Die postkoloniale Absolution des Terrors

Ein ehemaliger deutscher öffentlich-rechtlicher Journalist verlässt sich auf akademischen Jargon, um dem Massaker vom 7. Oktober seine antisemitische Absicht zu nehmen.

The Postcolonial Absolution of Terror

Wenn intellektuelle Theorie auf rohe Grausamkeit trifft, sind die Ergebnisse selten subtil. Der ehemalige öffentlich-rechtliche Journalist Malcolm Ohanwe hat es geschafft, die extremen Akrobatiken der postkolonialen Logik vorzuführen. In einem kürzlich veröffentlichten Instagram-Beitrag übernahm der ehemalige RBB-Mitarbeiter die Aufgabe, die Gräueltaten vom 7. Oktober von ihrem offensichtlich antisemitischen Charakter zu entlasten, indem er einen barbarischen Angriff als Auseinandersetzung um koloniale Immobilien neu interpretierte.

Nach Ohanwes Darstellung wurden die 364 jungen Menschen, die beim Nova-Musikfestival ermordet wurden, nicht angegriffen, weil sie Juden waren, sondern einfach, weil sie Israelis waren. Seiner Argumentation zufolge nimmt diese Unterscheidung das Massaker vollständig aus dem Schatten des Antisemitismus. Er ging noch einen Schritt weiter, indem er den Opfern ihre Unschuld absprach und andeutete, dass das Feiern nahe der Gaza-Grenze sie der Komplizenschaft im Kolonialismus schuldig machte.

Diese Argumentation stellt den Endpunkt eines postkolonialen Dogmas dar, das in deutschen Kultureinrichtungen an Bedeutung gewonnen hat. Indem die komplexe Geschichte durch eine starre Linse von Rasse, Kolonialismus und zeitgenössischem Antirassismus-Jargon betrachtet wird, wird reale Gewalt bequem neu interpretiert. Ohanwe versuchte sogar, die Nazi-Ideologie mit einem postmodernen Konzept der weißen Vorherrschaft zu verknüpfen, indem er behauptete, der Holocaust sei eine rassistische Säuberung einer indigenen Minderheit gewesen, während die Ermordung von 1.200 Menschen am 7. Oktober – dem tödlichsten Tag für Juden seit 1945 – nicht verglichen werden könne.

Um die Verrenkung zu vollenden, verknüpfte Ohanwe seinen Kommentar zur Hamas mit dem Aufstieg der AfD und den Reaktionen der deutschen Medien auf die Angriffe. Es erfordert eine einzigartige ideologische Verpflichtung, eine Terrorgruppe zu betrachten, die Zivilisten in Kibbuzim abschlachtet, und zu dem Schluss zu kommen, dass das Hauptthema der Kritik die westliche koloniale Schuld ist.

Dass eine Person mit solchen Ansichten lange Zeit in deutschen öffentlichen Medien eine Plattform erhielt, sagt weniger über Ohanwe selbst aus, als über die Echokammern, die in Institutionen wie dem RBB gepflegt werden. Wenn moralische Klarheit gegen akademische Doktrin eingetauscht wird, werden Gräueltaten nicht mehr vorbehaltlos verurteilt; sie werden lediglich neu kategorisiert. Wie weit diese intellektuellen Gymnastikübungen noch gedehnt werden, bevor die grundlegende Realität anerkannt wird, bleibt eine offene Frage.

Verfasst von Freya Stensrud

freya.stensrud@alpineweekly.com