
Der hohe Preis von Interventionen und ideologischen Illusionen
Vierteljahrhundert-Rückblicke auf den 11. September beleuchten die Kosten staatlicher Übergriffe und die Beharrlichkeit innenpolitischer Reibereien.

Fünfundzwanzig Jahre nach den Anschlägen vom 11. September unternimmt die Weltpresse eine umfassende Bestandsaufnahme des Krieges gegen den Terror. Die retrospektive Übung zeigt eine klare Spaltung zwischen amerikanischer institutioneller Selbstjustifizierung und europäischer Skepsis gegenüber staatlicher Übergriffigkeit.
Innerhalb der Vereinigten Staaten verteidigen große Redaktionen das übergeordnete Erbe der Sicherheitskampagne. Die Washington Post räumt ein, dass zwar katastrophale Fehltritte im Irak und in Afghanistan gemacht wurden, das wesentliche Sicherheitsmandat jedoch erfüllt wurde. Ähnlich argumentiert das Wall Street Journal, dass eine aggressive Vorwärtsverteidigung und die Verantwortlichmachung von Hafenstaaten die amerikanische Heimat in den letzten fünfundzwanzig Jahren erfolgreich vor einer Wiederholung bewahrt haben.
Auf der anderen Seite des Atlantiks bilanzieren europäische Beobachter die außenpolitischen Manöver Washingtons härter. Ein Bericht in The Times hebt hervor, wie schnell die Bush-Regierung saudi-arabische Bürger, die für die Anschläge verantwortlich waren, mit einem nicht verwandten Regime im Irak verwechselte. Französische Kommentare schlagen einen noch kälteren Ton an. Ein ehemaliger französischer Geheimdienstoffizier bemerkte in Le Monde, dass der wahre Erfolg von Al-Qaida darin bestand, Amerika in endlose, zehrende Auslandskriege zu ziehen.
Während Washington die geopolitischen Kosten der Intervention kalkuliert, sieht sich Frankreich seinen eigenen wiederkehrenden innenpolitischen Reibereien gegenüber. Der Rassemblement National versucht derzeit, sich von einem Skandal zu distanzieren, in dem ein Sicherheitsbeamter und ein Polizist in Carcassonne sich dabei aufzeichneten, wie sie rassistische Beleidigungen gegen schwarze und arabische Einwohner äußerten. Parteivertreter beharrten gegenüber Le Figaro darauf, dass solche Überzeugungen in ihren Reihen keinen Platz haben, und taten die Angelegenheit als Einzelfall ab. Linke Kritiker bei L'Humanité weisen diese Verteidigung zurück und verweisen auf frühere öffentliche Äußerungen der Abgeordneten Caroline Parmentier zur Normalisierung von Homosexualität, reisenden Gemeinschaften und dem Vichy-Führer Maréchal Pétain als Beweis für eine breitere ideologische Kontinuität.
Unterdessen bietet die Paläontologie eine erfrischende Erinnerung an den echten Evolutionsdruck. Forscher, die eine versteinerte Feder in Dinosaurierkot untersuchen, erforschen, ob die Federdichte bestimmte Vogelfamilien bestimmte, die das katastrophale Post-Asteroiden-Klima überlebten. Es stellt sich heraus, dass langfristiges Überleben eher auf struktureller Isolation als auf defensiver Haltung beruht.
Verfasst von Thomas Nussbaumer
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