
Die grosse Schweizer Abkühlung
Rekordbesucherzahlen in öffentlichen Schwimmbädern zeigen eine wohlhabende Nation, die durch akribisches kommunales Management Zuflucht sucht

Wenn die Sommertemperaturen ansteigen, ist der öffentliche Reflex in der Schweiz so vorhersehbar wie ordentlich: man strömt ins nächste städtische Freibad. Im Sommer 2026 erreichte dieser nationale Impuls einen neuen Höhepunkt. Umfragedaten der Nachrichtenagentur Keystone-SDA bestätigen, dass die Badbetreiber im ganzen Land an ihre Kapazitätsgrenzen stiessen, da die Bürger vor wochenlanger unerbittlicher Hitze Zuflucht suchten.
In Zürich verzeichneten die städtischen Sportbehörden über drei Millionen Eintritte in ihren fünfzehn Sommeranlagen und übertrafen damit den bisherigen Rekord von 2,44 Millionen aus dem Jahr 2023 deutlich. Allein im Juli passierten über 890.000 Besucher die Drehkreuze. Die Bewältigung dieser Flut war nicht nur eine Frage des Kassierens von Eintrittsgeldern. Die Zürcher Behörden mussten zusätzliches Frischwasser in die Becken pumpen, um die Wasserqualität zu erhalten, von Dürre gestresste Bäume, die Äste auf Sonnenbadende warfen, beschneiden und zusehen, wie ihre gepflegten Rasenflächen zu Staub zerfielen.
Bern bot ein ähnliches Spektakel administrativer Effizienz. Bis zum offiziellen Saisonende am 13. September verzeichnete die Hauptstadt fast zwei Millionen Besuche. Das entspricht einem Sprung von mehr als zehn Prozent gegenüber dem 2025 aufgestellten Rekord, eine Leistung, die erbracht wurde, obwohl Renovierungen die Eröffnung der Marzili-Anlage verzögerten und die Tests im Wellenbad Dählhölzli einschränkten. Weiter nördlich in Basel stiegen die Besuche in den Gartenbädern um über ein Viertel und erreichten Mitte September über 550.000 Eintritte.
Doch Basel zeigt, wie der Schweizer Staatsapparat auch an schwülen Tagen seinen Griff behält. Im Vergleich zum Vorjahr meldeten die lokalen Behörden eine ruhigere, geordnetere Saison, was weitgehend auf zusätzliches Sicherheitspersonal zurückzuführen ist, das an Spitzentagen eingesetzt wurde. Ordnung hat ihren Preis für die Unordentlichen: Die Stadtbeamten verhängten genau 99 Platzverbote. Unterdessen umgingen Zehntausende ungezählter Schwimmer einfach die Gemeindetore und liessen sich den Rhein hinabtreiben. Obwohl Basel seinen historischen Höchststand von 835.000 Eintritten aus dem Jahr 2003 nicht übertraf, blieb der regionale Appetit auf Wasser immens.
Von Aarau bis Weinfelden und in der ganzen Westschweiz meldeten die Betreiber einen noch nie dagewesenen Andrang. Die Gemeinden prüfen bereits bürokratische Anpassungen, um damit fertig zu werden. Lausanne hatte bereits 2024 die Öffnungszeiten verlängert, um den Ansturm der Hitzewelle aufzufangen, und damit ein Modell geschaffen, das andere Städte nun offen in Betracht ziehen. Der Schweizer öffentliche Sektor, stets methodisch, passt sein Uhrwerk weiterhin an eine Bevölkerung an, die entschlossen ist, komfortabel zu bleiben.
Verfasst von Thorben Thiede




