Serbien und Albanien schlagen gestuften EU-Beitritt ohne Vetorechte vor

In einem gemeinsamen Artikel fordern Aleksandar Vučić und Edi Rama eine schrittweise Integration in den EU-Binnenmarkt und den Schengen-Raum, um den ins Stocken geratenen Erweiterungsprozess wiederzubeleben.

Der serbische Präsident Aleksandar Vučić und der albanische Premierminister Edi Rama haben sich zusammengetan, um einen neuen Ansatz für den Beitritt zur Europäischen Union vorzuschlagen – einen, der es ihren Ländern ermöglichen würde, schrittweise in den Block einzusteigen, während sie vorübergehend auf einige der Privilegien verzichten, die Vollmitglieder normalerweise genießen.

Diese Idee legten sie in einem gemeinsamen Gastbeitrag für die Frankfurter Allgemeine Zeitung dar und nannten sie einen „realistischen Weg in die EU“, der darauf abzielt, die Erweiterung zu beschleunigen und die Stabilität im Westbalkan zu stärken.

Im Kern ihres Plans steht ein gestuftes Integrationsmodell. Im Wesentlichen könnten Serbien und Albanien schrittweise in den EU-Binnenmarkt und den Schengen-Raum eintreten, bevor sie Vollmitglieder werden.

Allerdings würden in dieser Übergangsphase einige Rechte, die typischerweise Vollmitgliedern der EU gewährt werden, nicht gelten. Vučić und Rama schlagen vor, dass ihre Länder keine eigenen EU-Kommissare, Sitze im Europäischen Parlament oder Vetorechte bei EU-Entscheidungen hätten.

Sie argumentieren, dass diese Regelung gut vorbereiteten Kandidaten ermöglichen würde, sich wirtschaftlich und politisch mit der EU zu verbinden, während die üblichen Schwierigkeiten in den Entscheidungsprozessen des Blocks umgangen würden.

Beide Staats- und Regierungschefs sehen den Westbalkan aus strategischer Sicht als entscheidend für die EU an. In ihrem Beitrag beschreiben sie die Region als geografisch von der EU umschlossen und eng mit der historischen Entwicklung Europas verbunden. Sie betonen auch, dass der Traum von der EU-Mitgliedschaft dort der größte Motor für Reformen, Investitionen und Versöhnung bleibt.

Direkt an europäische Entscheidungsträger gerichtet, fordern Vučić und Rama die EU auf, den Westbalkan als eine „neue Front für Investitionen in die Stärke der EU“ zu behandeln.

Sie betonen, dass eine schrittweise Integration in den Binnenmarkt und den Schengen-Raum sowohl die Wirtschaft als auch das politische Gewicht der EU stärken würde – ohne ihren institutionellen Rahmen zusätzlich zu belasten.

Dieser Vorschlag kommt nach Jahren ins Stocken geratener EU-Erweiterungsgespräche im Westbalkan. Serbien und andere Beitrittskandidaten wurden von Brüssel wegen langsamer Fortschritte bei wichtigen Reformen in den Bereichen Rechtsstaatlichkeit, Korruption, Medienfreiheit und richterliche Unabhängigkeit kritisiert.

Serbiens EU-Beitritt wird durch Bedenken hinsichtlich seiner Außenpolitik erschwert, insbesondere seiner Haltung zu EU-Sanktionen gegen Russland.

Angesprochen auf seine Verbindungen zu Russlands Präsident Wladimir Putin sagte er, er werde sich nicht dafür entschuldigen, mit irgendeinem globalen Partner zusammenzuarbeiten. Er hob Serbiens robuste Wirtschaftsleistung hervor und wies auf einen Rückgang der Staatsverschuldung hin.

Serbien beantragte die EU-Mitgliedschaft bereits 2009, doch der Fortschritt hat sich angesichts anhaltender EU-Zweifel verlangsamt.

Albanien hingegen hat sich ehrgeizige Ziele gesetzt. Auf demselben Gipfel erklärte Premierminister Rama, seine Regierung strebe die Vollmitgliedschaft bis 2030 an – nicht nur eine ferne Idee, sondern eine konkrete Frist. Er erwartet, dass die Beitrittsverhandlungen innerhalb von zwei Jahren abgeschlossen sein werden.

Zusammen mit Montenegro sticht Albanien als einer der am weitesten fortgeschrittenen Kandidaten des Westbalkans hervor.

Korruption bleibt jedoch ein heikles Thema. Rama verwies auf jüngste Reformen, einschließlich der Einführung der Antikorruptionsbehörde SPAK, als Beweis für Albaniens Engagement zur Bekämpfung des Problems.

Mit ihrem gemeinsamen Vorschlag drängen Vučić und Rama nun die EU, ihre Erweiterungsstrategie zu überdenken, und schlagen vor, dass ein gestuftes Integrationsmodell den Bemühungen, den Westbalkan mit Europa zu vereinen, neues Leben einhauchen könnte.