfachen, könnte eine von Linigers wichtigsten Aufgaben sein. Scheitert diese Wiederbelebung, könnte der Club nicht nur ein frühes Saisonende erleben, sondern auch eine umfassendere Neubewertung seiner sportlichen Ausrichtung.

Mehr als eine Trainerfrage

Zugs aktuelle Schwierigkeiten spiegeln eine Konvergenz von Faktoren wider: Verletzungen, Übergangsentscheidungen im Kader und der natürliche Rückgang erfahrener Führungskräfte. Während der Fokus auf den Cheftrainer gerichtet ist, deutet die Beweislage darauf hin, dass die Probleme struktureller und nicht taktischer Natur sind.

Ob sich der EV Zug vor den Playoffs stabilisieren kann, wird darüber entscheiden, ob dieser Winter zu einem vorübergehenden Tief — oder dem Beginn eines tieferen Neuaufbaus für einen der konstant erfolgreichsten Eishockeyclubs der Schweiz — wird.

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